Rush Hour in Livingstone, Hakuna Matata und frittierte Maden

von Susanne Schlesinger

Victoria Falls/Livingstone, 25.3.2018

Ich hätte es mir eigentlich denken können, denn ich bin ja nicht das erste Mal in Afrika unterwegs. Hier ticken die Uhren einfach anders.

Es ist Mittagszeit, als ich am Flughafen Victoria Falls lande, leider auf der falschen Seite der Victoria-Fälle. Unser Treffpunkt für die Trucksafari „Sambia und Malawi – auf  Livingstones Spuren“ unseres Partners Sunway Safaris, an der ich teilnehmen darf, befindet sich auf der anderen, sambischen Seite, in der Maramba Lodge nahe Livingstone.

Dank des KAZA-Visums, das sowohl für Sambia als auch Simbabwe gültig ist, ist das generell kein Problem. Allerdings stellt die Gründlichkeit und Hingabe der Einreisebeamten beim Ausfüllen des Visaaufklebers alle Reisenden auf eine echte Geduldsprobe. Mittags ist hier am Flughafen Victoria Falls ziemlich viel Betrieb. Seit das neue Terminal vor zwei Jahren gebaut wurde und die Touristenzahlen im Vierländereck Namibia, Botswana, Simbabwe und Sambia weiter steigen, zieht es immer mehr Fluggesellschaften zu dem gut ausgebauten Flughafen. Die meisten Maschinen starten und landen um die Mittagszeit, vor 10 Uhr und nach 18 Uhr ist hier nichts los. Ich bin also mitten in der Rush Hour angekommen.

Nach guten 1 ½ Stunden habe ich endlich das KAZA-Visum in meinem Pass kleben und werde von einem Fahrer empfangen, der mich nach Livingstone zur Maramba River Lodge bringt. Um 14 Uhr war der offizielle Start der Tour, nun ist es schon fast 15 Uhr. Die Grenze zu Sambia lässt sich mit dem Visum jetzt ganz schnell passieren, trotzdem wäre ich gern etwas früher angekommen. Wer zu spät kommt, macht erfahrungsgemäß bei Gruppenreisen gleich einen etwas unzuverlässigen Eindruck. Die Guides Grace und Gee erwarten mich bereits an der Rezeption. Sie haben die Abfahrt zu den Victoria-Fällen schon um eine halbe Stunde verschoben. Ich bin etwas erstaunt, dass Grace tatsächlich ein weiblicher Guide ist. Das ist eher selten. Noch erstaunter bin ich später, dass sie den Truck fährt und nicht Gee. Vorurteile eben. (ein Interview mit Grace ist hier zu finden).

Ich beziehe schnell mein Chalet und mache mich dann ebenso schnell im Truck mit meinen Mitreisenden bekannt. Die sind zum Glück schon im Afrika-„Hakuna Matata“-Modus und nehmen mir die Verzögerung nicht krumm. Mit mir reisen drei weitere weibliche Gäste: Nicole, Heike und Sigrid.  Gee, der simbabwische Reiseleiter, ist also der einzige Mann der Truppe. Trucksafaris sind bei Frauen eben sehr beliebt (wie die Quote der Gäste bei Sunway mit rund 60% beweist). 

Der Nachmittag an den Victoriafällen ist entspannt. Ich treffe Mr. Livingstone wieder, der auch hier wieder über das Geschehen an den Wasserfällen wacht. Außerdem sind natürlich viele Touristen unterwegs. Wie auch auf der anderen, simbabwischen Seite, sind die Wege hier gut befestigt und man kann nicht verloren gehen.

So richtig nass werden kann man beim Versuch, die „The Knife Edge Bridge“ zu überqueren. Hier, in einem Seitental des Sambesi, bündelt sich der aufsteigende Sprühnebel, angefacht durch den Wind. Die Brücke ist so überflutet, dass einige Jugendliche darauf bodysurfen. Ich wandere lieber weiter in trockenere Gebiete und treffe auf Paviane, die sich vom Touristenrummel kaum beeindruckt zeigen. Dank des vielen Wassers ist es hier fast unwirklich grün.

Tipp: Am besten beim Besuch wasserfeste Sandalen mit guter Sohle tragen und die Kamera in einem regendichten Beutel verstauen!

Natürlich gibt’s auch hier zahlreiche Souvenirstände, aber am Anfang der Reise will keiner von uns so richtig zuschlagen.

Wir kehren in die Maramba Lodge zurück. Es ist ein wirklich schönes Anwesen am Sambesi mit verschiedenen Unterkünften. Mein Zeltchalet ist gemütlich. Viel Zeit bleibt nicht, dann geht es ins „Café Zambezi“ zum Abendessen. Gee und Grace bestellen frittierte Maden als Vorspeise und stellen uns auf eine Mutprobe. Von „Sehr lecker“ bis „Ich fasse diese Dinger nicht an“, reicht das Spektrum am Tisch. Ich hab‘s probiert – mein Ding sind diese Mopane-Würmer nicht, sie schmecken irgendwie merkwürdig. Dann lieber einen Burger mit Süßkartoffelpommes. Die Tour kann beginnen!

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