Kenia verbietet Plastiktüten

von Susanne Schlesinger

Nach einigen anderen afrikanischen Ländern führt nun auch Kenia ab dem 28. August 2017 ein generelles Verbot für Plastiktüten ein. Betroffen sind alle Tragetaschen und Müllbeutel, die aus Polypropylen (PP) oder Polyethylen (PE) oder anderen, nicht biologisch abgebauten Kunststoffen hergestellt wurden.

Als Begründung wird durch das Kenianische Ministerium für Umwelt und Natur angegeben, dass die Maßnahme notwendig ist, weil die über 100 Millionen Plastiktüten, die jährlich in den Supermärkten ausgegeben werden, große Umweltschäden verursachen, Wasserleitungen blockieren und giftige Dämpfe beim Verbrennen erzeugen, die Mensch und Umwelt schaden.

Bereits im Februar wurde das Verbot angekündigt. Kenia hat ein massives Müllproblem, vor allem in Städten und Orten mit Supermärkten. Da die Wertstoffe nicht gesammelt und recycelt werden, landen die Verpackungen, Flaschen und Tüten oft auf wilden Müllhalden bzw. werden ungefiltert verbrannt. Das Verbot soll dies nun einschränken, wird aber sicher nicht weit genug gehen, um dem Problem Herr zu werden.  

Bei Verstoß gegen das Verbot wurden empfindliche Geldstrafen bis hin zu Haft angedroht. 


Was müssen Sie als Reisende(r) wissen?

Das Verbot betrifft nicht nur die einheimische Bevölkerung und den Handel, sondern auch einreisende Touristen. Das Gepäck der Reisenden soll am Flughafen auf Plastiktüten untersucht werden. Wer Tüten einführt, muss mit einer Geldstrafe rechnen.

Beim Packen sollten Sie deshalb auf Plastiktüten (zum Beispiel für Schuhe) verzichten und stattdessen Stoffbeutel oder wiederverwendbare Tragetaschen verwenden. Auch Tüten, in denen Sie Ihre Kosmetik im Koffer vor dem Auslaufen schützen oder kleine Gegenstände aufbewahren, könnten reklamiert werden. Achten Sie deshalb beim Kauf von Duschbad usw. auf einen dichten  Verschluss und sichern sie die Flaschen mit einem Klebestreifen.

Packen Sie am besten einen auch faltbaren, wiederverwendbaren Beutel mit ein, falls sie im Supermarkt Getränke oder in einem Souvenirladen Andenken kaufen wollen oder eine Strandtasche benötigen.

Unklar ist derzeit noch, ob die Ziplock-Beutel, die für Flüssigkeiten im Handgepäck vorgeschrieben sind, ebenfalls unter das Verbot fallen. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, nehmen sie einen kleinen transparenten Kulturbeutel. Diese gibt es einzeln oder als günstige Sets in von verschiedenen Anbietern und sie sehen die nicht wie Wegwerfplastiktüten aus.

Zumindest in der Anfangszeit ist mit gründlichen Kontrollen zu rechnen. Durch Vermeidung von Plastiktüten im Gepäck ersparen Sie sich viele Diskussionen und Zeit bei der Einreise und Ihr Safariabenteuer kann ungetrübt beginnen!

Auf der Internetseite  der Nationalen Umweltschutzbehörde (NEMA) wurde ein Informationsblatt zu häufig gestellten Fragen zusammengetragen. Hier eine übersetzte Version. Das Original ist hier zu finden.

1. Welche Plastiktüten werden verboten?
Das Verbot betrifft alle Plastiktragetaschen und Plastikbeutel die für kommerzielles oder privates Verpacken benutzt werden.

2. Welche Tragetaschen sind gemeint?
Alle Plastiktragetaschen unabhängig von Dicke oder Farbe, die in Supermärkten, Läden, Einkaufszentren und Lebensmittelgeschäften als Zweitverpackung verwendet werden.

3. Was ist unter Plastikbeutel (Flat bag) zu verstehen?
Alle Plastikbeutel und –tüten, die mit oder ohne Griffe und Zugbänder verwendet werden. (z.B. Müllsäcke a.d.R.)
 

