Linyanti – Ort der Fülle

von Svenja Penzel

Duma Tau, Linyanti, 27.11.2016

Linyanti, was ist das eigentlich? Eine Gegend, ein breiter Fluss, ein Teil des Chobe Nationalparks. Einer, der von vielen Botswana-Reisegästen links liegen gelassen wird, da der nördliche Teil dieses Nationalparks, oben am Chobe-Fluss nahe Kasane, viel bekannter und beliebter ist. Zu Unrecht.

Linyanti präsentiert sich uns als Ort unendlicher Fülle. Ich hätte nicht gedacht, Ende November hier so viele Tierherden zu sehen. Und dabei so wenig andere Besucher. Das liegt aber auch daran, dass es in Linyanti mehrere Privatkonzessionen gibt, zu denen Selbstfahrer und Tourgruppen keinen Zugang haben. Eine davon gehört Wilderness Safaris.


Wilderness hat mit dem Duma Tau Camp ein herrliches Refugium an einer der schönsten Stellen in Linyanti geschaffen. Der breite Fluss macht hier eine Biegung, und vom Bett oder von der Terrasse jedes Zimmers bietet sich zu jeder Jahreszeit ein wunderbarer Blick aufs Wasser. Eigentlich kann man auf seiner Terrasse sitzenbleiben, sich einen Drink ordern und einfach nur den Elefanten oder Büffeln am Fluss zuschauen. Zu den Mahlzeiten begibt man sich über lange hölzerne Stege zum imposanten Hauptgebäude, ebenfalls mit Flussblick. Die Architekten waren hier kreativ. Im Retro-Design präsentieren sich Lounge und Speiseraum mit vielen interessanten Elementen aus den Pioniertagen des Reisens. Eine Besonderheit ist die Floating Boma. Ein Steg führt vom Hauptgebäude ein paar Meter über den Fluss zu einem runden Ponton, auf dem es Sitzgelegenheiten gibt. Hier wird abends ein Lagerfeuer in einer großen Feuerschale entzündet. Ein romantischer Ort – die leichte Brise vom Fluss, das Knistern des Feuers und darüber die Sterne. Überhaupt hat das Camp etwas sehr Romantisches. Nach Einbruch der Dunkelheit erhellen viele kleine Laternen die Wege, und auch das Dinner wird bei Kerzenschein serviert.

W-LAN gibt es nicht, und auf Handy-Empfang darf man sich nicht verlassen. Manchmal gibt es ein Signal vom namibischen Netz, von der anderen Seite des Linyanti-Flusses her. Aber im Grunde ist es doch schön zu wissen, dass man für ein paar Tage von der Außenwelt abgeschnitten ist und sich bei niemandem melden kann. Auch das ist ein Stück Freiheit.

Die zehn Zimmer, die sich rechts und links vom Hauptgebäude erstrecken, sind groß und komfortabel eingerichtet. Etwas Aufmerksamkeit erfordert eine Stufe, die mitten durch das Schlafzimmer verläuft, vor allem wenn man nachts mal aus dem Bett muss. Jetzt im November wird es sehr heiß im Zimmer, es gibt keine Klimaanlage. Das Design des Badezimmers ist ungewöhnlich, die Dusche ist hinter einer Plane, und zwischen Bad und Schlafzimmer ist eine Glasscheibe. Durch den eingeschränkten Sichtschutz ist das nichts für Menschen, die nicht so vertraut miteinander sind. Wie ich hörte, soll das Design in diesem Punkt aber noch geändert und verbessert werden.

Die Aktivitäten sind vielfältig. Durch die Lage in einer Privatkonzession bietet Duma Tau neben Pirschfahrten am Tag auch Pirschwanderungen und Nachtpirschfahrten an. Auch eine Bootspirsch im Motorboot auf dem Linyanti ist möglich. Wir werden auf unseren Fahrten reich belohnt. Neben dem üblichen Großwild sehen wir eine sehr aktive Kolonie Karminspinte (Carmine Bee-Eater) und eine Leopardenschildkröte. Beeindruckend sind die großen Elefanten- und Büffelherden am Fluss. Es hat fast den Eindruck, als ob sie eine Show für uns abziehen. Unsere Guides Godfrey und Mocks sind sehr erfahren, sie unterhalten uns mit interessanten Details und Tiergeschichten.

Als die Sonne sinkt und wir allmählich wieder den Rückweg zum Camp einschlagen, biegt unser Fahrzeug von der Hauptpiste ab. Es geht durch Buschland auf den breiten flachen Uferstreifen des Linyanti zu. Dort steht ein Tisch im Gras. Fleißige Hände haben ein Picknick aufgebaut und stehen mit gekühlten Getränken bereit. Die Überraschung ist gelungen. Als es dunkel wird, umgibt uns eine Perlenkette aus Kerzen im Gras. Wir genießen den weiten Himmel über dem Fluss, der sich verfärbt, das Licht, die Stimmung, den Augenblick. Das Leben ist schön.

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