Auf Pirschfahrt - kleine afrikanische Vogelarten

von Susanne Schlesinger

Für Ornithologen und Hobby-Birdwatcher sind die süd- und ostafrikanischen Savannen, Wüsten und Flüsse ein wahres Mekka. Hier leben geschätzte 5.000 Vogelarten - von winzigen Zwergspinten bis zu Kormoranen und Goliathreihern finden sich Vögel aller Größen und Farben. Die unterschiedlichen Lebensräume haben sie zu wahren Überlebenskünstlern werden lassen, die erstaunliche Fähigkeiten und Strategien entwickelt haben, um sich einerseits vor Feinden zu schützen, aber anderseits auch das andere Geschlecht zu beeindrucken, um ihre Art zu erhalten.

Nicht alle Vögel Afrikas sind Dauergäste, viele Arten überwintern in den warmen Gefilden und legen weite Wege zwischen verschiedenen Kontinenten zurück. Wieder andere haben sich mit den großen Savannenbewohnern arrangiert und leben unglaublich nahe mit Elefanten, Löwen, Büffeln oder Flusspferden zusammen, ohne gefressen oder verletzt zu werden. Teilweise picken sie sogar Ungeziefer von der Haut oder aus den Zähnen der großen Tiere. Alle Vogelarten einzeln zu beschreiben würde zu weit führen, deshalb hier eine Zusammenfassung der populärsten kleineren Vogelarten und ihrer Besonderheiten.

Im Gegensatz zu den meisten Savannenbewohnern, die sich so gut wie möglich tarnen wollen, hat die Natur den kleinen Vögeln oft ein farbenprächtiges Federkleid verpasst. Besonders die Männchen sind grellbunt, metallisch glänzend und auffällig, während viele Weibchen oft eher ein unscheinbar braunes Federkleid haben. Der Grund liegt tatsächlich darin, dass die Männchen den Weibchen imponieren und deshalb besonders auffallen müssen. Neben dem bunten Äußeren muss sich ein Vogelmännchen dann auch noch gegen die Konkurrenz durchsetzen. Das geschieht auf unterschiedliche Weise.

Webervögel

Webervögel, die zur Familie der Sperlingsvögel gehören, sind überall in Afrika anzutreffen. Es gibt zahlreiche Arten in unterschiedlichen Farben von unscheinbarem braun bis gelb, einige sind auch teilweise rot gefärbt. Meist treten sie in Schwärmen auf und legen dabei große Entfernungen zurück. Sie ernähren sich hauptsächlich von Insekten, Samen und Körnern. Der Begriff Webervogel leitet sich von einer einzigartigen Fähigkeit ab. Die Vögel "weben" ihre Nester aus Zweigen und Halmen, die kunstvoll mit Schnabel und Krallen verschlungen werden. Für den Bau sind die Männchen zuständig. Das Weibchen akzeptiert das Männchen nur, wenn es ein perfektes Nest vorweisen kann. Gebrauchte oder zu kleine Nester werden nicht toleriert. Die Männchen bauen deshalb manchmal mehrere Nester zur Auswahl in der Hoffnung, dass eins davon von den Weibchen angenommen wird. Manche Bäume gleichen deshalb einem Weihnachtsbaum mit kugelförmigen Nestern an jedem Ast.

Einige Arten, zum Beispiel die Siedelweber (Social Weaver), bauen keine Einzelnester, sondern errichten gemeinsam riesige Nestbauten hoch in den Bäumen, in denen mehrere hundert Vögel leben. Die oft gigantischen Bauten, die vier bis fünf Meter breit werden können, sind genial konstruiert. Der Eingang befindet sich unten oder seitlich durch enge Röhren, wo Fressfeinde wie Schlangen oder größere Vögel keine Chance haben, in das Nest einzudringen. Im Inneren werden verschiedene Kammern angelegt. An den Nestern wird von Generation zu Generation weiter gebaut, und irgendwann werden sie so groß, dass sie Äste oder ganze Bäume zum Abbrechen bringen.Webervögel suchen die Nähe der Menschen, denn sie wissen, dass es hier Futter gibt. So findet man häufig Nester in unmittelbarer Nähe zu Gebäuden oder manchmal auch in den riedgedeckten Dächern von Hütten und Zeltchalets. Gefährlich wird es, wenn ein Webervogelschwarm einen Strom- oder Telefonmast zum neuen Wohnsitz erklärt. Diese Nester müssen dann komplett zerstört werden, damit die Vögel sich einen anderen Nistplatz suchen und nicht an die Reste des Nestes wieder anbauen. Neben den Webervögeln gibt es auch zahlreiche weitere Sperlingsarten in verschiedenen Schattierungen.

Stare

Auch sie gehören zu den Sperlingsvögeln, sind aber größer, und im Gegensatz zu den grau-schwarzen Frühlingsboten in Europa schmücken sich die afrikanischen Stare mit metallisch glänzenden, manchmal mehrfarbigen Federn. Es gibt wieder zahlreiche Unterarten, die nach dem Aussehen benannt sind. Die europäischen Stare (Sturnus Vulgaris) sind auch in Afrika zu finden, jedoch sind diese keine Zugvögel, sondern heimisch. Die mitteleuropäischen Stare bleiben lieber am Standort oder fliegen maximal bis zum Mittelmeerraum, um zu überwintern.

