Mumbo Island oder… paradiesische Zustände

von Susanne Schlesinger

Mumbo Island, 07. und 08.04.2018

Als Gott den Malawi-See schuf, hatte er einen richtig guten Tag. Nicht umsonst nannte ihn David Livingstone, unser Tour-Namensgeber, auch „den See der Sterne“.

Wir fahren von Mulanje wieder in Richtung Norden zum südlichen Ende des Malawi-Sees nach Cape Mclear. Die Straße ist wie immer nicht sonderlich gut beschildert, aber die Fahrt ist herrlich. Durch eine Gebirgslandschaft mit Baobabs gelangen wir in den kleinen Ort, der früher einmal ein Zentrum von Hippies und Aussteigern war. Ein bisschen von diesem alternativen Charme blieb erhalten und der feine Sandstrand erinnert eher an ein Meer. Fischer sind unterwegs, Kinder baden und Frauen waschen Wärme… und über allem glaubt man immer noch, einen feinen Marihuana-Hauch zu riechen. Wir haben etwas Zeit und entspannen im Schatten auf der Terrasse des „Funky Cichlid“ bei Reggae und einem kühlen Malawi Shandy. Cichlid ist übrigens der Name der kleinen Buntbarsche, die zahlreich im Malawi-See zu finden sind.

Nach dem Mittagessen in der Zentrale von Kayak Africa erwartet uns ein Boot und wir setzen zur rund acht Kilometer entfernten Mumbo Island über. Die Bootsfahrt ist an sich schon ein Erlebnis. Der weite Malawi-See und die grün bewaldeten kleineren Inseln ziehen an uns vorbei. Auf den Zweigen der Bäume am Ufer sitzen Schreiseeadler. Das Boot tuckert auf Mumbo Island zu und wir sind entzückt! Auf dem wie von einem Riesen aufgetürmten Felsarchipel thronen die Hütten zwischen den Bäumen mit Hängematten auf den Terrassen. Hölzerne Stege verbinden die Hauptinsel mit der kleinen Felseninsel. Es ist einfach paradiesisch hier! Nora, die Managerin, erwartet uns und die freundlichen Angestellten tragen unser Gepäck in die Hütten.

Ich bekomme das Chalet auf dem gigantischen runden Felsblock. Die Aussicht ist atemberaubend. Svenja und Marco, die hier vor einigen Jahren einmal Urlaub machten, kennen die Unterkünfte noch mit Zeltwänden. In der Zwischenzeit wurden diese durch geflochtene Holzwände ersetzt und mit festen Türen und Fenstern versehen. Aber eigentlich will man hier die Türen gar nicht schließen. Zu schön ist es, auf den See und die grüne Hauptinsel zu blicken und den kleinen bunten Eidechsen zuzusehen, die auf den warmen Felsen herumhuschen. In den Bäumen zwitschert es, die bunten Vögel kommen bis auf die Terrasse.

In Deutschland würde man hier wohl keine Baugenehmigung oder einen TÜV bekommen, denn es gibt kein Geländer am Rand des Felsens. Nur die quer gespannte Hängematte bildet eine Barriere, um schlafwandelnde Gäste aufzuhalten. Abgestürzt scheint trotzdem bisher niemand zu sein.

Die Hütten haben auf den ersten Blick kein Badezimmer, das täuscht aber. Ein Steg führt zu einem separaten kleinen Häuschen, in dem sich ein Waschbecken und eine Trockentoilette befinden. Es gibt fließendes kaltes Wasser, jedoch wird bei der Toilette mit trockenen Blättern „nachgespült“. Das mag sich unhygienisch anhören, aber diese Toiletten sind fast geruchsfrei und sauber – besser als manches Wasserklosett. Nebenan ist eine offene Buschdusche, die auf Wunsch mit warmem Wasser befüllt wird. Alles ist so angelegt, dass man absolute Privatsphäre hat.

