Serengeti View Camp

von Susanne Schlesinger

Ich habe schon in einigen Tented Camps übernachtet, allerdings noch nie in einem, das wirklich mobil ist. Das Serengeti View Camp zieht dreimal im Jahr innerhalb der Serengeti um und steht dann für jeweils drei Monate an dem entsprechenden Standort. Es ist Mitte September, Halbzeit für den Standort in der nördlichen Serengeti. Ende Oktober zieht das Camp ins Ndutu-Gebiet in der südlichen Serengeti um, wo wenige Wochen später die Gnus ihren Nachwuchs bekommen.

Unser Fahrer Erick, der regelmäßig bei den Camp-Umzügen mithilft, erzählt mir, dass es immer rund eine Woche dauert, bis alles wieder an seinem Platz ist. Wie bei einem richtigen Umzug müssen erst die Zelte, die an einem Standort zum Schluss abgebaut werden, am anderen Standort zuerst wieder aufgebaut werden, bevor man die Betten, Waschtische, Kleiderständer und den ganzen Kleinkram wieder einräumen kann. Ein ganz schöner Aufwand. Hinzu kommt, dass die Standplätze nicht immer die gleichen sind, sondern in jeder Saison neu vergeben werden. Mal bekommt man also einen guten Standort, mal einen weniger guten. Der jetzige Standort hat eine leichte Hanglage, aber dafür einen sehr schönen Blick in die Serengeti.

Die Zelte sind geräumig und funktional eingerichtet. Im vorderen Teil stehen zwei Betten, ein Ablagetisch und ein Kleiderständer, sogar mit Kleiderbügeln. Der Bereich ist in sich abgeschlossen, wenn der vordere und hintere Reißverschluss zugemacht werden. In der Apsis befindet sich ein Badezimmer, bestehend aus zwei Kabinen. Eine beherbergt die Trockentoilette, die andere die Dusche. Wasser kommt aus einem Sack, der von den Angestellten von außen befüllt wird. Eine Schüssel nebst Krug und einem Eimer unter dem Abfluss dient als Waschtisch. Im Messezelt werden die Mahlzeiten serviert. Am heutigen ersten Abend ist es voll, alle Plätze sind besetzt und die Campmitarbeiter müssen viel laufen. Das Küchenzelt liegt eine gute Strecke entfernt. Das Essen ist ordentlich, kulinarischen Chichi kann man hier nicht erwarten, denn die Versorgungswege sind weit. Den Gin&Tonic gibt es nur ohne Eis, dafür aber mit Lagerfeuerromantik.

 

Unweit des Camps hören wir das heisere Jaulen von Hyänen, eine huscht recht nah an uns vorbei. Die Dunkelheit hat Augen. Im Lichtkegel der Taschenlampen sehen wir Impalas und Zebras grasen, in der Ferne brüllt irgendwo ein Löwe. Der Mond leuchtet über uns am pechschwarzen Himmel, ab und zu jagt ein Wolkenfetzen daran vorbei.  Das Lagerfeuer glimmt rot in der Dunkelheit - so haben es wohl auch die ersten Safaripioniere schon erlebt. Zeit, ins Bett zu gehen. Morgen früh werden wir zeitig zu einer Pirschfahrt aufbrechen.

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