Rackenvögel

Unter dem unromantischen Begriff Rackenvögel sind gleich mehrere Vogelfamilien eingeordnet, unter anderem Bienenfresser (Spinte), Eisvögel (Kingfisher) und natürlich die Racken selbst. Rackenvögel sind die farbenprächtigsten Vertreter der afrikanischen Vogelwelt.

Bienenfresser (Spinte) gibt es in zahlreichen Arten und Schattierungen. Der Name "Bienenfresser" (Bee-eater) haben Sie durch die Futtergewohnheit, Insekten im Flug zu fangen. Die meisten der Spinte sind nach der Farbe und Zeichnung des Federkleides benannt. Besonders auffällig sind die leuchtend roten Karminspinte (auch Scharlachspint genannt), Blauwangenspinte und Weißstirnspinte. Allen gemeinsam ist die Vorliebe, in Kolonien in sandigen Uferböschungen zu brüten. So findet man sie bevorzugt an den Flussufern des Luangwa (Sambia),  Mara oder Talek (Kenia), Chobe (Botswana), entlang des Sambesi oder auch im Ruaha und Rufijigebiet (Tansania). Übrigens sind einige Bienenfresserarten Zugvögel, die den afrikanischen Winter in Süd- oder Osteuropa oder Asien verbringen. Europäische Bienenfresser sind deshalb auch am Schwarzen Meer heimisch.

 

Racken sind ebenfalls leuchtend bunt und etwas größer als Bienenfresser. Neben dem auffallenden, mehrfarbigen Federkleid haben Gabelracken lange, gabelförmige Schwanzfedern. Wie die Bienenfresser ernähren sie sich hauptsächlich von Insekten. Den englischen Namen "Roller" haben sie von dem rollenden Balzruf, der in Verbindung mit waghalsigen Flugkunststücken die Damenwelt beeindrucken soll. Wie der Europäische Bienenfresser ist auch die Blauracke ein Zugvogel, der in Europa und Asien gern den Sommer verbringt.

Eisvögel (Kingfisher)

Diese wunderschönen Vögel sind hauptsächlich an den Gewässern Ostafrikas und seltener auch an anderen Flussläufen im südlichen Afrika zu finden. Sie suchen die Nähe zum Wasser, weil sie durch Stoßtauchen jagen und dabei kleine Krebse, Fische und Wasserinsekten fangen. Größere Arten können auch Frösche jagen. Eine Unterkategorie sind die Lieste, die auch in trockenen Gebieten anzutreffen sind, da sie sich wie andere Rackenvögel von Insekten ernähren.Eisvögel gibt es von ganz klein, wie der Malachiteisvogel mit 13 bis 14 Zentimetern, bis groß wie die Riesenfischer (Giant Kingfisher) mit stattlichen 45 Zentimetern Körpergröße. Allen gemeinsam sind ein gedrungener Körper und der lange, kräftige Schnabel. In der Farbgebung gibt es jedoch verschiedene Varianten, die an den jeweiligen Lebensraum angepasst sind. Am bekanntesten und buntesten sind die kleinen Malachiteisvögel, eher unscheinbar aber nicht weniger schön sind die Graufischer mit ihrem schwarz-weißen Federkleid. Eisvögel sind auch in den kälteren Regionen Mitteleuropas bis hinauf nach Skandinavien anzutreffen, die meisten Arten mögen es aber eher warm. Übrigens sind Eisvögel nahe Verwandte der hier heimischen Spechte und Wiedehopfe.

Weitere Arten

Es gibt noch viele weitere Unterkategorien und Vogelarten: Nektarvögel (Sunbirds), Würger (Shrike, Fiscal), Bülbüle (Bulbul), Schnäpper (Batis), Rötel (Robin), Witwenvögel (Wagtail, Whydah), Kuckuck (cuckoo, cougal), Lerchen, Schwaben, Papageien usw. Viele Lodges bieten deshalb für interessierte Gäste auch spezielle Vogelführungen an und haben dafür speziell geschulte Guides. Ein gutes Teleobjektiv und Geduld gehören ebenfalls dazu, schöne Vogelbilder zu machen. Hier noch einige besonders schöne Aufnahmen verschiedener afrikanischer Vogelarten:

Die besten Chancen, Vögel aus nächster Nähe zu beobachten, hat man übrigens bei Bootsfahrten oder Kanuausflügen auf Afrikas Flüssen und Seen, weil man sich den scheuen Tieren lautlos nähern kann. Eine umfassende Sammlung von afrikanischen Vögeln ist im National Museum in Nairobi zu sehen, wobei sie quicklebendig in der freien Natur flatternd viel schöner sind. Sehr empfehlenswert zur näheren Bestimmung von Vögeln ist der "Taschenführer für Vögel im südlichen Afrika" von Burger Cillié. Das Buch ist derzeit leider nur vor Ort erhältlich, wird aber sicher in Kürze neu aufgelegt. Unsere Kollegin Ulrike war vor kurzem in Südtansania unterwegs und hat dort auf einer Bootstour auf dem Rufiji tolle Aufnahmen von bunten Weißstirnspinten gemacht, die im warmen Sand am Ufer ein Sandbad nehmen, ohne sich vom Boot stören zu lassen. Die seltener besuchten Nationalparks Selous und Ruaha sind echte Geheimtipps, nicht nur für Vogelliebhaber.

Ein besonderer Dank gilt Robert Wienand aus Südafrika, der viele der Vögel auf den wunderbaren Fotos von Bernd Gerlach für uns identifiziert hat.

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