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Shinde schlicht und schön
Shinde Footsteps, 14.12.2024
Der erste Eindruck ist schlicht. Das Pirschfahrzeug hält auf einem freien Platz zwischen hohen Bäumen. Rechts und links davon stehen zwei kleinere Gebäude, deren Canvas-Wände zu zwei Seiten hin offen sind. Dazwischen geht der Blick über die Feuerstelle hinweg auf eine kleine Bucht, in der Seerosen blühen und die von einem der permanent wasserführenden Flussarme des Okavango-Deltas gespeist wird.
Wo andere Lodges zunächst einen Eingangsbereich gestaltet haben, steht man hier gleich mittendrin. Eine große Wartezone ist auch nicht nötig, denn das Shinde Footsteps Camp zählt nie mehr als zehn Gäste zur gleichen Zeit. Heute sind es nur drei.
Größere Gebäude werden nicht gebraucht. Sie würden dem Blick in die idyllische Natur des Deltas nur im Wege stehen. Ein älterer Kellner mit Schirmmütze und verschmitztem Lächeln richtet gerade den Tisch für das Mittagessen. Natürlich haben wir von diesem Tisch aus einen schönen Blick auf die kleine Bucht mit den Seerosen. Auf dem großen Baum, der seine Äste darüber ragen lässt, sitzen immer wieder Eisvögel. Im Schilf nebenan landen die grün-gelben Zwergbienenfresser.
Footsteps war bis vor wenigen Jahren ein mobiles Camp für Safaris zu Fuß, daher auch der Name. Inzwischen hat es seinen festen Platz bekommen. Vier Zeltchalets, darunter eins mit zwei Schlafzimmern für Familien, sind auf erhöhten Holzplattformen gebaut.
Die Ausstattung ist durchaus komfortabel. Highlight ist für mich die zusätzliche Dusche unter freiem Himmel. Sie ist von einem hölzernen Sichtschutz umgeben, der den Blick nur nach vorn zum Delta hin freigibt. Als ich am Nachmittag diese Dusche fotografieren will, höre ich es hinter der Holzwand laut platschen. Das kann kaum die Nachbarin beim Duschen sein, denke ich. Nein, es sind Elefanten, die das Schilf vor dem benachbarten Zeltchalet verspeisen. Nachts grasen Flusspferde vor meinem Zelt. Sie laufen geräuschvoller durchs Wasser als die Rüsseltiere.
Aufgrund der Tradition spielen Pirschwanderungen noch heute eine große Rolle unter den verschiedenen Aktivitäten, die Shinde Footsteps bietet. „Dabei richten wir uns ganz flexibel nach den Bedürfnissen der Gäste“, erzählt mein Guide Robbie. Gerade sei ein Herr aus Deutschland abgereist, der ausgedehnte Wanderungen wünschte. „Also waren wir jeden Morgen bis zu vier Stunden zu Fuß unterwegs, bis es einfach zu heiß wurde.“
Gemeinsam mit mir ist ein junges Paar aus Brasilien im Camp, das seine allererste Safari erlebt. Also soll es am späteren Nachmittag nur eine kurze Wanderung geben. Wir sind dann knapp zwei Stunden auf Tour. Vorweg geht Robbie, zur Sicherheit ein Gewehr im Arm. Wir folgen leise im Gänsemarsch, am Ende läuft ein zweiter Guide. Robbie erklärt den medizinischen Nutzen verschiedener Pflanzen. Von Mitteln gegen Magenkrämpfe bis zur Steigerung der Manneskraft hat die Apotheke der Natur ein breites Portfolio.
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Dann gibt uns Robbie ein Handzeichen, wir sollen hinter einem umgefallenen Baum in Deckung gehen. Vorsichtig blicken wir durch die Zweige und sehen drei Elefanten, die in etwa 60 Meter Entfernung fressen. Gut, mit dem Auto kommt man oft viel näher ran. Aber ohne die Möglichkeit, den Rückwärtsgang einzulegen und davonzufahren, erscheinen die majestätischen Tiere noch eindrucksvoller. Und die Natur um uns herum ist noch idyllischer, wenn kein tuckernder Motor die Ruhe stört.
