Traumziel Kilimanjaro

von Susanne Schlesinger

Einmal auf dem Gipfel des Kilimanjaro zu stehen ist für viele Reisende ein Traumziel auf der Liste der 1000 Dinge, die man einmal im Leben tun möchte. Das Bergmassiv an der Grenze zwischen Kenia und Tansania ist nicht nur mit 5895 Metern die höchste Erhebung Afrikas, sondern es ranken sich auch viele Mythen und Legenden darum, die unter anderem von berühmten Schriftstellern wie Ernest Hemingway geprägt wurden.

Die Geographie des Kilimanjaro-Massivs

Entstanden ist das Bergmassiv durch vulkanische Aktivitäten und Erdverschiebungen, aus denen auch der Große Afrikanische Grabenbruch vor rund 20 Millionen Jahren hervorging. Der Berg, der im Allgemeinen Kilimanjaro genannt wird und dessen schneebedeckte Spitze auf Millionen Fotos und Postkarten zu sehen ist, heißt eigentlich "Kibo" oder auch "Uhuru Peak" und ist ein Vulkan. Dies ist deutlich an seiner kegelartigen Form zu erkennen. Flankiert wird die höchste Erhebung des Massivs von zwei kleineren Bergen.

Im Osten ragt der Mawenzi mit 5148 Metern auf, im Westen das Shira Plateau mit 3962 Meter. Beide Gipfel sind ebenfalls Vulkane, haben aber keine so ausgeprägten Krater wie der Kibo. Sie sind durch Bergsättel mit dem Kibo verbunden, haben aber keine Schneefelder oder Gletscher.Der Kibo gilt als erloschen, sicher ist sich die Wissenschaft jedoch nicht. Der letzte Ausbruch soll um das Jahr 1700 stattgefunden haben, vulkanische Aktivität lässt sich in Form von Schwefelgeruch bei bestimmten Windrichtungen auch heute noch wahrnehmen. Auf Luftaufnahmen erkennt man den Krater mit einer äußeren Caldera von rund zwei Kilometern Durchmesser und einer inneren Caldera mit dem fast runden Reusch-Krater. Hier gibt es einige Schwefel-Fumarolen, die ebenfalls auf anhaltenden Vulkanismus hindeuten. 

Ebenso wie über die vulkanische Aktivität des Berges wird über die schwindenden Schneefelder diskutiert. Der Gipfel des Kibo ist wechselnd mit mehr oder weniger Schnee bedeckt. Drei große Eisfelder bedecken den nördlichen, östlichen und südlichen Gipfel rund um den äußeren Krater, die in Gletschern auslaufen. Wie viele andere Gletscher dieser Erde schmelzen auch die Gletscher des Kilimanjaro langsam ab. Das Wasser fließt in zahlreichen Bächen und Flüssen talwärts und versorgt unter anderem den üppig grünen Regenwald am Fuß des Bergmassivs. Die Momella-Seen des Arusha Nationalparks werden ebenfalls von dem Wasser gespeist. Das Kilimanjaro-Massiv ist seit 1977 als Nationalpark geschützt.

Ein Berg mit vielen Namen

Zur Herkunft des Namens Kilimanjaro (oder auch Kilimandscharo) gibt es verschiedene Theorien. "kilima njaro" wird „weiß leuchtender Berg“ bzw. „Schneeberg“ interpretiert, auf Kisuaheli der Name aber "Berg des bösen Geistes". Kibo bedeutet "die Helle" und Mawenzi "die Dunkle".Von 1889 bis 1961 hieß der Kibo "Kaiser-Wilhelm-Spitze" oder "Wilhelms-Kuppe" und galt bis zum Ersten Weltkrieg als höchster Berg Deutschlands.

Der deutsche Missionar Hans Meyer bestieg 1889 als erster Europäer zusammen mit dem Österreicher Ludwig Purtscheller den Berg und "schenkte" ihn dem Kaiser. Der Reusch-Krater und verschiedene Gletscher sind ebenfalls nach bergsteigenden Missionaren benannt. Die Namen wurden auch nach Übergang der Kolonialherrschaft an die Engländer beibehalten. Am Vorabend der Unabhängigkeit Tansanias am 9. Dezember 1961 wurde der Berg erneut bestiegen und der Gipfel in "Uhuru Peak" umbenannt. "Uhuru" bedeutet auf Kisuaheli "Freiheit".

Routen auf den Kilimanjaro

So zahlreich wie die Namen sind auch die Routen, auf denen heute Touristen und Bergwanderer die Gipfel des Massivs erreichen können. Am populärsten und touristisch am besten erschlossen ist die Marangu-Route, da sie nicht so steil ist und durch den allmählichen Aufstieg die Akklimatisierung erleichtert. Es gibt feste Hütten. Die Marangu-Route wird auch "Coca-Cola-Route" genannt, da es früher in den Hütten zur Stärkung die braune Brause zu kaufen gab.