Auf der Hauptinsel befindet sich der offene Speiseraum mit der Bar. Hier stehen den ganzen Tag Kaffee und Tee, Wasser, Saft und Kekse bereit. Hier wird auch das Essen serviert. Es gibt Büffet mit verschiedenen regionalen Speisen. Nicht aufwändig, aber sehr lecker.  Die Mahlzeiten sind auch die einzigen verbindlichen Termine, die man hier den ganzen Tag über hat. Die Uhr kann man getrost wegpacken, ein tönerner Frosch ruft die Gäste weithin hörbar zum Essen.

Am Strand warten schöne Liegen, Kanus sind auch bereit. Das Wasser ist klar, warm und bilharziosefrei. Es wird also für alles gesorgt, um sich absolut zu entspannen, übrigens auch von der modernen Welt der Kommunikation. Es gibt hier nämlich keinen Strom außer einer Solarladestation, die nicht sonderlich leistungsstark ist. Für die Solarlampen, die inzwischen die Petroleumleuchten abgelöst haben, reicht es. Aber Smartphones, Tablets und leider auch Kamera-Akkus bleiben eher kraft- und saftlos.

Aber wer braucht das schon an diesem paradiesischen Ort, der dazu noch exklusiv für die wenigen Gäste zur Verfügung steht? Neben all den anderen Annehmlichkeiten ist dies wohl der größte Luxus der Insel. So fühlen sich wahrscheinlich Hollywoodstars, die auf einer privaten Insel irgendwo urlauben, abgeschirmt von der Welt.

Ganz privat sind wir zwar nicht – eine Familie macht ebenfalls hier Urlaub. Wir hatten sie schon in der Mvuu Lodge getroffen. Mit uns ist außerdem ein japanisches Ehepaar angekommen. Sie machen den ganzen Tag Sport und umschwimmen die Insel mit den Hütten etliche Male. Auch Noras Kinder sind über das Wochenende hier, trotzdem ist sehr angenehm und es stört sich auch niemand gegenseitig. Hier kommt eben jeder auf seine Kosten und wir schalten ganz schnell in den totalen Entspannungsmodus. Wir baden und beobachten die Vögel, genießen den Ausblick und haben das Gefühl, die Welt ist sehr weit weg.

Nora bietet schwedische Massagen in einem Dschungelparlour an – ich gönne mir diesen Luxus und es ist wirklich herrlich.

Am ersten Abend unternehmen wir eine recht wackelige Bootstour zum Sonnenuntergang. An unserem letzten gemeinsamen Nachmittag wandern wir über die Hauptinsel zu einem Aussichtsfelsen. Es gibt einige Wege kreuz und quer über die Insel, alle gut ausgeschildert, aber trotzdem etwas abenteuerlich. Wir sind einige Zeit unterwegs und müssen uns etwas beeilen, denn sobald die Sonne untergegangen ist, wird es sehr schnell sehr dunkel.

Dafür gibt ein einen herrlichen Sternenhimmel zu bewundern und die Fischer, die mit beleuchteten Booten in der Nacht über den See gleiten, bieten einen romantischen Anblick.

Nach zwei Tagen auf der Insel sind wir so entspannt, dass wir gern zwei Monate bleiben würden. Leider werden wir aus dem Paradies vertrieben und müssen früh am Morgen wieder das Boot zum Festland besteigen, um bis Mittag in Lilongwe am Flughafen zu sein.

Mumbo Island war wirklich ein unvergessliches Erlebnis und gehört für mich zu den schönsten Plätzen auf dieser Welt. Den Vergleich mit der Karibik oder der Südsee muss Mumbo überhaupt nicht scheuen. Ich hoffe, Sunway Safaris hat dieses Paradies noch lange für die Tour im Programm, denn auch dieser Geheimtipp ist nicht mehr so geheim und es wird sicher schwieriger, die Insel für größere Gruppen komplett zu mieten.

Grace und Gee fahren einen heißen Reifen nach Lilongwe und wir erreichen alle rechtzeitig unsere Flüge – Sigrid, Heike und Nicole nach Johannesburg und ich nach Addis Abeba. Malawi und besonders Mumbo nehmen wir im Herzen mit!

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