Luxus, Leoparden und ein lustiges Nashorn in Moremi

von Svenja Penzel

Chief’s Camp, Moremi, 24.11.2016

"Feel at home" steht auf meiner Bettdecke. Der Schriftzug aus dunklen Samenkörnern ist ein lieber Willkommensgruß und passt zu dem warmherzigen Empfang im Chief’s Camp. Trevor und seinem Team sieht man an, wie stolz sie auf ihre Luxuslodge sind, die erst vor wenigen Monaten nach aufwändigem Um- und Neubau im neuen Glanz wiedereröffnet wurde. Schließlich führen sie ein Camp, das zu den besten Adressen in ganz Botswana zählt. Es ist eins von nur zweien, die auf Chief's Island im Moremi Wildreservat liegen. Diese "Prime Position", also Exklusivität in einer besonders wildreichen Gegend, ist einer der Gründe dafür, dass dieses Camp der Sanctuary-Gruppe sehr hochpreisig ist.


Auch die Zimmer werden diesem Anspruch gerecht. Sie sind schön gestaltet, sehr groß und mit allem ausgestattet, was der anspruchsvolle Reisende erwarten kann. Auf der breiten Holzterrasse mit freiem Blick in die Weite von Moremi lockt ein kleiner Privatpool eingerahmt von gemütlichen Sitzecken, sowohl überdacht als auch unter freiem Himmel. Drinnen ist die Minibar voll bestückt, ein Sherry mit zwei Gläsern steht bereit, frische Eiswürfel ebenso. Wir brauchen eine ganze Weile, bis wir uns mit den Lichtschaltern zurechtgefunden haben. Es sind so viele, weil jeder Teil des Zeltes einzeln und anders beleuchtet wird. Das Bett ist herrlich bequem und hat als Besonderheit für heiße Nächte eine Mini-Klimaanlage, die bei zugezogenem Moskitonetz das Innere des Betts kühlt.

Auf die Pirschfahrten sind wir sehr gespannt. Es ist Ende November, der Wasserstand im Delta extrem niedrig, und von der Regenzeit sind erst einzelne Vorboten zu sehen, kräftige Regenschauer hat es hier in Moremi noch nicht gegeben. An einem bedeckten Morgen steigen wir in das Pirschfahrzeug. Sechs Gäste haben hier Platz, jeder Platz ist ein Fensterplatz. Wobei es keine Fenster gibt, außer einem Schattendach ist der Wagen komplett offen. Mir gefallen die vielen Ablagen für Trinkflaschen, Ferngläser und Fotoapparate. Über USB kann man vorn im Wagen auch Geräte laden. Martin, unser Guide, erklärt uns viel Wissenswertes über die Landschaft und Tierwelt von Moremi. Wir sehen mehrfach Hyänen, darunter Jungtiere am Bau, Löwen am Riss und einen Leoparden in einem Baum.

Unser Highlight ist ein Nashorn. Nashörner wurden hier erst vor ein paar Jahren wiedereingeführt und fühlen sich mittlerweile in Moremi heimisch. Wir treffen ein einsames Black Rhino auf einer weiten Ebene, und es kommt auf uns zu getrottet. So recht scheint unser Fahrzeug ihm aber nicht zu gefallen, denn es setzt zum Trab an und rennt uns entgegen. Etwa hundert Meter vor dem Fahrzeug bleibt es abrupt stehen, schnaubt und dreht sich wieder weg. Dann setzt es zu einer zweiten Drohgebärde an, die aber irgendwie ulkig wirkt, so dass wir lachen müssen. Wenig elegant kehrt es uns kurz darauf den Rücken und trabt im Zickzack davon. Da Nashörner mittlerweile sehr selten sind und neben Leoparden zu den am schwierigsten aufzuspürenden Tieren gehören, ist diese Sichtung wirklich etwas ganz Besonderes.

Den hohen Preis des Chief’s Camps zahlt man nicht nur für den Wohnkomfort, den Service, die guten Guides und das gute Essen, sondern auch und vor allem für die Exklusivität. Das sehr tierreiche Gebiet von Chief’s Island hat man auf den Pirschfahrten fast für sich allein. Die Ruhe und Abgeschiedenheit ist auch der Tatsache zu verdanken, dass das nächste Camp (Mombo) ganze 25 Kilometer entfernt ist, weitere Unterkünfte gibt es nicht auf Chief’s Island. Ein Handynetz und brauchbares W-LAN übrigens auch nicht!

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