Warum ist Botswana so teuer? Ein persönliches Fazit

von Svenja Penzel

Chobe, 29.11.2016

Ein letzter Morgen bleibt mir noch auf dieser kurzen, aber vollgepackten Tour. Zum Durchatmen, Gedanken sammeln und das Erlebte Revue passieren lassen. Die Sonne scheint auf meine kleine Terrasse im Chobe Elephant Camp, der Blick fällt auf die weiten Schwemmwiesen an den Ufern des Chobe-Flusses und die Tiere, die dort friedlich grasen. What a wonderful world. Ich denke zurück an den herrlichen Nachmittag im Delta mit der schwimmenden Bar, an den Geruch des wilden Salbeis, das Klicken der Reedfrogs am Abend und die wunderschönen Sonnenuntergänge.

Oft genug habe ich den Vergleich gezogen zu Kenia und Tansania, das ich die letzten vier Jahre hauptsächlich bereist habe. In Botswana ist es so angenehm, eine Tiersichtung für sich allein zu haben oder nur mit wenigen anderen zu teilen. Die Tiersichtungen auf unserer Reise, die Ende November in die Nebensaison fällt, sind nicht phänomenal. Wir haben zwar die Big Five gesehen, Leoparden sogar zweimal und Elefanten in großen Herden, dazu Hyänenbabys und Wildhunde, aber dazwischen auch immer wieder lange Stunden ohne nennenswerte Sichtungen im Fahrzeug verbracht. Ich finde das nicht so schlimm. Es ist schon ein Privileg, in diesen riesigen geschützten Gebieten, in dieser herrlichen Natur und Landschaft unterwegs zu sein und den Blick weit schweifen zu lassen, denn der Norden Botswanas ist sehr flach. Es sind auch die Horizonte, die ich liebe.

Und je älter ich werde, desto mehr spüre ich meine Sehnsucht nach Wasser. Ich mag es, wenn der Blick von Camp aus, besser noch von meinem Zelt oder Chalet, aufs Wasser fällt. Herrlich der Morgen im Okavango-Delta, als noch der Nebel über den Wasserläufen liegt und die Morgensonne die Szene in wunderbares Licht taucht. Oft genug hätte ich mir Zeit zum Verweilen gewünscht. Natürlich geht das auf einer so kurzen und intensiven Tour nicht, wir wollen ja nicht nur die Lodges, sondern auch die angebotenen Aktivitäten testen und verbringen viel Zeit außerhalb des Camps. Aber ich möchte jedem Reisegast raten, sich wenigstens einmal auf einer individuellen Botswana-Reise eine dritte Nacht in einem schönen Camp zu gönnen und sich einen Tag, oder wenigstens einen halben Tag, nichts vorzunehmen. Die Zeit und Ruhe mit einer Tasse Kaffee, einem guten Buch, einem Fernglas oder einem Badetuch am Pool ist unbezahlbar. Und oft genug kommen ja die Tiere bis zum Camp und man hat noch einen weiteren guten Grund, die Pirschfahrt sausen zu lassen.

Botswana ist unglaublich gut organisiert. Das fängt schon bei der Einreise an. Erstens kostet sie nichts - die Aufenthaltsgenehmigung für Touristen ist für 90 Tage frei (gilt weiterhin, Stand April 2018, Anm. d. Red). Zweitens geht alles schnell und effizient. Jeder Transfer, jede Abholung, jeder Weiterflug ist arrangiert und pünktlich. Das ist natürlich auch der langjährigen Erfahrung und Professionalität unseres Safari-Partners in Botswana zu verdanken. Safari Destinations kann es einfach, das bestätigen uns unsere Kunden auch regelmäßig. Auch kurzfristige Arrangements, Zusatzwünsche, Planänderungen sind kein Problem und lassen sich zur Not sogar mitten in der Wildnis organisieren, dem Funkgerät des Camp-Managers sei Dank. WLAN hingegen ist bei weitem noch nicht so üblich und fortgeschritten wie in anderen Safari-Zielen in Afrika. Während man in Tansania und Kenia in fast jeder Lodge mit freiem WLAN rechnen kann, ist das in Botswana nicht üblich. Selbst in den berühmten und teuren Lodges kann man es nicht erwarten. Und wenn doch, dann in der Regel nur an einem Ort im Hauptbereich und mit geringer Stärke. Wie ich erfahre, ist das sogar die Politik bestimmter Lodge-Gruppen. Die Gäste sollen ihre Handys und Laptops im Gepäck lassen und sich lieber miteinander und mit ihren Guides unterhalten. Tatsächlich ist es angenehm, wenn beim Abendessen oder in der Boma am Feuer niemand abgelenkt ist und nur nach unten guckt.

