Durch den Caprivistreifen, Camp Kwando

von Susanne Schlesinger

Camp Kwando, Caprivi, 7.6. und 8.6.2019

Wir sind nach zwei Grenzüberquerungen im Caprivistreifen angekommen und drehen am Nachmittag eine Runde durch den kleinen Susuwe Nationalpark, bevor es zum Camp Kwando am gleichnamigen Fluss geht. Die deutsche Managerin Anke begrüßt uns sehr herzlich. Das Camp verfügt über 13 Zeltchalets, die in zwei Reihen mit Blick auf den Fluss angeordnet sind. Sie sind fest auf Holzplattformen errichtet und haben Reetdächer. Sechs weitere, fest gebaute Chalets und ein Campingplatz verteilen sich auf dem weitläufigen Gelände. Es ist sehr grün hier, überall wachsen Bäume und Blumen. Zwischen dem Haupthaus und den Chalets kommt man am Pool vorbei. Er sieht sehr einladend aus, das Wasser ist jedoch trotz Sonne sehr kalt. Anke erzählt uns später, dass es gestern Morgen nur +4 Grad Lufttemperatur hatte und der Pool im Winter nicht genug Sonne bekommt, um sich aufzuheizen. Das gesamte Camp wird durch Solarenergie versorgt, eine Dusche am frühen Morgen ist also auch ein sehr erfrischendes Erlebnis. Winter in Afrika eben.

Im Hauptbereich gibt es natürlich eine Bar und ein offenes Restaurant. Besonders schön sind zwei Aussichtsterrassen mit Blick auf den Fluss, eine davon mit einer Lagerfeuerstelle. Die andere kann für private Mahlzeiten genutzt werden. Im Camp gibt es zwei „Resident Owls“, die bei einbrechender Dunkelheit an die Vogeltränke kommen. Verärgern sollte man die Eulen allerdings nicht, sie verteidigen ihr Revier auch mit ihren Klauen und Schnäbeln. Es gibt hier Bienenfresser, Kingfisher und andere bunte Vögel. In den Bäumen turnen auch putzige Baumhörnchen herum. Auf Schildern wird vor Krokodilen und Flusspferden gewarnt. Die Hippos hören wir lautstark nachts grunzen, die Krokodile lassen sich jedoch nicht blicken.

Pirschfahrt im Mudumu Nationalpark

Die ersten Sonnenstrahlen tauchen das Ufer des Kwando in goldenes Licht und Nebel hängt zwischen den Bäumen und Büschen. Es geht auf eine Morgenpirschfahrt in den nahe gelegenen Mudumu Nationalpark. Wir begegnen zunächst nur einigen Gnus, Zebras, Warzenschweinen und Hippos, dazu einem Gelbschnabel-Toko und einem Lärmvogel (auf Englisch „Go away-Bird“ genannt, weil er einen sehr lauten und markanten Warnruf hat, der andere Tiere aufschreckt, wenn Fressfeinde in der Nähe sind).  Nicht sehr ergiebig, da geht sicher noch mehr.

Meine Kollegin Ulrike hat den Ausspruch „Frequent Game Driver Card“ erfunden – ich denke in diesem Moment daran, dass wir sicher ziemlich verwöhnt sind. Meine Mitreisenden dagegen sind voll freudiger Spannung bei jedem Tier, was wir vor die Linse bekommen, und das ist ansteckend.

Nach gut einer Dreiviertelstunde biegen wir um die Ecke und sehen einen Tisch am Ufer des Flusses aufgebaut mit zwei winkenden Damen – eine davon ist Anke, die andere eine junge Mitarbeiterin des Camps. Sie haben ein Bush-Breakfast mit vielen leckeren Sachen vorbereitet. Ein Highlight sind die selbstgebackenen „Rusks“ – der typische Zwieback, den die Farmer zum Frühstück essen, bevor sie die Morgenarbeiten erledigen und dann zum richtigen Frühstück (oder Brunch) zurückkommen. Ich kannte sie bisher nur in der gekauften Variante. Diese hier sind einfach köstlich und die Mitarbeiterin ist sichtlich stolz, denn sie hat sie nach dem Rezept ihrer Oma gebacken.

Wir fahren weiter und bekommen doch noch einiges vor die Linse. Elefanten, Giraffen, ein Habicht, weitere Zebras und Gnus. Der Park kann mit Moremi oder Chobe natürlich nicht mithalten, aber für den Anfang ist es völlig in Ordnung und man will ja noch Steigerungsmöglichkeiten haben.

Ins Camp zurückgekehrt erwartet uns ein gedeckter Tisch und wir können à la carte bestellen. Das Mittagessen ist zwar nicht inklusive, die Preise sind aber sehr moderat und Pirschfahrten machen hungrig.

Am Nachmittag geht es auf eine Bootstour auf dem Kwando. Bunte Bienenfresser sitzen in den Zweigen und Warane genießen am Ufer die Nachmittagssonne. Wieder ist es da: Dieses goldene Licht, das mit der sinkenden Sonne seinen eigenen Zauber verbreitet.

Der Mond steht mit einer zunehmenden Sichel am Himmel und zahllose Sterne leuchten über uns. Die Milchstraße ist deutlich zu sehen, auch das Kreuz des Südens findet man recht einfach. Mit einer Sternen-App auf dem Tablet lassen auch die schwächeren Sternbilder erkennen. Sternegucken wird unsere neue Lieblingsbeschäftigung am Abend. Der Himmel ist einfach überwältigend schön hier.

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