Helikopter-Flug über das Okavango-Delta – lohnt es sich?

von Svenja Penzel

Eagle Island Camp, 27.11.2016

Noch sind es nur wenige Lodges im nördlichen Botswana, die einen Helikopterflug als Zusatzaktivität anbieten. Die Firma Helicopter Horizons aus Maun hat dort ihre Hubschrauber, genannt Chopper, stationiert. Das Eagle Island Camp im Okavango-Delta ist so ein Ort. Und in diesem Camp verbringen wir auf unserer Erkundungsreise eine Nacht.

Ich wusste also schon vorher, dass wir die Möglichkeit zu einem Heli-Flug haben. Neugierig war ich durchaus, dachte aber, dass wir die Camps ja ohnehin anfliegen und ich auch aus der Luft einen guten Eindruck von der Landschaft bekomme. Warum sollte ich da einen weiteren Flug, der zudem noch extra zu zahlen ist, dazubuchen? Wobei... wenn man einmal da ist und es wirklich so toll ist, wie erst kürzlich ein Bekannter erzählte, sollte ich es mir vielleicht doch gönnen?

Beim Einchecken in die Eagle Island Lodge lassen dann acht Buchstaben auf dem Registrierungsbogen mein Herz höher schlagen und mir die Entscheidung abnehmen. "Heli incl" steht da. Die Überraschung ist gelungen. Zum zweiten Mal klopft mir das Herz, als wir am Nachmittag mitten auf einer Pirschfahrt zu einer Lichtung gelangen, auf der ein kleiner schlanker Hubschrauber steht. Nun wird es ernst. Andrew Baker, der Eigentümer von Helicopter Horizons, ist persönlich angereist, um unsere Gruppe zu begrüßen und selbst zu fliegen. In seinem Einführungs- und Sicherheitsbriefing ist es ihm besonders wichtig klarzustellen, dass sich die Tiere selbst im niedrigen Flug nicht vom Heli und seinem Rotorlärm stören lassen. Es stimmt, wie wir noch selbst sehen werden.


Der Chopper hat vorn eine Plexiglasscheibe, aber offene Seiten, da die Türen ausgebaut sind. Drei Passagiere kann er mitnehmen. Ich komme in den Genuss des ersten Fluges und darf vorn neben Andrew Platz nehmen. Anschnallen, Kopfhörer auf, und schon geht es los. 25 Minuten fliegen wir in niedriger Höhe zwischen 10 und 25 Metern über das Okavango-Delta hinweg. Zu dieser Jahreszeit, Ende November, ist nicht mehr viel Wasser im Delta. Weite Schwemmwiesen, durchzogen von einzelnen Wasserläufen und Lagunen, breiten sich vor uns aus. Ein schönes Bild. Unberührte Wildnis, keine Häuser, keine Menschen. Dafür Elefanten am Ufer der Wasserläufe, Kudus, Impalas, ein Krokodil und immer wieder Hippos. What a wonderful world...

Auf einem kahlen Baum sitzt ein Schreiseeadler, an dem wir recht nah vorbeifliegen, er rührt sich nicht. Als wir eine weite offene Ebene überfliegen, zieht Andrew den Chopper immer weiter nach unten, bis ich das Gefühl habe, wir berühren gleich die Grashalme. "Sechs Meter Flughöhe", höre ich seine Stimme in meinem Kopfhörer, "der Blickwinkel einer Giraffe." Faszinierend und aufregend, mir stockt fast der Atem.

Viel zu schnell ist unsere Runde zu Ende und wir erreichen wieder unseren Ausgangspunkt, wo unsere Mitreisenden uns neugierig erwarten. Ich bin sprachlos und begeistert. Mit strahlenden Augen drücke ich Carina von Safari Destinations ganz fest, die uns zu diesem einmaligen Erlebnis eingeladen hat.

Noch dreimal startet der Helikopter, bis alle aus unserer Gruppe geflogen sind. Währenddessen dürfen sich die anderen zu einem "Bush Brunch" am gedeckten Tisch im Schatten hoher Bäume niederlassen. Jeder zurückkehrende Mitreisende hat glänzende Augen. Und alle haben sie den Schreiseeadler gesehen, der sich nicht von seinem Ausguck fortbewegt hat.

Sollten Sie jemals die Möglichkeit haben, auf Ihrer Botswana-Reise einen Heli-Flug zu machen, klare Empfehlung: machen!

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