Licht und Schatten auf der Adler-Insel

von Svenja Penzel

Eagle Island Lodge, Okavango-Delta, 25.11.2016

"Das braucht kein Mensch", ist unsere einhellige Meinung. Leider kann die Eagle Island Lodge bei uns nicht voll punkten. Der Luxus ist übertrieben und unnötig. Wer erwartet mitten im Delta eine wuchtige, an Beton erinnernde Struktur aus dicken Wänden, die das Hauptgebäude und die einzelnen Zimmer bilden? Dazu die dunklen Farben. Das hat nicht mehr viel mit einem Tented Camp zu tun. Die Zimmer, so sie auch mit allem Luxus ausgestattet sind, wirken dunkel und sind durch die Klimaanlage so stark heruntergekühlt, dass wir mitten im heißen November frieren. Unser erster Griff beim Betreten unseres Zimmers geht zum Aus-Knopf der Klimaanlage, dann versuchen wir, etwas Licht und Luft hereinzulassen. Gar nicht so leicht durch die kleinen Fenster. Doch die breite Glasfront an der Stirnseite lässt sich komplett zurückschieben. Und nun kann dieses Zimmer doch noch punkten, denn das Holzdeck bietet einen schönen Blick auf das Delta, dazu einen kleinen Privatpool und gemütliche Sitzmöbel.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Fish Eagle Bar, wo wir uns nach der Pirschfahrt zum Sundowner treffen. Sie ist einen kleinen Fußweg entfernt und liegt noch näher an den Wasserläufen des Deltas, zu Hochwasserzeiten (Mai bis Juli) ist sie ganz davon umgeben. Hier sitzen wir auf weichen Kissen oder schaukeln in vogelkäfigartigen hängenden Sitzen, trinken einen Gin&Tonic, einen Weißwein oder ein Savanna und sehe andächtig die Sonne über dem Okavango-Delta untergehen. Nach Sonnenuntergang färbt sich der Himmel blutrot, und wer mag, bestellt sich noch ein Getränk, weil es so schön ist und noch so lange nachleuchtet. Später, als es dunkel ist, kommen wir im halboffenen Restaurant der Lodge zusammen und genießen ein sehr delikates Dinner. Es gibt "venison loin", also Lende vom Reh, wie ein Mitreisender seiner Übersetzungs-App entnimmt. Das afrikanische Reh ist sehr fein zubereitet und schmeckt ausgezeichnet. Also gut, noch ein Pluspunkt

Abzüge gibt es dann allerdings in der Nacht. Die Außendusche, unter die ich erst nach dem Dinner trete, da die Zeit zuvor nicht gereicht hat, wird nicht mehr warm. Außerdem verbreitet sie denselben Beton-Charme wie die dicken Wände des Zimmers, nur dass man die Sterne darüber sehen kann. Neben dem Bett gibt es als Besonderheit Leuchten in Fußhöhe, die mit einem Bewegungsmelder aktiviert werden. Wenn man nachts aus dem Bett muss, wird der Fußboden und damit der Weg zur Toilette beleuchtet. Eigentlich eine gute Idee, nur geht dieses Licht jedes Mal an, wenn ich mich im Bett nur herumdrehe, wodurch ich dann wach werde. Beim vierten oder fünften Mal macht es mich richtig wütend und möchte diese Lampe zerschießen.

Weitere Punktabzüge gibt es - leider - für die beiden Guides, mit denen wir in zwei Pirschfahrzeugen unterwegs sind. Sie füllen die teils langen Pausen zwischen Sichtungen nicht, wie man es bei solchen hochpreisigen Lodges erwarten kann, mit interessanten Informationen, sondern schweigen. Eine aus ehrlichem Interesse gestellte Frage einer Mitreisenden, wo denn die Hippos hingehen, wenn das Wasser im Delta zurückgeht, beantwortet unser Guide so: "Sie graben sich in die Erde ein und warten auf die nächste Flut." Witzig gemeint, kommt aber bei einigen aus unserer Gruppe nicht gut an. Am Ende bekommt dieser Guide nicht von allen ein Trinkgeld. Dafür ist unsere Pirschfahrt aber recht ergiebig, wir sehen sogar einen Leoparden und Wildhunde.

Eine Besonderheit bietet das Eagle Island Camp noch, und zwar die Möglichkeit, einen Helikopter-Flug über das Delta zu unternehmen. Das Camp gehört zu den (noch) wenigen Unterkünften im nördlichen Botswana, die das anbieten. In einem kleinen Hangar unweit vom Camp steht ein Helikopter, auch Chopper genannt, den man entweder im Vorwege der Reise oder auch spontan im Camp buchen kann. Auch wenn man der Meinung ist, durch die Transferflüge in den Buschfliegern von Camp zu Camp sieht man bereits das Delta von oben, so ist der Heli-Flug doch nochmal ein ganz anderes Erlebnis. Das wendige kleine Gerät fliegt deutlich tiefer und langsamer und lässt damit viel mehr Tierbeobachtungen zu. Eine eindrucksvolle und lohnenswerte Erfahrung, die ich HIER näher beschreibe.

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