Linksverkehr, Rotwein und Rückflugfrost

von Svenja Penzel


Svenjas ZeugBad Elster, Anfang Januar 2026

Es gibt diesen ganz speziellen Moment nach einer Fernreise: Man steigt in Deutschland aus dem Flugzeug und fragt sich ernsthaft, ob man sich im Datum geirrt hat. Am Vortag liefen wir noch in leichter Sommerkleidung durch sonnige Straßen. Nun knirscht unter den Schuhen Eis. Der Körper braucht eine Weile, um zu begreifen, dass das normal ist für Anfang Januar im Vogtland. Wir sind zurück von einer schönen Familienreise nach Kapstadt und in die Weinregion. 

Meine letzte Reise nach Südafrika war 2004. Über zwanzig Jahre also. Inzwischen ist vieles deutlich einfacher geworden: Bargeld braucht man kaum noch, navigiert wird per Handy mit ständig aktiver E-SIM, und für die Fahrt ins Restaurant rufen die Kinder einen Uber. Und dann ist da dieses überraschende Wiedersehen mit der Vergangenheit. Erstaunlich vieles fühlt sich noch genauso an wie damals. Orte, Gerüche, Situationen – sie tauchten plötzlich wieder auf und begleiteten mich durch die Reise, mischten sich mit dem Neuen. Mal mit einer kleinen Gänsehaut, mal mit einem vor Freude hüpfenden Herzen. Eine emotionale Achterbahnfahrt, überraschend und sehr lebendig.

Apropos Achterbahnfahrt. Das Autofahren auf der linken Seite war anfangs… sagen wir: intensiv. Nach ein paar Tagen dann fast entspannt. Spätestens auf dem Chapman’s Peak Drive auf dem Weg zum Kap der Guten Hoffnung hatte ich das Gefühl, dass links fahren nicht nur Sinn macht, sondern richtig Spaß. Eventuell lag das auch an der Aussicht.

Sehr konstant geblieben ist der südafrikanische Wein. Zum Glück. Ein Picknick auf Boschendal ist immer noch eine wunderschöne Auszeit mit Decke, Käse und sehr gutem Glasinhalt. Wer noch etwas Adrenalin braucht: Ich empfehle die Cape Canopy Tour. Hoch über Schluchten schwebt man an starken Seilen von Plattform zu Plattform. Bei jedem neuen Start fragte ich mich kurz, ob das eine gute Idee war. Am Ende, noch leicht zitternd, waren wir uns aber einig: ja, definitiv.

Weniger charmant ist die Entfernung. Über elf Flugstunden sind es bis zum schönsten Ende der Welt. Noch etwas mehr, wenn man mit Turkish Airlines über Istanbul fliegt. Dafür hatten wir sehr gutes Entertainment. Ich habe auf dem Hin- und Rückflug mehrere Filme gesehen, deren Musik wir nun beim Neujahrskonzert mit dem Sinfonieorchester Markneukirchen spielen. Sehr praktisch, man sitzt im Flieger und arbeitet quasi kulturell vor.

Zurück zu Hause ist der Sommer plötzlich sehr weit weg. Die Sandalen verschwinden im Schrank, der Winter übernimmt wieder das Kommando. Und während draußen die tiefstehende Sonne auf dem Schnee glitzert, sortieren sich drinnen allmählich die Erinnerungen, leise und noch sonnenwarm.

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