Auf Pirschfahrt - Agamen und Chamäleons

von Susanne Schlesinger

Auf Fotos wirken sie wie Miniaturausgaben von Drachen und mystischen Fabelwesen, wie sie in Märchen und Legenden vorkommen. Tatsächlich gehören Agamen und Chamäleons wie auch die Krokodile zu den ältesten Tierarten der Erde, die bis heute überlebt haben. Das haben sie ihrer extremen Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Lebensräume zu verdanken.Agamen und Chamäleons sehen vom Körperbau her zwar verschieden aus, gehören jedoch zur gleichen Familie der Schuppenechsen und Leguanartigen. Sie sind im ganz Afrika, aber auch in Australien verbreitet. Überall dort, wo es warm ist, fühlen sie sich wohl. Es gibt zahlreiche Unterarten, die jeweils in dem Gebiet vorkommen, an das sie sich am besten angepasst haben.

Agamen

Während Agamen in Asien und Australien durch ungewöhnliche Kopf- und Körperformen auffallen, sind die afrikanischen Arten besonders farbenfroh. In Namibia, Botswana, Simbabwe und Gambia kommt die Siedleragame (Agama  agama) vor. Die Tiere leben in Kolonien von rund 25 Tieren, wobei nur das ranghöchste Männchen sehr bunt mit einem orangefarbenen Kopf und blauem Körper ist. Alle anderen Siedleragamen sind eher braun oder grau. Wird ein Männchen geschlechtsreif und "bekommt Farbe", so wird es vom dominierenden Männchen vertrieben und muss sich ein eigenes Revier suchen. Ausgewachsene Tiere werden rund 40 Zentimeter groß.Die dritte in Afrika vertretene Art ist die Agama lebretoni, die erst 2009 als eigene Art beschrieben wurde, optisch aber der Siedleragame sehr ähnlich sieht. Sie kommen in Kamerun und Gabun vor..

Eine weitere Art ist die Stahlblaue Felsagame (Agama mwanzae), die nur im Nordwesten der Serengeti und in der kenianischen Massai Mara vorkommt. Vom Körperbau ist sie der Siedleragame ähnlich, das dominierende Männchen ist jedoch leuchtend pinkfarben und blau-lila gefärbt. Untergeordnete Männchen sind eher unscheinbar grau gesprenkelt mit einer blauen Linie auf dem Rücken.

 

Genau wie Chamäleons können sich auch Agamen umfärben. Bei Rivalitätskämpfen bekommen Siedleragamen einen braunen Kopf und weiße Flecken am Körper, Weibchen haben während der Schwangerschaft gelbe bis orangene Flecken und türkise Punkte am Kopf.Agamen leben gern zwischen Felsen, die sich tagsüber aufwärmen, und fressen Insekten, kleine Säugetiere und manchmal auch Pflanzen. Die Augen, das Gehör und der Geruchssinn sind besonders gut ausgeprägt. Wie alle Reptilien sind Agamen wechselwarm und müssen ihre Körper erst in der Sonne aufwärmen, um sich bewegen zu können. Auch die intensiven Farben bekommen die dominanten Männchen nur bei Sonneneinstrahlung. Auf Pirschfahrten trifft man Agamen deshalb häufig bei kühlen Temperaturen auf Felsen an, die von der Morgensonne beschienen werden. Sie sind dann gut zu fotografieren, weil sie bewegen sich erst, wenn sie warm genug sind.
 

Chamäleons

Chamäleons kommen in ganz Afrika, auf der Arabischen Halbinsel und in Teilen Asiens vor. Sie werden in Echte Chamäleons und Stummelschwanzchamäleons unterschieden, es gibt rund 200 Unterarten. Fast alle Arten sind gefährdet.Der bevorzugte Lebensraum  der Echten Chamäleons sind Bäume. Genetisch sind sie eng mit den Agamen verwandt, jedoch wurde im Laufe der Evolution eine "Sonderausstattung" ausgebildet. So haben diese Arten einen langen Greifschwanz und Greiffüße. Die Stummelschwanz-Chamäleons leben in Bodennähe.

Allen gemeinsam ist die lange Schleuderzunge, die wie ein Gummiband herausschnellt und so das Beutetier einfängt. Diese wird auch als Wasserleitung benutzt.Ebenfalls einzigartig in der Natur sind die unabhängig voneinander drehbaren Augen, die kegelförmig rechts und links des Kopfes herausragen. Das ermöglicht ein extrem großes Sichtfeld und durch die Form das scharfe Sehen bis zu einem Kilometer. Die Augen werden durch zahlreiche Muskeln bewegt. Das Gehör ist dagegen recht schwach ausgebildet.Die wohl verblüffendste Eigenschaft eines Chamäleons ist jedoch die Fähigkeit zum Farbwechsel.

Die Wissenschaft nahm in früherer Zeit an, dass dies zur Tarnung und Anpassung an die Umwelt geschieht, neuere Forschungen haben jedoch ergeben, dass es sich bei den Farben um eine Art Kommunikationsmittel zwischen den Artgenossen handelt. Ebenso ändert sich die Farbe abhängig von der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und der Sonneneinstrahlung. Je nach Chamäleonart ud Situation sind die Farben blasser oder stärker ausgeprägt. Sie entstehen durch Ansammlung von Pigmenten in Farbzellen, die in drei verschiedenen Hautschichten vorkommen. Eine Schicht kann darüber hinaus auch das Licht brechen. Die Farberscheinung ist deshalb teilweise auch eher ein optischer Eindruck als eine tatsächliche Umfärbung.Chamäleons häuten sich in regelmäßigen Abständen, weil sie ihr ganzes Leben lang wachsen und die Haut nicht mitwächst. Die Häutung erfolgt komplett, also auch am Kopf und an den Füßen.Natürlich tarnen sich Chamäleons auch vor Feinden. Dies geschieht aber eher durch Mimese, also das Nachahmen einer natürlich vorkommenden Form, zum Beispiel Blätter oder Holzstücke. Zusammen mit der Schreckstarre, bei dem sich das Tier tot stellt, gelingt die perfekte Tarnung.Und noch eine besondere Eigenschaft ist bei diesen Reptilien ausgebildet. Sie können ihre Körperform durch Aufblasen verändern und sich bei einem Fall sogar wie ein Airbag abpolstern.

 

Die Chamäleons auf den Bildern wirken größer, als sie tatsächlich sind. Gerade die kleineren Arten sind oft so gut im Blattwerk getarnt, dass selbst erfahrene Guides sie kaum sehen. In der Dunkelheit ist es dagegen etwas einfacher für die geübten Augen eines "Spotters"(Guide mit Scheinwerfer). Die Haut der Chamäleons reflektiert das Scheinwerferlicht und sie werden in den Blättern sichtbar. Gute Spotter finden oft mehrere bei einer Pirschfahrt.

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