Ebenfalls sehr beliebt und landschaftlich reizvoll ist die Machame-Route, die durch den Regenwald der Südflanke und vorbei an den Gletschern führt. Lemosho- und Shira-Route sind etwas länger, da sie weiter im Westen beginnen. Auf dem Shira-Plateau treffen sie dann auf die abwechslungsreiche Machame-Route.

Von Süden gibt es noch zwei weitere Routen, Umbwe und Mweka. Selten begangen werden die Rongai-Route und die Loitokitok-Route, die im Norden des Massivs nahe der kenianischen Grenze beginnen.Da Bergsteigen und Bergwandern in den vergangenen Jahren als Freizeit- und Urlaubssport immer populärer wurden, steigt natürlich auch die Zahl der Touristen, die den Aufstieg auf den Kilimanjaro wagen wollen. Der Kibo ist alpinistisch (abhängig von der Route) nicht sehr anspruchsvoll und körperliche Fitness natürlich eine Grundvoraussetzung. Trotzdem schaffen es viele Bergwanderer nicht auf den Gipfel, weil die Höhe vom Körper nicht toleriert wird. Auf fast jeder Tour gibt es deshalb Teilnehmer, die die Höhenkrankheit (Kopfschmerzen, Übelkeit, Atemnot, Schwindel aufgrund von Sauerstoffmangel) bekommen. Es kann auch zu Ödemen (Flüssigkeitsansammlungen) kommen, die lebensbedrohlich sind. Je langsamer der Aufstieg ist, desto besser kommt der Körper mit der Höhe zurecht.

Wie sich Bergwanderer ansonsten vorbereiten können, hat uns Debbie Bachmann, eine erfahrene Bergführerin und Weltrekordhalterin im Auf- und Abstieg auf den Kibo, im Interview erzählt.Kilimanjaro Hoch und Runter – ein Interview mit Debbie Bachmann. 

Auch ohne Gipfelsturm ist der Kilimanjaro ein Naturwunder und eine Augenweide. Besonders schön ist der Anblick von der kenianischen Seite, wenn die Elefanten durch die gelbe Savanne des Amboseli-Nationalparks ziehen. Der Park liegt unmittelbar an der Grenze zu Tansania.Auf der Straße zwischen Arusha und Moshi (Tansania) genießt man mit etwas Glück einen herrlichen Blick auf das Bergmassiv. Die besten Monate für klare Sicht sind übrigens August und September. Im Juni und Juli, wenn die Regenzeit vorüber ist, hüllt sich der Berg oft in Wolken.

Der Kilimanjaro in der Literatur

Bereits in den Überlieferungen des Astronomen und Geographen Claudius Ptolemäus wird um 160 n. Chr über einen von Schnee bedeckten Berg landeinwärts südlich des Sudan berichtet.Berichte der ersten Missionare über einen schneebedeckten Berg nahe des Äquators wurden im 19. Jahrhundert zunächst belächelt, weil man sich nicht vorstellen konnte, dass es im heißen Afrika Schnee geben soll.In der neueren Literatur ist der Berg in Ernest Hemingways "Schnee auf dem Kilimandscharo" verewigt. Hemingway wurde zu der Kurzgeschichte von einem Reisebericht des Missionars Richard Reusch inspiriert. Der Missionar, nach dem der Reusch-Krater auf dem Kibo benannt ist, entdeckte bei einer Besteigung im Jahr 1926 einen gefrorenen Leopardenkörper am Rand des Kraters. Keiner konnte sagen, wie das Tier dorthin gelangt ist. Als Beweis brachte er ein Ohr mit. Der Kadaver wurde später von Unbekannten entfernt. Ernest Hemingway verwendete das Thema zehn Jahre später in seinem Werk. Die Geschichte wurde 1953 aufwändig verfilmt. Die Ol Tukai-Lodge im Amboseli-Nationalpark diente für diese Verfilmung übrigens als Quartier für die Filmcrew und wurde später zu einer komfortablen Lodge mit herrlichem Ausblick umgebaut.

In unserer Tansania-Kenia-Rundreise "Die große Tierwanderung" haben Sie die Gelegenheit, den Kilimanjaro von tansanischer und kenianischer Seite zu sehen, in Zusammenarbeit mit einem Partnerveranstalter bieten wir auch Reisen mit Besteigung des Kilimanjaro und Mt Meru an.

Rund um den Kilimanjaro gedeiht Kaffee. Eine der größten Plantagen ist die Kilimanjaro Planation Ltd, die Besucher gegen Voranmeldung besichtigen können. Wir waren da. Hier geht es zurm Reisebericht.

 

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