Zu Besuch bei Mama Banda

von Susanne Schlesinger

Grace, unser Guide, hat für den heutigen Nachmittag einen ganz besonderen Besuch geplant und uns gefragt, ob wir Lust haben, sie zu begleiten. Es geht ins „Village“ von Mulanje, eine kleine Siedlung abseits der Hauptstraße. Hier wohnt die Familie von Willard, einem ehemaligen Kollegen von Grace, der leider im letzten Jahr verstorben ist und eine Frau und zwei Kinder im Teenageralter zurückgelassen hat. Wie die meisten Malawier ist die Familie nicht reich und ohne Hauptverdiener ist es schwierig. Die Grundnahrungsmittel werden direkt angebaut, aber alles, was mit Geld bezahlt werden muss, ist kaum erschwinglich. So kaufen die Familien zum Beispiel Öl und Holzkohle nur in kleinen Mengen, das Schulgeld für die Kinder stellt eine riesige finanzielle Belastung dar. Grace hat deshalb für die Familie bereits in Lilongwe haltbare Lebensmittel eingekauft, unterwegs haben wir an der Straße auch Holzkohle in großen Säcken erstanden.

Wir werden ins Haus gebeten. Wie fast alle Gebäude besteht auch dieses kleine Haus aus Lehmziegeln, die die Einwohner selbst herstellen und in großen aufgestapelten Horten überall trocknen. Das Haus ist zusätzlich noch verputzt. Innen erwartet uns ein einfach eingerichtetes, jedoch blitzsauberes Wohnzimmer. Mama Banda hat hübsche bestickte Sesselschoner auf die Stühle und das Sofa gelegt. Rechts und links verbergen Vorhänge die Schlafzimmer. Die Küche im hinteren Teil des Hauses ist nur ein Regal mit bunten Plastikschüsseln und ein großer Topf, außerdem eine Art Pfanne, in der die Holzkohle verbrannt wird. Wieder einmal fühle ich mich mit meiner Einbauküche mit Herd, Kühlschrank und Geschirrspüler unermesslich reich. Die Familie hat Glück, direkt hinter dem Haus ist eine Pumpe installiert und so müssen sie das wertvolle Wasser nicht weit tragen, wie es bei vielen anderen Häusern notwendig ist. Im kleinen Garten wachsen Bohnen, Mais und Gemüse.

In der Zwischenzeit haben alle Dorfbewohner von unserem Besuch erfahren und sich in Mama Bandas Vorgarten versammelt. Ich öffne meine „Magic Bag“, eine bunte Handtasche, und verteile Geschenke an die Kinder – Bleistifte, Kugelschreiber, gestrickte Puppen  und Tennisbälle. Die beiden Frisbees halten die Kinder für Teller und wir führen vor, wie man sie benutzt. Die Begeisterung ist groß, das kannten sie noch nicht.

Als wir wieder wegfahren, sind wir uns alle einig, dass es eine ganz tolle, individuelle Erfahrung war, einmal so nahe Einblicke in das tägliche Leben zu bekommen. Es hat einfach Spaß gemacht und uns auch die Berührungsängste genommen.

Wir machen noch einen Abstecher ins „Art and Craft Café“ in Mulanje, wo es sehr hübsche Dinge zu moderaten Preisen und einen guten Kaffee gibt. Heute Abend bleibt es trocken und wir sitzen gemütlich im Freien beim Abendessen. Alle in unserer Gruppe sind sich einig, dass dies ein besonderer Tag war.

noch keine Kommentare