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Dreimal Khwai in Botswana
Khwai Private Reserve, 13. Dezember 2024
Trockene Mopane-Äste knacken unter den Rädern. Harry, unser Guide, steuert das Pirschfahrzeug durch dichten Busch. Unglaublich, wo so ein Land Cruiser überall hinfahren kann. Zuerst sehe ich den Grund unseres Abstechers vor lauter Bäumen nicht. Doch dann, da ist er: Der erste Leopard auf dieser Botswana-Safari! Genauer gesagt ist es eine junge Leopardin. Aus ihrem Gesicht spricht Empörung. Bald hat Harry den Grund dafür ausgemacht. Nur wenige Meter entfernt liegt eine Hyäne unter einem Busch und bewacht triumphierend hechelnd ein Impala, das sie der entsetzten Katze soeben gestohlen hat. Die Jägerin hatte es zwar geschafft, die Antilope zu erlegen. Ihr fehlte aber noch die Kraft, um die Beute auf einen Baum in Sicherheit zu bringen. Jetzt zerrt die Hyäne den Kadaver davon. Die Leopardin folgt ihr langsam, ohne eine Chance, die Beute zurückzubekommen. Das Leben kann hart sein im afrikanischen Busch. Vorsichtig manövriert Harry den Geländewagen aus dem dichten Busch zurück auf den Weg.
Ein paar Minuten später stehen zwei Pirschfahrzeuge am Wegesrand. Die Augen der Passagiere sind ins hohe Gras gerichtet, das die Fahrbahn säumt. Hier zeigt sich gleich eine weitere Leopardin. Sie ist etwas größer, vielleicht ist sie die Mutter der eben beraubten Jägerin.
Wir stellen uns dazu und bewundern das elegante Tier. Bevor das nächste Auto halten könnte, müsste ein anderes weiterfahren. Der private Betreiber dieses Wildreservats achtet auf die Obergrenze von höchstens drei Fahrzeugen an einer Tiersichtung. Aber so viele Autos sind hier eh nicht unterwegs. Safaris im Khwai Private Reserve sind den wenigen Gästen vorbehalten, die in der Handvoll kleiner Lodges innerhalb des Reservats wohnen. Das ist ein wichtiger Unterschied zum öffentlichen Khwai Wildreservat nebenan.
Und woher kommt der Name Khwai? Mit dem Fluss in Indochina, an dem das berühmte Buch „Die Brücke am Kwai“ spielt, hat es nichts zu tun. Khwai ist der Name eines Dorfers im Osten des Okavango-Deltas in Botswana.
Und auch der Wasserlauf, der aus dem Delta nach Osten fließt und später in Mababe im Sand der Kalahari versickert, heißt Khwai. Etwas weiter westlich im Moremi Wildreservat sagen Sie zum gleichen Wasserlauf Monachera. Es kommt in Botswana öfters vor, dass Flüsse unterwegs ihren Namen ändern.
Das mag etwas verwirrend erscheinen, aber eines steht fest: An den Ufern dieses Flusses lebt eine besonders reiche Tierwelt.
Lichte Wälder mit hohen Bäumen, weite Grasflächen und Lagunen wechseln sich ab. Diese Vielfalt an Lebensräumen sorgt für einen besonderen Artenreichtum. Nicht umsonst zählen Moremi und Khwai gleichermaßen zu den besten Safarigebieten in ganz Afrika.
Dabei unterscheiden sich die Regeln in den drei Gebieten. Das Moremi Wildreservat hat den höchsten Schutzstatus, ähnlich wie ein Nationalpark. Pirschfahrten sind nur zwischen Sonnenauf- und -untergang erlaubt. In Moremi treffen die Gäste der wenigen Lodges auf Selbstfahrer und kleine Reisegruppen, die in mobilen Zeltcamps nächtigen. Das Gebiet ist nur per Allradwagen erreichbar. Reisebusse und Pkw sind nicht zu sehen.
Auf den ersten Blick sind Moremi und die beiden Khwai-Reservate NG18 und NG19 nicht zu unterscheiden. Doch es gibt Unterschiede. Khwai ist kein Nationalpark. Das Land gehört der Gemeinde, die es über den Khwai Development Trust verwalten lässt. Für Safaris gibt es hier mehr Spielraum. So dürfen Pirschfahrten nach Sonnenuntergang fortgesetzt werden, um nachtaktive Tiere zu beobachten. Außerdem sind Pirschwanderungen, Bootsfahrten und Exkursionen im traditionellen Einbaum, dem Mokoro, im Angebot.
Im öffentlichen Teil von Khwai (NG19) sind kleinere Areale an verschiedene private Lodge-Betreiber verpachtet, andere Firmen dürfen Boote oder Campingplätze betreiben. Da Khwai immer beliebter wird, herrscht gerade in der Hochsaison von Juni bis Oktober manchmal ein gewisser Andrang von Besuchern. (Wobei das immer relativ zu verstehen ist. Verglichen mit dem öffentlichen Teil der Massai Mara in Kenia, dem Ngorongoro-Krater in Tansania und selbst dem Eingang zum Chobe Nationalpark bei Kasane in Botswana geht es in Khwai immer noch ruhig zu.)
Und wer es noch ruhiger haben möchte, der bucht eine der kleinen Lodges im Gebiet NG18. Dieses ist derzeit vergeben an eine einzige Firma, die unter dem Namen Khwai Private Reserve mehrere Safari-Domizile führt. Sie gehören alle zum Portfolio von Natural Selection, Slogan: „Safaris of Character“.
NG18 ist insgesamt 200.000 Hektar groß, wobei der interessanteste Teil im Süden nahe an den Ufern des Khwai liegt. Hier gibt es derzeit drei kleine Lodges: Tuludi (maximal 16 Gäste), Sable Alley (maximal 28 Gäste) und Little Sable (maximal 18 Gäste). Etwas weiter nördlich im Mopane-Buschland liegt das Elephant Pan Camp (vormals Hyena Pan Camp, maximal 16 Gäste). Hinzu kommen noch drei Starbeds als Sleep-Out-Option unter dem Sternenhimmel und demnächst noch zwei bis drei weitere kleine Unterkünfte.
Damit wird Khwai Private Reserve auf absehbare Zeit ein exklusives Safariziel bleiben. Das drückt sich in den Preisen aus, die bei den meisten der genannten Camps in den vierstelligen Bereich gehen (pro Person, pro Nacht, fully inclusive). Dafür ist nicht nur der Preis exklusiv, es ist auch das reizvolle Verhältnis zwischen wenigen Besuchern und ganz viel fast unberührter Wildnis, das sonst immer seltener wird.












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