Auf Pirschfahrt - Elefanten

von Susanne Schlesinger

Elefanten gehören zur Gattung der Rüsseltiere - dies ist keine Überraschung. Interessant ist jedoch, dass sie die einzigen lebenden Vertreter dieser Gattung sind, alle anderen sind ausgestorben. Die Geschichte ihrer Evolution reicht 60 Millionen Jahren zurück und begann in Afrika. Vorfahren der Elefanten, die Mammuts, waren bis zu ihrem Aussterben vor etwa 4000 Jahren in Europa, Nordamerika, Asien und Afrika verbreitet. Elefanten in freiem Lebensraum sind heute nur noch in Afrika und Asien zu finden. Man unterscheidet drei Arten - Asiatische Elefanten, Afrikanische Elefanten und Waldelefanten. Letztere galten lange Zeit als eine Unterart des Afrikanischen Elefanten, weil sie auch in Zentralafrika beheimatet sind, es konnte aber durch Gentests nachgewiesen werden, dass die genetische Abspaltung bereits vor drei bis fünf Millionen Jahren stattfand. Wesentlichste Unterscheidungsmerkmale der verschiedenen Arten sind die allgemeine Körpergröße sowie die Größe der Ohren. So lassen sich asiatische Elefanten (manchmal auch Indische Elefanten genannt) leicht an den kleineren Ohren und einem Höcker auf dem Rücken erkennen. Die Größe der Afrikanischen Elefanten sowie ihre großen Ohren haben sich den Umwelteinflüssen der heißen Savanne angepasst.

Elefanten im Amboseli NP © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa

Elefant im Addo Elephant Nationalpark. © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Junger Elefant und Zebras an einem Wasserloch in Etosha © Foto: Melissa Schlke / Dreamstime

Elefantenbulle im Etoscha Nationalpark © Foto: Susanne Schlesinger | Outback Africa Erlebnisreisen

Elefanten im Samburu Game Reserve © Foto: Kenya Tourism

Elefant im Westen der Massai Mara © Foto. Svenja Penzel | Outback Africa

Jüngste Forschungen haben gezeigt, dass der Elefant auch mit einer Vielzahl anderer Tierarten verwandt ist, darunter so überraschende wie Klippschliefer (kleine Nagetiere) oder Haie. Die Verwandtschaft begründet sich auf der Tatsache, dass alle diese Arten im Kiefer von hinten nach vorn wachsende Zähne haben, die die vorderen, abgenutzten verdrängen und bis zu sechs Mal nachwachsen. Danach kann der Elefant nur noch weiche Nahrung zu sich nehmen. Viele alte Elefanten leben deshalb in der Nähe von Flüssen oder Wasserstellen mit weicherem Gras, wo man deshalb auch viele Elefantenfriedhöfe findet. Die imposanten Stoßzähne wachsen bereits in jungen Jahren und nutzen sich ab bzw. können auch abbrechen, wachsen aber wieder nach. Leider sind diese Zähne der Tod vieler Elefanten durch Wilderei, denn Kunstgegenstände aus Elfenbein erfreuten sich Anfang des 20. Jahrhunderts großer Beliebtheit und sind bis heute in Asien, ebenso wie Nashornhörner, auch als Medizin populär.Nicht nur das macht Elefanten zu fazinierenden Tieren. Sie sind die größten noch lebenden Landsäugetiere und können ein Gewicht von zwei bis fünf Tonnen erreichen. Schon ein neugeborenes Elefantenkalb wiegt um die 100 Kilogramm. Um das große Körpergewicht zu tragen, sind die Beinknochen als stabile, verwachsene "Säulen" konzipiert. Zeit seines Lebens läuft der Elefant auf Zehenspitzen, denn unter seiner Ferse befindet sich ein Fettpolster, das die Stöße abfedert und es ihm so ermöglicht, fast lautlos zu laufen und auch zu rennen. Im Notfall erreicht ein Elefant die beachtliche Geschwindigkeit von 40 Stundenkilometern.

