Ein freier Tag in Victoria Falls

von Susanne Schlesinger

04.03.2016
Victoria Falls ist zu 100% fest in der Hand der Tourismusindustrie. Es gibt unzählige Lodges und Hotels, Safarifirmen, Anbieter von Aktivitäten rund um die Wasserfälle, Läden und Kunsthandwerkermärkte.

Das Rainbow Hotel, in dem wir für zwei Nächte wohnen, ist eine schöne, weitläufige Anlage mit angenehmen Zimmern und einem üppigen Frühstücksbüffet. Es ist durchaus auch für Privatreisen empfehlenswert, wenn man nicht direkt an den Wasserfällen übernachten will (wie zum Beispiel in der Ilala Lodge) oder erwürdiges Ambiente um sich haben möchte (wie im Victoria Falls Hotel). Meine Kollegen waren in diesen Lodges und wir werden heute auch noch eine kleine Zeitreise antreten. (Hier ist Marco's Reisebericht zu den beiden Hotels). Natürlich gibt es noch viele weitere Hotels, die wir im Programm haben. Eine Übersicht beliebter Unterkünfte in Victoria Falls und am oberen Sambesi gibt es hier auf unserer Website.

Unser Hotel liegt nicht weit vom Stadtzentrum und wir machen uns nach einem ausgiebigen Frühstück auf den Weg, um einige Besorgungen zu machen und letzte Souvenirs zu kaufen. Etwas lästig sind die Straßenhändler, die Touristen ständig ansprechen und kleine Schnitzereien verkaufen oder Simbabwe-Dollar tauschen wollen. Bei den Straßenhändlern sollte man nichts kaufen, weil sie keine Lizenzen zum Verkauf haben und die Preise auch oft überteuert sind.

Simbabwe-Dollar

Die Simbabwe-Dollar taugen allenfalls als witziges Souvenir, denn sie werden in den Läden oder Restaurants nicht akzeptiert. Gängiges Zahlungsmittel sind überall US-Dollar. Auch an Geldautomaten bekommt man Dollar-Noten, wobei hier viele alte Scheine im Umlauf sind. In Simbabwe werden diese akzeptiert, in anderen Ländern jedoch nicht. Man sollte deshalb nicht zu viel Geld abheben und darauf achten, die alten Scheine vor Ort wieder auszugeben. Neue Dollarnoten sind gelblicher und auch etwas größer als die alten.

Shopping mit Socken

Wir besuchen einen Kunsthandwerkermarkt und auch hier sind wie überall in Afrika die Händler wieder sehr aufdringlich. Sie würden vermutlich mehr verkaufen, wenn sie die Interessenten einfach mal in Ruhe schauen ließen, anstatt diese zu bedrängen. Ich falle auf einen Trick herein, der mich zum Glück nur ein Paar alter Socken und vielleicht einige Dollar zuviel für ein Schmuckstück kostet. Ein Händler bemerkt, dass ich mir eine Halskette aus kleinen Perlen anschaue und bietet an, dass sie entweder für 30 Dollar zu verkaufen ist oder sie gegen meine Socken zu tauschen. Natürlich zeige ich Interesse an dem Sockentauschgeschäft, und er schiebt nach, dass er mir dann einen Sonderpreis von 20 Dollar macht.

Ich sitze in der Falle und kann den Händler noch auf 15 Dollar und die Socken herunterhandeln, habe aber trotzdem das Gefühl, über den Tisch gezogen worden zu sein. Bei einigen Frauen kaufe ich später große bunte Tücher. Hier handeln wir zwar auch, aber es macht Spaß mit den Ladies und es kommt für beide Seiten ein guter Deal dabei heraus. Tipp: lieber Socken, Schuhe oder ähnliches behalten und den höheren Preis herunterhandeln. Geben Sie Kleiderspenden lieber an die Guides oder fragen Sie im Hotel, ob man Gebrauch für Schuhe oder Kleidung hat, die am Reiseende nicht wieder mitgenommen werden sollen.

