Tea time in Malawi

von Susanne Schlesinger

Chipata und Kuti, 01. und 02.04.2018

Wieder brauchen wir zwei Tage, um zum nächsten Ziel zu kommen, dem Mulanje-Massiv im Süden von Malawi. Bei Chipata passieren wir die Grenze und tauschen unsere Sambia-Kwacha in malawische Kwacha um. Unser Guide Gee macht das alles mit einem der zahlreichen Geldwechsler klar. Der Kurs liegt bei 60:1 für sambisches Geld und 70:1 für US-Dollar. Das ist gegenüber dem offiziellen Kurs nicht sehr abweichend und erspart den Weg in eine Wechselstube.

Bei der Weiterfahrt in Richtung Kuti fallen uns sofort Veränderungen auf. Es gibt hier unheimlich viele Menschen, die zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs sind. Private Autos sieht man dagegen nur wenige. Statt strohbedeckter Hütten dominieren hier kleine Steinhäuser aus Lehmziegeln. Wir machen zunächst noch einen Stopp in Lilongwe, der Hauptstadt Malawis. Die großen Einkaufszentren sehen fast europäisch aus. Es ist Sonntag und die Geschäfte schließen um 13.00 Uhr. Grace und Gee, unsere Reiseleiter, schaffen es gerade noch, in den Supermarkt zu kommen. Da es hier kaum Weiße gibt, sind  wir schnell die Hauptattraktion. Noch fremdeln wir etwas mit der ungewohnten Aufmerksamkeit. Grace geht dagegen ganz locker damit um und wir merken, dass die Menschen hier einfach nur sehr neugierig sind. Natürlich kommen auch Bettler auf uns zu, aber generell sind die Leute einfach nur ein wenig sensationsgeil. Während unseres gesamten Aufenthaltes in Malawi sind wir und unser roter Truck sicher immer wieder Ortsgespräch. Irgendwann haben wir uns dann daran gewöhnt. 

Wir übernachten im Kuti Wildreservat, eher ein Freizeitpark mit angesiedelten, freilaufenden Antilopen und Zebras sowie einer einsamen Giraffe. Größere natürliche Wildbestände gibt es in Malawi im Liwonde Nationalpark, in den Wildreservaten Majete und Nkhotakota und auf den Plateaus im Norden. Diese sind nicht sehr bekannt und stehen im Schatten von Sambias South Luangwa Nationalpark. Malawi kämpft daher immer noch gegen das Image, kein spannendes Safari-Ziel zu sein. Doch dank der ausgezeichneten Arbeit von African Parks und der Umsiedlung von 500 Elefanten unter der Schirmherrschaft von Prince Harry kann man in Malawi mittlerweile durchaus spannende Safaris erleben. Noch dazu kann man diese sehr schön mit einem Badeaufenthalt am Malawi-See verbinden.

Das Gelände in Kuti ist weitläufig und man kann Fahrräder mieten. Wir sollten eigentlich zelten. Da es aber Nebensaison ist und wir nur eine kleine Gruppe sind, bekommen wir zwei große Villen, die jeweils mit zwei Schlafzimmern, schicken Bädern und eine großen Küche ausgestattet sind. Was für ein Luxus! Am Nachmittag gönnen wir uns einen Amarula auf der Terrasse und schauen einer Zebraherde zu, die sich direkt neben unserer Villa genüsslich an den Bäumen schubbert. Die Tiere sind an Menschen gewöhnt und sie wissen, dass es hier auch immer Wasser gibt, also schauen sie gern vorbei. Wir haben den Campingplatz zwar nicht gesehen, es ist aber davon auszugehen, dass die sanitären Anlagen dort gut sind.

Am nächsten Tag fahren wir weiter, hinein in eine bezaubernde hügelige Landschaft. Unterwegs kommen wir durch einige Dörfer, wo Markttag ist. Die Familien hier bebauen meist ein kleines Stück Land, und was sie nicht selbst verbrauchen, wird auf dem Markt gegen anderes getauscht. Rechts und links der Straße tauchen immer mehr sattgrüne Felder mit niedrigen Büschen auf – hier wird Tee angebaut. Wir biegen in das Satemwa Tea Estate ab, eine der größten Tee-und Kaffeeplantagen hier in der Gegend.

Wir hatten eigentlich eine Führung gebucht, sie war auch bestätigt worden, findet aber wegen des Ostermontags heute nicht statt. Wir waren schon etwas enttäuscht, aber was will man machen? Auf den Feldern arbeiten die Pflücker trotz des Feiertages. Der Tee will geerntet werden. Sie benutzen eine Art Heckenschere in Form einer Box, um die oberen, hellgrünen Triebe der Büsche zu kappen, und werfen die Ernte dann in die großen Körbe auf ihren Rücken. Auf den Feldern sieht man deutlich, wo bereits geerntet wurde – die Bereiche sind dunkler.

Wir machen erst einmal Mittagspause und beschließen dann, zum Haupthaus der Plantage zu fahren, das gleichzeitig ein schickes, koloniales Gästehaus ist. Svenja hat hier im Huntingdon House schon einmal übernachtet und auch bei ihr war die Teefabrik geschlossen. (Bericht zum Besuch). Es ist wirklich zauberhaft und sehr, sehr englisch hier. Nur der Truck muss draußen bleiben, er passt nicht durch die enge Toreinfahrt. Mit so großen Fahrzeugen haben die Bauherren des Hauses nicht gerechnet.

Wir trinken stilvoll einen Tee und bekommen dann eine Hausführung. Etwas schnörkelig und altmodisch mit viel Charme – genau mein Geschmack! Ein Highlight ist die zum Hochzeitszimmer umgebaute Kapelle, aber auch die anderen Zimmer haben schöne Aussicht und sind sehr hübsch gestaltet.

Wir verabschieden uns und erreichen unsere Unterkunft für die nächsten zwei Tage, die Kara o`Mula-Lodge am Fuße des Mulanje-Massivs.

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