Campingabenteuer im Okavango-Delta

von Susanne Schlesinger

23./24.2.2016
Wir sind mit dem Mokoro auf einem trockenen Stück Land im Okavango-Delta angekommen. Wo wir genau sind, weiß keiner (außer vielleicht mein mitreisender Bruder Robert, der mit seinem GPS-Gerät gern die Strecken und Wegpunkte ausmisst). Unser Camp befindet rund 100 Meter von der Anlegestelle der Mokoros auf einem leicht erhöhten Platz einer trockenen Landmasse.

Das Zeltcamp, das vorab für uns aufgebaut wurde, besteht aus drei Kuppelzelten sowie einem offenen Küchenzelt. Ein umgedrehtes Mokoro dient dabei als Anrichte und Tisch. Die Kuppelzelte sind 2 x 2 Meter groß und man kann in ihnen leicht gebückt stehen. Sie beherbergen zwei Feldbetten mit Kissen und Decken. In einem Anbau befindet sich eine Campingtoilette, die für nächtliche Bedürfnisse im Notfall gedacht ist. Wir haben sie nicht ein einziges Mal benutzt.

Die „offizielle“ Toilette ist im Gebüsch unweit des Camps versteckt. Es ist ein Sichtschutz rund um ein Loch im Boden, über dem sich eine Klobrille auf einem Gestell befindet. Wer sie benutzt, nimmt den Spaten mit und schippt nach dem Geschäft einfach eine Schaufel Erde in das Loch. Die Hände kann man sich dann in einer portablen Waschschüssel waschen. Einfach, aber völlig ausreichend und hygienischer als es sich anhört.

Hinter dem Küchenzelt gibt es eine Buschdusche, die auf Wunsch mit warmem Wasser gefüllt wird. Jeffyas zaubert uns ein Mittagessen aus gebratenen Würstchen, Zwiebeln und Brot.

Spaziergang am Nachmittag

Anschließend halten wir in der Mittagshitze eine kleine Siesta. Am späten Nachmittag ziehen wir dann im Gänsemarsch zu einer Wanderung los. Der Boden ist hier größtenteils fest und trocken. Überall ragen riesige Termitenhügel empor. Wir sehen auch einige Reifenspuren. Hier ist offenbar auch schon mal ein Allradfahrzeug gefahren. Viele Gebiete des Deltas sind saisonal trocken und befahrbar, in der Regenzeit verwandeln sie sich jedoch in Inseln oder werden komplett überflutet. Das Gras steht hoch, einige Zebras und Gnus beobachten uns aus sicherer Entfernung, immer bereit zur Flucht. In einer flachen Lagune tummeln sich einige Flusspferde. Sie dösen den kühleren Abendstunden entgegen und grunzen entspannt vor sich hin. Die Sonne geht unter und färbt den Himmel golden, später rosa- und lilafarben. Die Poler sitzen in den Mokoros am Wasser und ahmen den Ruf von Fröschen nach, schwatzen und lachen. Wir essen zu Abend und lassen am Lagerfeuer den Tag Revue passieren.

Am nächsten Morgen ist die Sonne noch nicht wieder aufgegangen, als die Gruppe zu einer weiteren Pirschwanderung aufbricht. Am Horizont erstrahlt ein goldenes Band, die Palmwedel glühen rot bei den ersten Sonnenstrahlen. Einige Nilgänse watscheln schnatternd durch das hohe Gras, Zebras ziehen vorbei. Höhepunkt ist eine Giraffendame, die im eleganten Passgang durch die Büsche flaniert. Sie scheint sich von der zweibeinigen Herde nicht stören zu lassen.

Pirschwanderung im Delta

Am späten Vormittag beginnen im Camp die Vorbereitungen für das Mittagessen. Ein starker Wind zieht auf, der Himmel verdüstert sich und dann öffnen sich die Schleusen. Wir sammeln schnell die Handtücher auf der Leine ein, schließen alle Luken an den Zelten und flüchten uns unter das Küchenzeltdach, während es buchstäblich Bindfäden regnet. Nach einer Viertelstunde ist der Spuk vorbei, die Sonne bricht wieder hervor und verwandelt alles in ein dampfendes Tropenparadies.

Den Nachmittag verbringen wir mit einigen Polern beim Baden in einer sandigen Lagune. Das Wasser ist flach und warm und hat eine erstaunlich starke Strömung. Wir schwimmen gegen den Strom und lassen uns wieder zurück treiben. Danach darf ich eine Mokoro-Fahrstunde nehmen. Hendrick, einer der Poler, erklärt mir kurz wie es geht und ich versuche mein Glück. Es ist alles eine Frage der Balance. Ich bleibe mit dem Mokoro auf einer Sandbank stecken und gehe beim Versuch, das Boot über die Sandbank zu schieben, über Bord. Die Poler, Hans und Anita lachen herzhaft. Ins Wasser zu fallen ist nicht schlimm, ich lande weich auf dem Sand und versuche mein Glück erneut. Der Mokoroboden ist glitschig und ich rutsche ein zweites Mal weg. Nach einer Weile geht es ganz gut, allerdings kommen wir in tiefere Gewässer und ich überlasse lieber Hendrick wieder das Steuer. Wenn ich jetzt über Bord gehe, komme ich sonst nicht mehr zurück ins Mokoro und muss den Rest des Weges schwimmen.

Am späten Nachmittag fahren wir noch einmal los in den Sonnenuntergang. Wir sehen Kormorane in den Bäumen und einen Büffel, der am Ufer grast. Irgendwo grunzen die Flusspferde. Die untergehende Sonne spiegelt sich im Wasser, der Himmel färbt sich indigoblau - ein wunderschöner Anblick! Zurück im Camp wird das Abendessen serviert und die Poler erfreuen uns später noch mit Gesang und akrobatischem Tanz.

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