Auf Pirschfahrt - Kleinere Antilopenarten

von Susanne Schlesinger

Bei fast jeder Safari gibt es Antilopen zu sehen - sie sind zahlreich in allen Ländern vertreten und allgegenwärtig und leben auch in unwirtlichen Regionen wie der Kalahari oder Namibwüste, auf sumpfigen Okavangoinseln und in den Gebirgsregionen. Mit der Bezeichung Antilope kann man auch nichts falsch machen, denn es ist ein Übergriff ohne wissenschaftliche Bedeutung für eine Vielzahl von hörnertragenden Paarhufern. Im alten Griechenland und Rom war Antalopus ein scheues, hörnertragendes Fabelwesen, zu schnell für Jäger und mit Zauberkräften ausgestattet.

Antilopen leben seit vielen Jahrtausenden auf dem afrikanischen Kontinent und sind ein fester Bestandteil des Naturkreislaufs. Die ersten Menschen, die San (Buschleute), jagten sie bereits. Auch in ihrer Mythologie und Sagenwelt kommen Antilopen vor, ebenso in Felszeichnungen und Gravuren wie zum Beispiel am Brandberg oder in Twyfelfontein in Namibia oder an den Tsodilo Hills in Botswana.

Eine Sage der San erzählt, wie die Antilopen zu den verschiedenen Fellfärbungen kamen:
Die Große Heuschrecke erschuf aus einer weggeworfenen Sandale die erste Antilope und versteckte sie an einem Teich im Schilf. Jeden Abend kam sie und rieb das Tier mit Honig ein, deshalb nahm es eine dunkle Farbe an, denn der Honig stammte von dunklen Wespen. Dem Gemsbok brachte die Große Heuschrecke hellen Honig, deshalb bekam er ein helles Fell, Springböcke und Kuhantilopen bekamen den Honig junger Bienen, der rötlich aussieht. (aus: Mythen der Menschheit - Stimmen der Ahnen- Afrika, Weltbild Verlag)

In den verschiedenen Landschafts- und Klimazonen des südlichen Afrika gibt es keinen Ort, an dem alle Arten von Antilopen gleichzeitig vorkommen - sie sind an den Lebensraum so gut angepasst, dass sie diesen kaum verlassen. Zur Anpassung gehören auch die verschiedenen Fellzeichnungen und Hörnerformen. Es wird vermutet, dass viele Tierarten Farben kaum unterscheiden können, jedoch Muster und Strukturen erkennen. Die Natur hat darauf reagiert und jede Art mit einer eigenen Fellzeichnung ausgestattet. Ebenso ist die Form und Länge der Hörner offenbar wichtig, um sich wiederzuerkennen. Hier einige auffällige, leicht zu erkennende Arten.

Springbock (Springbok)

Relativ kleine Antilope mit braun-weißen Seitenstreifen und kleinen, nur leicht gebogenen Hörnern. Sie kommen in trockenen, wüstenähnlichen Gebieten vor. Ihren Namen verdanken sie ihren besonderen Sprüngen, Pronking genannt. Auf der Flucht oder auch aus Übermut springen sie dabei mit allen vier Beinen gleichzeitig ab und senken den Kopf, so dass das längere weiße Fell auf ihrem Rücken zum Vorschein kommt.

Wasserbock (Waterbuck)

Große Antilopenart mit weißem Ring (Ellipsen-Wasserbock) oder weißem Spiegel (Defassa-Wasserbock). Sein Name weist auf den Lebenraum hin - Wasserböcke kommen nur in Gegenden mit ständigen Wasserläufen vor. Es gibt verschiedene Unterarten, zu denen auch die Letchwe-Antilopen und Pukus gehören. Die Familienähnlichkeit erkennt man auch am Kopf und der Hörnerform, die jedoch nur von männlichen Wasserböcken getragen werden.