Größenvergleich Mensch-Elefant © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Die Finger machen den Rüssel zum Universalwerkzeug © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Nachwachsende Backenzähne © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Kräftige Riesen auf soften Füßen © Foto: Ulrike Pârvu

Elefantenfüsse - man erkennt deutlich die Polsterung © Foto: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Die Elefantenhaut ist empfindlicher, als sie aussieht. © Foto: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Wie bereits erwähnt macht der Rüssel die Elefanten zu einzigartigen Lebewesen. Anatomisch besteht der Rüssel aus einer sehr langen Nase, die mit der Oberlippe verwachsen ist. Circa 150.000 Muskeln sind aktiv. Elefanten können nicht grasen, deshalb ist der Rüssel das wichtigste Werkzeug zum Überleben, gepaart mit einem sehr effektiv arbeitenden Verdauungssystem. Es ist mit dem Rüssel, wie manchmal dargestellt, nicht möglich, direkt wie mit einem Strohhalm zu trinken. Die maximal zehn Liter Wasser, die in den Rüssel passen, müssen in den Mund transportiert werden. Das machen Elefanten mit sehr viel Schwung, ebenso saugen sie Sand und Staub ein und bepudern sich gegen die sengende Sonne. Die kleinen Elefanten lernen die ausgefeilte Technik durch das Abschauen bei den Großen. Die Rüsselspitze ist zudem wie ein Greifarm mit "Fingern" gestaltet, die sehr filigrane Arbeiten erledigen können. Manchen Zooelefanten wurde sogar das Halten eines Pinsels und das Malen auf Leinwand beigebracht.Hier zeigt sich auch das sprichwörtliche, aber tatsächlich existierende "Elefantengedächtnis". Elefanten sind sehr lernfähig und merken sich Wasserstellen, Landschaftsbilder, Gefahrenstellen aber auch Geräusche und Gerüche. Sie haben zum Beispiel Angst vor Bienen und deren summendem Geräusch. Ob sie tatsächlich vor Mäusen Angst haben, ist nicht bewiesen, vermutlich stellen die kleinen Nager aber keine Gefahrenquelle dar. Elefanten können ebenfalls Verwandte und sogar Knochen von verstorbenen Artgenossen erkennen. Kehren sie zu einer Stelle zurück, wo ein Verwandter gestorben ist, dann verharren sie eine Weile und berühren die Knochen mit dem Rüssel. Wissenschaftler deuten dieses Verhalten als Zeichen hoher sozialer Kompetenz. Diese zeigt sich auch in der Herdenstruktur.

Elefant Aberdare Kenia

Rüsselkünstler im Hwange Nationalpark, Simbabwe © Foto: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Schon die Kleinsten genießen ein Schlammbad gegen die Hitze © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Jungtiere verschiedenen Alters leben mit ihren Müttern in einer Herde © Foto: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Elefanten am Ufer des Zambezi im Mana Pools Nationalpark. © Foto: Marco Penzel | Outback Africa Elrebnisreisen

