Winter in Afrika

von Susanne Schlesinger

Erzgebirge, Juni 2019

Gerade läuft im Radio der alte Schlager: „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ von Rudi Carrell und bei der Zeile „Es war wie in Afrika…“ muss ich lachen.

Nicht nur, weil draußen gerade eine Hitzewelle mit über 30 Grad selbst unsere kühle Bergregion schwitzen lässt, sondern auch, weil ich vor kurzem erst aus Namibia und Botswana zurückgekehrt bin und es dort alles andere als ein „Sommer wie in Afrika“ war.

Jetzt im Juni ist auf der Südhalbkugel Winter. Die Temperaturen sind nachts einstellig in Richtung Gefrierpunkt, die Tage sind kurz. Mit unserem Gebirgswinter kann man den afrikanischen Winter natürlich nicht vergleichen – einen halben Meter Schnee hat dort sicher noch niemand gesehen.

Es ist eher herbstlich wie bei uns im Oktober, wenn in den Morgenstunden der Nebel aus den Wiesen aufsteigt und die Luft frisch und kalt ist. Wenn die Sonne höher steigt, wird es angenehm warm und sonnig, jedoch ohne die glühende Mittagshitze. Gegen 17 Uhr wird das Licht golden und die Sonne sinkt. Ist sie untergegangen, wird es sofort deutlich kälter.  
 

In den Unterkünften, die natürlich nicht wie unsere festen Häuser mit Zentralheizung und Kachelofen ausgestattet sind, ist es kühl. Warme Decken und Wärmflaschen kommen zum Einsatz. Das obligatorische Lagerfeuer am Abend wird nicht nur für die Safariatmosphäre angezündet, sondern spendet Wärme und wird zum Versammlungsplatz von Gästen und Angestellten. Ein heißer Kaffee mit Amarula oder ein Tee mit Gin sind die neuen Safarigetränke, auf Eiswürfel kann man gern verzichten. Nur die ganz Mutigen springen noch in den Pool.

Und auch der Natur sieht man die Jahreszeit an. Die Bäume und Büsche sind herbstlich verfärbt, wenn auch nicht so farbenprächtig wie in unseren Breiten. Die Baobabs haben gar keine Blätter mehr. Das Savannengras, das im März während der Regenzeit noch saftig grün war, verfärbt sich zu Goldgelb. Die Wasserläufe führen zunehmend weniger Wasser, viele werden bis Oktober/November, wenn die Regenzeit beginnt, völlig ausgetrocknet sein.

In diesem Jahr gab es insgesamt auch während der Regenzeit wenige Niederschläge. Große Teile des südlichen Okavango-Deltas sind deshalb bereits jetzt trocken. Die Victoria-Fälle haben noch Wasser, an den anderen Flüssen, z.B. dem Chobe, Okavango oder Khwai, sieht man deutlich die niedrigen Wasserstände.

Afrika im Winter ist eine andere Erfahrung, aber mit entsprechender Ausstattung ist auch diese Jahreszeit reizvoll und bietet viele schöne Fotomotive und besonderes Licht. Da die Sonne spät aufgeht, beginnen die Pirschfahrten rund eine Stunde später und man kann den Sonnenaufgang erleben, ohne wirklich früh aufstehen zu müssen. Bei den Nachmittagspirschfahrten kommt die „Goldene Stunde“ früher und die nachtaktiven Tiere lassen sich eher blicken. Im Okavango-Delta blühen gleichzeitig die Tag- und Nachtseerosen. Wegen der geringeren Sonneneinstrahlung tagsüber sieht man oft auch Flusspferde am Ufer grasen oder schlafen.

Der Winter hat also auch auf der Südhalbkugel viel zu bieten und ist für alle, die Hitze nicht gut vertragen oder nicht mögen, eine sehr empfehlenswerte Reisezeit.

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