Oryx

Große Antilopen mit langen, geraden Hörnern und heller Fellfärbung. Sie leben in trockenen, heißen Gebieten Afrikas und auf der arabischen Halbinsel. Es gibt mehrere Unterarten. Oryxe gehören zu den Pferdeböcken, zu denen auch Rappen- und Säbelantilopen zählen. In einigen Gebieten werden Oryxe auch domestiziert gehalten, zum Beispiel rund um die Wolwedans Dunes Lodge im Namib Naukluft Gebiet in Namibia.

Rappenantilope (Sable Antelope)

Rappenantilopen gehören zur Gattung der Rossantilopen und Pferdeböcke. Der englische Name ist irreführend, es gibt eine weitere Antilopenart, die "Säbelantilope" genannt wird, aber zu den Oryxantilopen gehört und im südlichen Afrika nicht vorkommt. Der deutsche Name Rappenantilope kommt von dem dunklen Fell, dass bei den älteren männlichen Tieren dunkelbraun ist, bei weiblichen und jüngeren männlichen Rappenantilopen deutlich heller. Sie kommen in den bewaldeten Gebieten Ostafrikas vor, sind aber recht selten. Die Art ist gefährdet, es gibt nur rund 60.000 Tiere. Neben dem dunklen Fell sind die gebogenen, säbelförmigen Hörner,  die hellen Streifen am Kopf und dem hellen Unterbauch.
 

Kudu

Große Antilopen mit auffälligem weißen Streifen quer über Nase und Augen sowie gedrehten Hörnern bei den männlichen Tieren. Jede Hornwindung weist auf zwei Lebensjahre des Tieres hin. Kudus können bis zu drei Meter hoch springen, wenn sie vor Feinden fliehen müssen.

Impala

Mittelgroße Antilopen mit auffälligen senkrechten schwarz-weißen Streifen am Hinterteil. Verbreitet sind die Schwarzfersenimpalas in ganz Ostafrika, besonders in den Baumsavannen Tansanias und Kenias, im Etoshagebiet findet man jedoch auch eine Unterart mit schwarzem Nasenstreifen, die Schwarznasenimpalas.

Dikdik

Die kleinste aller Antilopenarten mit nur 50 Zentimeter Körpergröße. Sehr scheu und schwer auf Pirschfahrten zu entdecken, da sie im hohen Gras kaum sichtbar sind. Dikdiks sind pflegeleicht, deshalb werden sie manchmal als Haustiere gehalten, wie zum Beispiel in der Arumeru River Lodge in Arusha.

Ducker

Auffälligste Merkmale sind der kleinere Kopf sowie eine spitzere Nase. Ducker gibt es in vielen Unterarten in verschiedenen Größen, die meist in begrenzten Gebieten vorkommen (z.B. Blauducker am East Cape von Südafrika, Rotducker in an der Küste Mosambiks und Tansanias, Kronenducker in den Baumsavannen). 

Gerenuks (auch Giraffengazellen)

Sie sind die außergewöhnlichsten Vertreter der Antilopen und haben sich auf besondere Weise dem Leben in der kargen, trockenen Savanne angepasst. Ihr Körperbau ist so gestaltet, dass sie sich zum Erreichen von Blättern auf die Hinterbeine stellen können und mit dem langen schlanken Hals wie kleinere Giraffen an die Zweige gelangen. Außerdem ist ihr Flüssigkeitshaushalt so gut ausgeglichen, dass sie nicht an Wasserlöchern trinken muss, sondern nur durch die Nahrung das benötigte Wasser aufnehmen. Ihr Maul ist unempfindlich gegenüber Stacheln und Dornen, sie sind nicht wählerisch bei der Auswahl der Pflanzen. Sie sind meist Einzelgänger oder leben in kleinen Gruppen. Man trifft sie am häufigsten in Äthiopien, aber auch in Tansania und Kenia an. 

Weitere Arten

Es würde zu weit führen, alle Arten hier auflisten zu wollen und Sie möchten sicher auch noch etwas Neues auf Ihren eigenen Pirschfahrten entdecken, deshalb hier noch eine bunte Sammlung von Fotos, die unsere Kunden und wir auf unseren Pirschfahrten geschossen haben. 

noch keine Kommentare