Einer der Big Five und selbst in Gefahr?

von Jacqueline Korb

Ol Pejeta, Kenia im November 2024

Sie heißen Najin und Fatu und sind 35 und 24 Jahre alt. Die beiden Damen sind freundlich und scheinbar durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Und sie lieben Karotten.

Ich begegne diesen Schwergewichten auf Augenhöhe und darf ihre raue Haut und das Horn berühren. Das fühlt sich irre an, zählen die beiden doch zu den gefährlichen "Big Five".
(So bezeichnet man in der Safariwelt die fünf Tierarten Elefant, Löwe, Büffel, Nashorn und Leopard - nicht nur wegen der Körpergröße, sondern auch wegen der Wehrhaftigkeit. Sie greifen an, statt zu fliehen und sind schwer zu erlegen, was sie leider in der Vergangennheit und Gegenwart besonders begehrt als Jagdtrophäen bei Großwildjägern macht). 

Schauplatz ist die Ol Pejeta Conservancy in Kenia, ein privates Schutzgebiet, ca. 200 km nördlich von Nairobi. Hier leben Najin und Fatu, die beiden letzten noch lebenden nördlichen Breitmaulnashörner (Northern white rhinos) der Welt. Sudan, der letzte männliche Vertreter seiner Art, ist im März 2018 gestorben. Seither kämpft eine internationale Forschergruppe mit künstlichen Befruchtungsversuchen gegen das Aussterben, während Ranger dafür sorgen müssen, dass keine Wilderer das Leben von Najin und Fatu auf grausame Weise vorzeitig beenden. Denn besonders das Horn ist begehrt, für teures Kunsthandwerk und als rare Zutat in traditioneller Medizin. Ein trauriger Fakt, der sicherlich vielen von uns bekannt ist. 

Ich kann nicht sagen, wie viele hundert Nashörner ich auf meiner Kenia Reise im November 2024 zu Gesicht bekommen habe - ein großes Privileg im Hinblick auf deren Bedrohung. Die Ol Pejeta Conservancy ist eines der privaten Schutzgebiete Kenias, in denen die beleibten Vegetarier in großer Zahl anzutreffen sind. Hier gibt es eine überschaubare Anzahl an Lodges und Campsites, einige davon in bester Lage am Ufer des Ewaso Ngiro River. Und auch die Fans der übrigen Big Five Vertreter kommen hier auf ihre Kosten. Was dabei entscheidend ist... auch in der Dämmerung ist keine Eile bei den Pirschfahrten geboten. Denn in der Conservancy dürfen Sie "vor dem Aufstehen" und nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs sein. Tageszeiten, in denen besonders die vierbeinigen Jäger aktiv sind.

Auch die Lewa Conservancy ist ein "Muss" für Nashorn-Begeisterte. Aber das ist lange nicht der einzige Grund, dieses Schutzgebiet auf seiner Bucket List zu haben. Die Landschaft ist beeindruckend, voller unterschiedlicher Facetten und wird mit etwas Glück auch noch durch den Blick auf dem majestätischen Mount Kenya gekrönt. Einziger Wermutstropfen: hier gibt es ausschließlich exklusive Lodges (ganze fünf an der Zahl), die sich ihre einzigartige Lage durchaus gut bezahlen lassen. Aber zurecht. Hier darf man genießen.

Und da aller guten Dinge drei sind, lassen Sie mich bitte an dieser Stelle auch das Solio Game Reserve erwähnen und empfehlen. Dieses kleine Schutzgebiet hat es sich zur Aufgabe gemacht, ca. 450 Nashörner zu behüten. Hier wimmelt es förmlich, und ich gebe zu, besonders die Baby-Nashörner haben es mir angetan. Klar, der eingezäunte Park erinnert ein kleines bisschen an Wildparks in Europa. Aber am Horizont thronen die Aberdares – ein weiterer Grund, die drei Autostunden von Nairobi mit dem Auto auf sich zu nehmen.

Wussten Sie eigentlich, dass sich die unterschiedlichen Gattungen (white und black) gar nicht farblich unterscheiden? Der Name "white" Rhino stammt vom Wort "wyd", das ist Afrikaans und bedeutet "weit". Es beschreibt die breite Oberlippe der Tiere (Breitmaulnashorn). Englische Siedler sind dafür verantwortlich, dass die Tiere irrtümlich als "weiß" bezeichnet werden, sie haben das Wort einfach falsch verstanden. Aber scheinbar nehmen die Tiere das weniger übel, denn den Breitmaulnashörnern sagt man ein vergleichweise entspanntes Gemüt nach. Es sind eher die Spitzmaulnashörner ("black" rhinos), die mit Vorsicht zu genießen sind. Wir reden eben doch von einem würdigen Vertreter der Big Five.

 

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