Von nickenden und winkenden Weihnachtsbäumen

von Svenja Penzel

Svenjas ZeugBad Elster, im Dezember 2025

Durch unser kleines Dorf führt eine eingleisige Bahnlinie, und wir wohnen direkt am Bahndamm. Jährlich schneiden Bahn-Mitarbeiter die Vegetation rechts und links der Schienen zurück. Dabei haben sie eine kleine Fichte verschont, auf die wir von unserer Küche aus blicken. Vor ein paar Jahren fing unser Nachbar an, das Bäumchen in der Adventszeit zu schmücken. Zuerst nur mit ein paar Kugeln. Mittlerweile bekommt es eine Lichterkette. Dieses Jahr krönt ein lilafarbener Stern die etwas schiefe Spitze, die aussieht, als nicke der Baum freundlich zu uns herüber.

Irgendwie muss das Einfluss auf meinen diesjährigen Weihnachtsbaumkauf gehabt haben. Ein paar Tage vor dem vierten Advent schaute ich mich auf dem Außengelände eines nahen Baumarktes um, wo verpackte und ausgepackte Weihnachtsbäume zum Verkauf standen. Es war ein frostiger Vormittag, ich war die einzige Kundin, und der Verkäufer in der orangen Warnweste rieb seine kalten Hände aneinander.

„Ich suche einen kleinen schmalen Baum“, sagte ich. Bei uns daheim steht der Weihnachtsbaum in einer Ecke, und man muss zwischen ihm und dem Esstisch noch hindurchpassen. Wir gingen so von Baum zu Baum, und während ich noch dachte, die sind ja alle zu groß, wurde mir die Wahl auf einmal ganz leicht. Der Baum hatte mich nämlich schon gefunden.

Ein Zweig der obersten Gabelung, gleich unterhalb der Spitze, stand nicht wie üblich schräg nach oben, sondern wuchs in einem sanften Bogen nach unten. Wie eine Winkehand. Gesehen, verliebt, gekauft. Nun steht kein kleiner schmaler, sondern ein großer breiter, fein geschmückter Weihnachtsbaum in unserer Küche, sieht auf seine eigene Art wunderschön aus und freut sich genau wie wir auf die Bescherung an Heiligabend.

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