Mein Reisetagebuch - auf Pirschfahrt durch die Serengeti

von Susanne Schlesinger

Serengeti View Camp, 24.09.2015

Es ist früher Morgen mitten in der Serengeti, Tansania. Ein lauter Knall weckt mich in meinem Zelt im Serengeti View Camp, gefolgt von einem metallischen „Bing, bing, bing“. Meine Wasserflasche ist geräuschvoll vom Tisch heruntergefallen, das Klingeln kommt von den Metallkleiderbügeln an dem einfach gezimmerten Garderobenständer, die wie kleine Triangeln aneinanderschlagen. Starker Wind rüttelt an den Zeltwänden und lässt die Zeltstangen des stabilen Hauszeltes knarren. Im Badezimmer schwankt der Spiegel an seiner Halterung hin und her. Die Uhr zeigt halb sechs, die Sonne ist noch nicht aufgegangen, aber es ist schon hell draußen. Am Horizont kündigt ein rosa Wolkenstreifen den neuen Tag an.

Eine schnelle Katzenwäsche und ab zum Frühstück. Wir wollen den Tag für ausgiebige Pirschfahrten nutzen. Vor und neben meinem Zelt liegt frischer Zebra-Dung, und die gestreiften Kumpel grasen friedlich ganz in der Nähe.

Wir brechen alsbald zur Morgenpirschfahrt auf. Mit dem Sonnenaufgang hat sich der Wind etwas gelegt, es verspricht ein warmer und freundlicher Tag zu werden. Da es hier keinen Wetterbericht gibt, nimmt man es einfach, wie es kommt. Erick, unser Guide, ist guter Dinge und hofft auf sensationelle Tiersichtungen.

Er hat Erfahrung und seine berühmten Adleraugen, die er in Tarangire schon unter Beweis gestellt hat. Außerdem wird er wohl mit seinen Kollegen im Camp einige Geheimtipps ausgetauscht haben. Zunächst fahren wir ein kleines Stück und biegen von der Hauptroute in Richtung einiger Felsen ab. Wir umrunden sie und ich höre Erick murmeln: „Na kommt schon, wo seid ihr?“. Es ist also kein Zufall, dass wir genau diese Route abfahren. Wir halten an und Erick sucht die Gegend mit dem Fernglas ab. Einige bunte Agamen wärmen sich auf den Felsen in der Morgensonne, um auf Betriebstemperatur zu kommen.

Plötzlich gibt Erick Gas und hält auf einen kleinen Hügel zwischen den Bäumen zu - ein bisschen offroad, was eigentlich verboten ist. Was er entdeckt hat, wäre aber auf jeden Fall die die 500 Dollar Strafe wert gewesen, wenn man uns erwischt hätte.

Zwei männliche Löwen haben sich an einem Büffelkadaver ein ordentliches Frühstück gegönnt und machen sich nun auf den Weg zu einem Schattenplatz, um zu verdauen. Wir kommen richtig dicht heran und können tolle Fotos schießen. Später schauen wir dann noch einmal vorbei und finden die Löwen immer noch friedlich im Schatten liegend vor. Die Mahlzeit war wirklich üppig. Wir fahren weiter und biegen gerade um eine Ecke, als es laut kracht.

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Zuerst denken wir, ein Reifen ist geplatzt oder wir sind mit einem Tier oder Stein kollidiert, aber es war eins der hinteren Seitenfenster, das plötzlich zu Bruch gegangen ist. Wahrscheinlich stand es unter Spannung. Zum Glück ist niemand verletzt, aber offen lassen können wir für es den Pirschfahrt nicht, denn es sind viele Insekten in der Luft und der trockene Boden ist staubig. Wir halten an der Lobo Wildlife Lodge an, die sich unweit unseres Camps befindet, und besorgen eine Rolle Klebeband. Zusammen mit einem Stück Pappkarton wird daraus eine Fensterabdeckung, die leider die Sicht hinten etwas beeinträchtigt, aber zumindest etwas den Staub und Insekten draußen hält.

An einem Toilettenhäuschen treffen wir auf ein anderes Pirschfahrzeug und bekommen den Tipp, dass unweit des Seronera-Airstrips ein Leopard im Baum hängt. Er ist zum Glück auch vollgefressen und verlässt seinen Schlafplatz in den nächsten Stunden nicht, so dass wir ihn auch sehen und schöne Fotos machen können.

Der Vormittag hat uns eine stattliche Ausbeute an Tiersichtungen gebracht. Seronera ist wirklich ein lohnendes Gebiet, auch wenn man etwas weiter fahren muss.

Zum Mittagessen kehren wir zurück ins Camp und halten danach Siesta. Es ist drückend schwül geworden, der Himmel verdüstert sich. Dass etwas in der Luft liegt, merken wir am Nachmittag. Wir fahren zwei Stunden durch die Serengeti und sehen außer ein paar Antilopen und einem Schakal nicht ein größeres Tier mehr. Nur die Tsetsefliegen sind hyperaktiv. Sie sind ungewöhnlich aggressiv und auch nicht tot zu schlagen, die zähen kleinen Biester. 

Am Himmel brauen sich bedrohlich dunkle Wolkenberge zusammen, erste Blitze zucken am Horizont. Eine Regenfront zieht über das trockene Land. Wir bekommen auch einen kurzen Schauer ab und schließen das Hubdach. Es hat keinen Zweck - wir werden heute nichts mehr zu sehen bekommen, die Tiere haben sich zurückgezogen. Das ist angesichts der tollen Tiersichtungen am Vormittag aber verschmerzbar.

Kurz vor dem Camp treffen wir noch auf eine Herde Topi-Antilopen, von denen eine gerade ein Junges geboren hat. Es liegt im Gras. Die Mutter ist vor unserem Fahrzeug zurückgeschreckt. Wir entfernen uns, damit sie wieder zu ihrem Nachwuchs kann, bevor das Kitz eventuell von einem Raubvogel angegriffen wird. Das Gewitter zieht weiter, wir haben einen schönen Sonnenuntergang. Die anderen Gäste sind abgereist, wir sind heute Abend unter uns und genießen die Lagerfeueratmosphäre.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Rückweg in Richtung Ngorongoro. Unterwegs begegnen wir noch einem Geparden und außerdem einigen Schakalen, die versuchen, ein totes Zebra anzuknabbern. Man sieht keine Verletzungen bei dem Tier , vermutlich wurde es in der Nacht angefahren. Die kleinen Schakalschnauzen können die dicke, lederne Haut nicht aufbrechen und so nagen kleinen Jäger am Kopf und Ohr des Zebras herum.

Wenn die Löwen oder Geier den Kadaver erst einmal erspähen, ist für die Schakale Schluss mit dem Frühstück. Leider können wir nicht so lange warten, denn wir haben noch eine Pirschfahrt im Ngorongoro-Krater auf dem Programm und bis dorthin ein paar Stunden Holperpiste vor uns. Wir freuen wir uns alle auch die luxuriösen Außenduschen der Endoro Lodge.

Die beiden Nächte in der Serengeti waren eine herrliche Erfahrung, Der Komfort der Zelte mit richtigen Betten, Buschdusche und tollem Service durch die Mitarbeiter ist natürlich nicht mit den Reisen der ersten Safaripioniere vergleichbar. Trotzdem war es ein Abenteuer, hier in der Wildnis zu sein, in einem Zelt zu schlafen und die Tierwelt hautnah zu erleben. Die Serengeti ist wirklich ein Traum und die etwas mühsame Anreise wert.

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