Warum sind die Lodges eigentlich teilweise so furchtbar teuer? Das hat viele Gründe. Eine Lodge mitten in ein fast unzugängliches Gebiet zu bauen erfordert einen enormen logistischen Aufwand. Nicht immer führt eine befahrbare Straße bis dorthin, oft sind es nur Sandpisten oder Wasserwege. Noch aufwändiger ist es jedoch, diese Lodge dann auch zu betreiben. Alle Waren, die tagtäglich benötigt werden, kommen mit dem Supply Truck aus Maun, der je nach Lage des Camps um die acht Stunden unterwegs ist. Doch Maun hat längst nicht alles, viele weitere Dinge werden aus Südafrika importiert wie zum Beispiel die guten Weine, die beim Abendessen inklusive sind. Frische Waren wie Obst, Gemüse und Fleisch werden zweimal pro Woche eingeflogen. Dafür werden teilweise aus den Cessna-Buschfliegern die Sitze ausgebaut. Wenn die Versorgungsfahrzeuge nicht bis an die Lodge heranfahren können, müssen die Waren vom Truck auf Boote verladen werden und dann nimmt das Beliefern einer Lodge einen ganzen Tag in Anspruch. Jeglicher Müll muss wieder ausgeflogen oder ausgefahren werden.

Das Camp muss wieder abbaubar sein, ohne Spuren in der Natur zu hinterlassen. Der ganze Aufwand wird nur für wenige Gäste betrieben. Die meisten Camps im Delta haben nur 12 Gästezimmer, können also nur maximal 24 Gäste aufnehmen. Manche Unterkünfte sind noch deutlich kleiner. Wer sich diesen Luxus in der Wildnis gönnt, erwartet auch sehr gutes Essen, gut ausgebildete Guides und qualifizierte Manager. Der Personalaufwand ist enorm, und er steigt mit der Zahl der angebotenen Aktivitäten und der Individualisierung. Manche Lodges bieten sogar private Dinner an, also Abendessen auf der Terrasse des eigenen Chalets, oder Massagen, auch dafür benötigt man geschultes Personal.

Am Ende ist der Preis sicherlich gerechtfertigt, auch wenn er enorm hoch erscheint. Gut, bei einigen besonderen Camps kommt noch der Name oder die Marke dazu, die sowohl die Erwartungshaltung als auch den Preis in die Höhe treibt. Dazu gehören die "ganz Großen" wie die Premier Camps von Wilderness (Mombo, Vumbura u.a.), die Unterkünfte der Sanctuary-Gruppe (allen voran das neu gestaltete Chief's Camp) und die Camps von &Beyond, die mit viel Luxus und sehr guten Guides punkten.

Aber es geht auch eine bis zwei Preisstufen darunter mit Unterkünften von Desert&Delta, Ker&Downey oder Under One Botswana Sky. Und es kommt letztlich auch darauf an, was der Kunde erwartet. Es muss vielleicht nicht unbedingt der Privatpool auf dem eigenen Sonnendeck sein oder eine über 100 Quadratmeter große Suite in der Wildnis. Daher finden wir es wichtig, dass wir im Gespräch mit unseren Reisegästen herausfinden, wie die Ansprüche, Wünsche und Budgetvorstellungen zusammenpassen. Wer nicht unbedingt auf die Hochsaisonmonate Juli bis Oktober angewiesen ist, kann davor und danach günstigere Preise und Sonderangebote nutzen. Da der Preis in der Regel all inclusive ist und auch alkoholische Getränke, Wäscheservice, die Aktivitäten, die Park- bzw. Konzessionsgebühren sowie die Anreise im Kleinflugzeug enthält, die für sich schon ein Erlebnis ist, relativiert er sich schon etwas.

Für manche Gäste ist eine Flugsafari in Botswana ein Traum, den sie sich einmal im Leben erfüllen. Andere kommen mehrmals, finden schließlich ihre persönlichen Lieblingscamps und buchen dort dann längere Aufenthalte. Mich hat auf dieser Reise Camp Okavango überzeugt, weit mehr als die deutlich teureren Adressen. (Bericht zum Camp Okavango)

Natürlich habe ich nur einen kleinen Ausschnitt aus dem großen Angebot an Unterkünften im Delta, in Moremi und in Linyanti bzw. Chobe gesehen. Meine Kollegen Ulrike und Marco wissen und kennen mehr.

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