4. Was sind die Hauptgründe für das Verbot?
Plastiktaschen und –tüten sind normalerweise für den einmaligen Gebrauch hergestellt und reißen oder durchlöchern beim ersten Gebrauch. Der Wind transportiert sie leicht und sie sind die am einfachsten sichtbaren Zeichen von Verschmutzung an Straßenrändern und am Strand. Plastiktaschen sind aus Erdöl und Erdgas hergestellt und werden nie vollständig biologisch abgebaut, sie verbleiben in der Natur fast für immer als kleine oder mikroskopische Teilchen.

5. Sind auch Verpackungen für industriell hergestellte Produkte von dem Verbot betroffen?
Nein, Plastiktüten, die als Schutzverpackung für Produkte direkt vom Hersteller eingesetzt wurden und die nicht einzeln käuflich oder kostenlos beim Verkauf erhältlich sind, sind von dem Verbot nicht betroffen. Die Verpackungen müssen vom Hersteller eindeutig zum Produkt gehörend gekennzeichnet sein.

6. Ab wann sind alle Hersteller und Importeure aufgefordert, die Verwendung von Wegwerfplastiktaschen einzustellen?
Ab dem 28.August 2017. Zusätzlich sind alle Hersteller und Importeure verpflichtet, alle Lagerbestände, die zu diesem Stichtag noch vorhanden sind, an die Nationale Behörde NEMA zu melden.

7. Dürfen Produzenten von Wegwerfplastiktaschen weiterhin produzieren und ihre Ware exportieren?
Nein, die Produktion der Wegwerftaschen ist ab dem 28. August verboten.

8. Gibt es eine Übergangszeit für die Hersteller und Händler?
Nein, das Verbot wurde am 28. Februar 2017 angekündigt und die Vorbereitungsfrist endet jetzt nach sechs Monaten.

9. Dürfen Hersteller und Händler bereits vorhandene Bestände noch verwenden?
Nein, die Hersteller und Händler wurden aufgefordert, ihre Bestände in den letzten sechs Monaten abzubauen und müssen alle Restbestände deklarieren. Es wird dann entschieden, wie damit verfahren wird.

10. Können Hersteller und Händler Papiertüten als Alternative anbieten?
Ja.

11. Was sind die Alternativen für Plastiktüten?
Alternativen sind: Papiertüten, Stoffbeutel (Canvas, Jute, Baumwolle usw), Strohtaschen, vom Kunden mitgebtachte Beutel und Taschen.

12. Welche Händler sind betroffen?
Alle Händler.

13. Gibt es Ausnahmen für kleine Händler?
Nein.

14. Ist den Händlern auch der Verkauf von Plastikbeuteln und Säcken, z.B. Müllsäcken untersagt?
Ja.

15. Gibt es Ausnahmen für Bekleidungsgeschäfte?
Nein. Ausnahmen gibt es nur für Industrieverpackungen wie in Punkt 5 erläutert.
 

ein Kommentar

Pusch

08.09.2017 um 16:21

Meine Reise Okt. und Nov. nach Kenia 6Wochen. Ich bin Stomapatient mit künstlichen Darmausgang und verwende Entsorgungsbeutel aus Polyethylen.
Muß ich vielleicht noch meine Reise
stornieren, oder gibt es eine andere
Entsorgungsmöglichkeit. Auf einen
Hinweis wäre ich sehr dankbar.
Danke

Antwort von Outback-Africa

Lieber Herr/Frau Pusch, vielen Dank für die Anfrage. Wir können als Reiseveranstalter keine verbindlichen Aussagen treffen, denken jedoch, dass die Mitnahme und Entsorgung vor Ort möglich sein sollte, da es sich nicht um Einkaufstragetaschen oder Müllbeutel handelt, sondern um medizinisch notwendige Beutel. Sie können dies ja auch mit einer ärztlichen Bescheinigung oder durch das bloße Vorzeigen am Körper beweisen. In solchen Fällen können sie Plastikbeutel sicher noch verwenden und müssen nicht stornieren. Es dürfen ja auch weiterhin Plastikflaschen mit Kosmetik usw. eingeführt werden, Plastik ist also nicht komplett verboten. Wir wünschen Ihnen eine schöne Reise. Freundliche Grüße, Susanne Schlesinger