Elefant mit weit gespreizten Ohren im Chobe Nationalpark, Botswana  © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Herden werden von weiblichen Elefanten gebildet, die gemeinsam ihre Jungtiere aufziehen und vor Feinden beschützen. Jede Herde hat eine Leitkuh, die diese Position bis zu ihrem Tod behält. Den Rang nimmt danach ihre älteste Tochter ein. Die Leitkuh stellt sich Angreifern an vorderster Front entgegen, wenn es um die Verteidigung der Herde geht. Sie bestimmt auch, wohin die Herde geht, wann getrunken und wo gerastet wird. Männliche Elefanten werden nur bis zu einem bestimmten Alter in der Herde geduldet und dann ausgestoßen. Meist leben sie noch einige Zeit mit anderen Jungbullen zusammen. Ältere Elefantenbullen sind meist Einzelgänger, die nur zur Paarungszeit Interesse an ihren Artgenossinnen entwickeln.Auch wenn im Volksmund von "Elefantenhaut" oder einem "dicken Elefantenfell" gesprochen wird, so ist die Haut von Elefanten sehr sensibel und kann einen Sonnenbrand bekommen. Dagegen schützen sie sich durch regelmäßige Bäder in Wasserlöchern und durch Bespritzen mit Schlamm und Bepudern mit Staub. Je nach Lebensraum kann ein Elefant davon auch rötlich oder hellgrau aussehen, die Grundfarbe ist aber bei allen dunkelgrau. Vor allem die Afrikanischen Elefanten haben durch ihre großen Ohren eine eingebaute Klimaanlage, denn sie können über die Haut nicht schwitzen. Die stark durchbluteten Ohren werden durch das Hin- und Herwedeln abgekühlt, das kältere Blut fließt durch den Kopf und Körper.18 Stunden des Tages verbringen Elefanten mit Fressen und nehmen dabei bis zu 200 Kilogramm Grünfutter zu sich. Aufgrund dieses großen Futterbedarfs und der Tatsache, dass Elefanten meistens in Herden zusammen leben, beeinflussen sie die Landschaft sehr nachhaltig. Kein Baum und kein Strauch ist vor ihnen sicher. Dies und die wertvollen Stoßzähne aus Elfenbein waren der Grund, warum Elefanten lange Zeit intensiv gejagt wurden, fast bis zur Ausrottung. Die meisten Herden sind heute nur noch in Reservaten und Nationalparks im südlichen und östlichen Afrika und in den immer kleiner werdenden Dschungelgebieten Asiens anzutreffen.Die Elefantenpopulation ist wieder stärker angestiegen, nachdem Schutzzonen eingerichtet wurden, jedoch bringt der schrumpfende Lebensraum große Probleme. Bei Überpopulationen werden aufwändige Umsiedlungsaktionen notwendig. Extrem problematisch ist der Abschuss, da vor allem junge Elefanten ohne den Schutz und die Ausbildung in der Familie nicht überlebensfähig sind. Die Aufzucht von verwaisten Jungtieren und die Auswilderung ist erfolgreich, wenn das Jungtier sich einer Herde anschließen kann. Viele unerfahrene Jungtiere werden zudem Opfer von Raubkatzen, erwachsene Elefanten sterben dagegen meist an Alterschwäche.

Elefanten im Addo Elephant Park © Foto: Michael Gampe

Elefanten vor dem Kilimanjaro in Amboseli. © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Zweifarbige Elefanten - vom Bad im Chobe © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Auf fast allen Safaris bietet sich die Möglichkeit, die faszinierenden Tiere in freier Wildbahn zu sehen. Besonders zahlreich trifft man sie in Botswana an, zum Beispiel auf der Campingreise "Straße der Elefanten", die verschiedene Nationalparks besucht, unter anderem den Chobe Nationalpark. Eine weitere Möglichkeit ist der Addo Elephant Park in Südafrika, den man als Selbstfahrer auf der Garden Route besuchen kann bzw. der Bestandteil vieler Rundreisen ist. Die schönsten Fotos von Elefanten vor der Kulisse des schneebedeckten Kilimanjaro schießt man im Amboseli Nationalpark in Kenia. Wer einmal Elefanten in ihrer natürlichen Umgebung sehen konnte, der begreift, dass ein Zoo oder Zirkus nie ein Leben in den Weiten der Savanne ersetzen kann.Wer den Elefanten aktiv helfen möchte, dem sei der David Sheldrick Wildlife Trust empfohlen. Der Trust betreut Umweltschutzprojekte in Kenia und betreibt im Nairobi Nationalpark ein Elefantenwaisenhaus. Hier gibt es weitere Informationen.In der nächsten Folge unserer Reihe über die Tiere der Savanne gehen wir der Frage nach, ob es bei Nashörnern tatsächlich weiße und schwarze Artgenossen gibt und warum das Tragen des Horns lebensgefährlich ist.

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