Mit dem Mokoro ins Okavango-Delta

von Susanne Schlesinger

23.02.2016
Nach dem Frühstück sortieren wir unsere Gepäckstücke, Küchenutensilien und Wasservorräte und verladen diese in ein offenes Safarifahrzeug von „Planet Okavango“, einer Partnerfirma von Sunway Safaris. Unser Fahrer für die nächsten Tage heißt Ghandi. Da der Safaritruck in den Nationalparks wegen des fehlenden Allradantriebs nicht fahren kann, übernimmt die in Maun ansässige Firma den Transport durch das Okavango-Delta und die Wildschutzgebiete Moremi und Savuti. Jeffyas parkt den roten Safari-Truck auf einem gesicherten Gelände und schließt sich dann der Gruppe an. Er möchte die neuen Zelte sehen, die im Okavango-Delta für uns aufgebaut wurden. Das Wetter ist sehr warm, trotzdem weht auf dem offenen Fahrzeug ein kalter Wind und wir sind froh, dass wir bei einem kurzen Stopp noch eine Jacke und ein Tuch aus unserem Gepäck angeln können.

Wir sind noch nicht weit gekommen, als ein rumpelndes Geräusch eindeutig einen platten Reifen signalisiert. Das Loch ist schnell gefunden und Prince, unser Guide, hält einen Finger darauf, damit die restliche Luft im Reifen bleibt und das schwere Auto nicht zu weit absackt. Mit einigen Mühen und einem „Jack“ (einem monströsen Wagenheber) wird der Schaden behoben und wir erreichen gegen 11 Uhr die Poler-Station.

An der Polerstation

Überall im Delta gibt es solche Orte, die meist von einer in der Nähe wohnenden Dorfgemeinschaft genutzt werden. Hier liegen eine bestimmte Anzahl Mokoros (Einbäume), die die Gäste ins Delta und zurück befördern. Mokoros sind neben Motorbooten die einzigen Verkehrsmittel auf den Wasserstraßen im Delta. Sie transportieren Menschen und Material. Die Poler, benannt nach der langen Stange (Pole), die sie zum Staken benutzen, navigieren durch das Dickicht aus Schilf, Wasserpflanzen und Seerosen. Oft folgen sie Pfaden, die die Flusspferde durch den Pflanzenteppich des Deltas gefressen und getrampelt haben.

Traditionell werden die Mokoros aus den Stämmen von Leberwurstbäumen gehauen. Je größer der Baum, desto größer das Boot. Da durch den ansteigenden Tourismus immer mehr Mokoros benötigt werden, waren die Baumbestände im Delta gefährdet. Aus Termitenhügeln gewachsen, halten teilweise ganze Inseln zusammen. Planet Okavango und Sunway Safaris haben deshalb vor einigen Jahren eine Initiative gestartet, bei der Mokoros aus Fiberglas gesponsert und so für die Poler erschwinglich werden. Mittlerweile sind fast alle Mokoros aus Kunststoff, Holzboote sieht man kaum noch irgendwo. Hier gibt es weitere Informationen zu der Initiative.

Unser Gepäck ist verstaut und wir werden auf verschiedene Boote aufgeteilt. Sechs Mokoros setzen sich in Bewegung, hinein in das Wasserlabyrinth des Deltas. Mein Poler heißt Lincoln und spricht recht gut Englisch. Er erzählt mir, dass seine Familie eine Farm betreibt. Er und seine Schwester (sie stakt das Boot vor uns) verdienen mit den Touristen etwas dazu und ich habe den Eindruck, sie machen das ganz gern. Zwei Tage weniger harte Arbeit, Baden gehen, Spaß mit Freunden und gutes Essen. Für die jungen Leute ist das eine Erholung von der Farmarbeit.

Auf den Wasserstraßen des Deltas

Auf den freien Wasserflächen gleitet das Mokoro sanft dahin und wir kommen gut voran. In den engen Kanälen durch das Dickicht bleiben wir dagegen mit den langen Booten einige Male stecken. Zwischendurch sehen wir Wasservögel, unter anderem auch ein Blaustirn-Blatthühnchen (Prince, der deutsche Übersetzer, war ganz stolz, das korrekt aussprechen zu können). Man nennt diese kleinen Vögel auch Jacanas oder „Jesus-Bird“, denn sie können scheinbar über die Wasseroberfläche laufen. In Wirklichkeit haben sie sehr lange Zehen und Krallen und dazu ein geringes Körpergewicht. Das erlaubt ihnen, über im Wasser liegende Seerosenblätter und Schlingpflanzen zu gehen, ohne dabei einzusinken. Eine perfekte Illusion. Überall blühen weiße und zartlila Seerosen, im klaren Wasser kann man Unterwasserpflanzen und kleine Fische sehen.

Das gleichmäßige Plätschern der Stange und das sanfte Schaukeln des Mokoros wirken so beruhigend, dass ich fast einschlafe. Die Zeit scheint keine Rolle mehr zu spielen. Rund anderthalb Stunden sind wir unterwegs, bis die Poler mit einem kräftigen letzten Schubs die Mokoros auf festen Grund schieben und unsere Bootstour zu Ende ist.

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