Hans und Anita erstehen ein geschnitztes Nilpferd für ihre Afrikasammlung und wir verlassen den Markt dann schnell. Es ist Mittagszeit und wir beschließen, richtig dekadent zu sein und unser letztes Mittagessen stilvoll einzunehmen.

Zum Lunch ins Victoria Falls Hotel

Das erwürdige Victoria Falls Hotel ist im Jahr 1904 als Unterkunft für die Ingenieure der Eisenbahnlinie Kapstadt-Kairo erbaut worden, die die englischen Kolonien in Afrika miteinander verband. Im gleichen jahr wurde auch die berühmte Eisenbahnbrücke gebaut, die den Sambesi überspannt. Später wurde das Hotel zu einer Luxusunterkunft für die vornehmen englischen Safarigäste und gehört wie das „Cataract“ in Kairo, das „The Norfolk Hotel“ in Nairobi oder das "Mount Nelson Hotel" in Kapstadt zu den legendären Adressen der englischen High Society.

Ich liebe alte, historische Gebäude, deren Wände Geschichten erzählen und deren Ausstattung nicht unbedingt praktisch ist, aber herrlich verschnörkelt, plüschig und ein bisschen dekadent. Das Victoria Falls Hotel trifft daher genau meinen Geschmack und ich nehme mir schon bei dem Betreten der Eingangshalle vor, hier irgendwann einmal eine Nacht zu verbringen (Vielleicht gibt's für die Besenkammer einen Sonderpreis).

Durch den Innenhof gelangen wir auf die Terrasse. Unter Sonnenschirmen sitzen die Gäste und können den herrlichen Ausblick auf die Eisenbahnbrücke genießen. Ein netter Kellner in einer Uniform serviert unser Mittagessen auf Porzellan mit eigenem Hotel-Logo. Die Preise für Getränke, Sandwiches und Salat sind erstaunlich moderat. Wir lehnen uns zurück und lassen die Atmosphäre auf uns wirken. Vor meinem inneren Auge erscheinen Damen in weißen, hochgeschlossenen Kleidern mit bauschigen Röcken, großen Hüten mit Straußenfedern auf den Lockenfrisuren und einem spitzenbesetzten Schirm. Dazu Gentlemen in sandfarbenen Uniformen mit glänzenden Stiefeln und streng mit Pomade gekämmtem Scheitel und Schnurrbart, die den Damen galant den Arm reichen und sie über die breite Treppe hinunter zum Aussichtspunkt geleiten.

In der Gegenwart sehen wir überwiegend Amerikaner in Shorts und Turnschuhen, die mit großen Kameras, Sonnenbrillen und Baseballkappen auf der Terrasse Bier trinken oder Teenager, die mit ihrem Handy spielen. Aber wir sehen ja auch nicht besser aus. Nach dem Lunch schlendern wir ins Hotel zurück und genießen den Nachmittag am Pool, bevor wir abends ein letztes Mal gemeinsam essen gehen und die Eindrücke der Reise Revue passieren lassen.

Felix, Robert und ich werden morgen vom Flughafen in Victoria Falls über Johannesburg nach Hause fliegen, Anita und Hans bleiben noch einen Tag länger. Jeffyas, der in Victoria Falls wohnt, freut sich auf ein paar freie Tage mit seiner Familie, bevor es auf eine Tour durch Simbabwe, Sambia und Malawi geht. Prince wartet auf einen Truck, der in zwei Tagen ankommen soll und ihn dann mit nach Johannesburg nimmt.

Am nächsten Vormittag bringen uns Jeffyas und Prince mit dem Safari-Truck zum Flughafen und verabschieden uns herzlich. Die beiden waren wirklich tolle Guides und haben wesentlich dazu beigetragen, dass es so eine schöne Tour war. Felix fliegt mit der South African, wir mit British Airways nach Johannesburg. Da wir dort neu einchecken müssen, treffen wir uns nicht noch einmal.

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