Große Okavango-Rundreise, Reisebeginn in Victoria Falls und Fahrt nach Caprivi

von Susanne Schlesinger

Simbabwe/Botswana/Namibia, 6.Juni 2019

Ich bin in Victoria Falls gelandet und habe mal wieder ein Dejà Vu. Es kommt mir vor, als wäre ich eben erst hier gewesen, dabei ist es auch schon wieder ein Jahr her (bei meiner letzten Tour nach Sambia und Malawi war Victoria Falls ebenfalls der Ankunftsflughafen). Heute hält sich der Andrang jedoch in Grenzen. Meine Mitreisenden René und Grit habe ich in Johannesburg bereits beim Umsteigen kennengelernt, eine weitere Mitreisende, Hazel aus England, treffen wir am Shuttlebus zur Lodge.

Die Fahrt ist diesmal recht kurz. Es geht in die Innenstadt von Victoria Falls zur Phezulu Lodge. Sie ist ein Ableger der benachbarten Bayete Lodge und macht einen neuen Eindruck. Die Zimmer sind  modern und komfortabel eingerichtet, der Pool und die offene Bar sehen gepflegt aus.

Am Nachmittag besuchen Hazel und ich die Victoriafälle, René und Grit nutzen das sonnige Wetter für einen Helikopterrundflug.
Die Sonne lacht und zaubert herrliche Regenbogen in die Gischt. Kein Wölkchen trübt den Himmel.

Am Abend treffen wir uns zum ersten gemeinsamen Abendessen und lernen die drei anderen Mitreisenden Pierre, Annie und Emilie kennen. Unser Guide Kelesedi, kurz KD genannt, und der deutsche Übersetzer Enrico stellen sich vor, und wir besprechen den Ablauf des kommenden Tages.

Nach Namibia

Um von Victoria Falls in den Caprivistreifen zu gelangen, müssen wir zwei Grenzen passieren. Wir verlassen deshalb Victoria Falls am nächsten Morgen schon früh und überqueren zunächst die Grenze nach Botswana und erreichen Kasane, Botswanas nördliche Safarihauptstadt und wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Am Ende der Reise werden wir hier wieder vorbeikommen. Die gut ausgebaute Straße führt durch den nördlichen Chobe Nationalpark, dessen Grenze und auch die Grenze zu Namibia der Chobefluss bildet. Unterwegs begegnen wir dem ersten Elefanten und am Grenzübergang grasen einige Wasserböcke und Zebras unten am Flussufer. Die weite Landschaft mit den einzelnen Baobabs ist goldgelb gefärbt. Es ist sehr trocken und der Wasserstand im Fluss ist bereits niedrig, dabei hat die Trockenzeit erst begonnen.

Bis zum Camp Kwando und Mudumu-Nationalpark sind es rund insgesamt 300 Kilometer. Die Tagesetappen werden während der Tour immer um die 300 Kilometer weit sein – tatsächlich oder gefühlt. Wir sind mit einem 12-Sitzer Bus mit Gepäckanhänger unterwegs, der sehr bequem ist und uns sieben Reisenden genügend Platz bietet. Voll besetzt könnte es eng werden, zumal ein Kühlschrank an Bord ist und Paletten mit Wasserflaschen im kleinen Kofferraum transportiert werden. Jeder von uns hat auch einen Rucksack und Kameraausrüstung dabei. Der Anhänger mit den Koffern ist mit festem Deckel und Schloss gesichert.

Historisches zum Caprivistreifen

Der Caprivistreifen, der wie ein Pfannenstiel von Namibia zwischen Angola und Botswana hineinragt und an seiner schmalen Stelle kaum breiter als 30 Kilometer ist, schaut auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Er ist ein Überbleibsel der kolonialen Flächenaufteilungen zwischen Deutschland und England, die im Helgoland-Sansibar-Vertrag vom 1.Juli.1890 festgeschrieben wurden. Mit dem Landstreifen sollte ein Zugang zum Sambesi gesichert werden. Namensgeber war Leo von Caprivi, der nach Bismarck deutscher Reichskanzler war. In den 1980er Jahren gab es Bestrebungen, das Gebiet unabhängig zu machen, auch 2002 wurde es nochmals versucht, aber die Regierung Namibias erkannte die Unabhängigkeitserklärung nicht an. Offiziell heißen die Gebiete seit 2013 Sambesi und Kavango-Ost, der Name Caprivi ist jedoch so bekannt, dass sich die anderen Namen bisher kaum durchgesetzt haben.

Das Gebiet wird heute hauptsächlich als Wildpark genutzt und gehört zur Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (KaZa), einem grenzüberschreitenden Naturschutzgebiet, das sich über fünf Länder erstreckt (Angola, Namibia, Botswana, Sambia und Simbabwe).

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