Trotzdem unternehme ich hier noch drei Pirschfahrten mit Robbie. Sie werden von Mal zu Mal spannender. Zunächst sehen wir drei Löwinnen, die einfach schlafen. „Ich wundere mich, wo die Jungen sind. Es sind nämlich zwei Mütter dabei“, weiß Robbie. „Vielleicht haben sie die Kleinen in einem Versteck zurückgelassen, um auf die Jagd zu gehen.“
Am Abend umrundet Robbie dann verschiedene Waldinseln. Er kann dabei die Wege verlassen. Shinde ist ein privates Schutzgebiet. Die Natur ist hier wegen der wenigen Fahrzeuge weniger belastet als in öffentlichen Nationalparks. Somit ist Off-Road-Fahren erlaubt.
Die Sonne steh schon sehr tief, als Robbie plötzlich stoppt „Da sind sie!“ Wer? „Die Löwen-Jungen.“ Insgesamt sieben kleine Katzen, zwei etwas älter als der Rest, verbringen hier die Zeit allein und entdecken ihre Umgebung. Gerade erregt ein Waran ihre Aufmerksamkeit. Das Reptil faucht. Die Löwen halten lieber Sicherheitsabstand. Ich kann noch ein paar Fotos machen, aber schnell schwindet das Licht.
Bevor wir am nächsten Morgen zur Flugpiste aufbrechen, macht Robbie noch einen Abstecher zu der Stelle, an der wir gestern die kleinen Löwen gesehen hatten. Und tatsächlich, sie sind immer noch da. Und sie warten immer noch auf ihre Mütter. Die Speicherkarte füllt sich mit weiteren Aufnahmen, diesmal im Morgenlicht. Dann heißt es: „Good by, Shinde lions!“
Auf der Fahrt stoppt Robbie und schaut aufmerksam nach links. Nach einer Weile sagt er: „Dort! Es ist ein Leopard.“ Ich brauche noch eine ganze Weile, um ihn auch zu sehen. Wie diese Guides das bloß machen, während der Fahrt einen Leoparden zu entdecken, der in mehr als 100 Meter Entfernung durch hohes Gras schleicht.
Hier in der Gegend gibt es junge Leopardinnen, die recht scheu sind, erzählt Robbie. Doch dieses Tier lässt uns nahe herankommen. Wir folgen ihm ein ganzes Stück von einem buschigen Hügel zum nächsten. Es ist ein Kater, der vielleicht gerade ein neues Revier absteckt.
Per Funk informiert Robbie seine Kollegen vom Shinde Camp. Das ist eine komfortable Lodge in einer anderen Ecke des Reservats. Dort sind gerade nicht so viele Großkatzen unterwegs. Also kommen zwei Autos von Shinde nun hierher, während wir in die Gegenrichtung fahren. Der Airstrip liegt ganz in der Nähe der Lodge mit Blick auf einen Seitenarm des Okavango-Deltas, der auch in der trockensten Zeit genug Wasser führt, um direkt vom Camp aus mit dem Motorboot und dem Mokoro, dem traditionellen Einbaum des Deltas, in die Wasserwelt zu starten.
Bei hohem Pegelstand sind Mokoro-Fahrten auch in der Gegend von Shinde Footsteps möglich. Jetzt am Ende des Jahres geht das nicht. So kommen die Gäste von Footsteps für Bootsfahrten zum Hauptcamp, wie die Gäste von Shinde heute für die Löwen in die andere Ecke des Reservats gefahren sind. Die Entfernung beträgt etwa eine Fahrtstunde. Wobei, es ist alles Pirschfahrt und man weiß nie, was es unterwegs noch zu sehen gibt.












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