Gut gewappnet ins Outback – Ausrüstung für das Afrika-Erlebnis

von Mick Edelmann

Niemand fliegt nach Afrika, um nur in der Hotel-Anlage zu versauern. Raus in die Natur, Fotos schießen, Tiere sehen und die majestätische Weite der Landschaft genießen – das ist die Devise. Allerdings bedeutet das, dass man mit Flip-Flops, Tank-Top oder Sommerkleidchen nicht weit kommt. Diese Kleidungsstücke haben nur rund um den Hotelpool ihre Berechtigung. Wer sich jedoch auf Trips ins Hinterland begibt, muss sich völlig anders ausstaffieren.

Hintergründe

Afrika ist ein Land der Gegensätze –besonders im Vergleich mit Mitteleuropa. Primär gilt das natürlich für das Klima des Kontinents – es ist nicht nur heißer, die Sonne strahlt durch die Nähe zum Äquator auch viel stärker. Ausrüstung muss sich deshalb an dieser Stelle auf mehrere Punkte fokussieren:

  • Hitzeschutz
  • Sonnenschutz
  • Atmungsaktivität

Dies müssen auch diejenigen beachten, die sich durch vergangene Urlaube in südlichen Ländern schon als abgehärtet ansehen – Afrika ist ein anderes Level. Doch es kommen noch Afrikas Flora und Fauna hinzu. Der Kontinent beheimatet nicht nur Löwen und Elefanten, sondern auch eine Reihe von Giftschlangen, Insekten und stacheliger Gewächse. Die Ausrüstung muss also auch folgende Punkte abdecken:

  • Bissschutz
  • Robustheit
  • Mechanischer Schutz

Natürlich muss nicht alles, was in der Checkliste angeführt wird, schon vor der Einreise angeschafft werden, aber die wichtigsten Basics sollten dabei sein – und auch von entsprechender Qualität.

Ein genereller Tipp noch: Für die meisten Safaris gehören Tierbeobachtungen zum Programm. Die Ausrüstung solle deshalb farbtechnisch neutral in Erdtönen wie Sand, Khaki oder Braun gehalten sein, damit man getarnt ist.

Check 1: Das Schuhwerk

Über das richtige Afrika-Schuhwerk wurden ganze Bücher verfasst. Die Quintessenz ist, dass es nicht das Paar Schuhe gibt. Denn es komm darauf an, was man erleben möchte. Andersherum ausgedrückt, wer „nur“ Jeep-Safaris oder Pirschfahrten mitmacht, dementsprechend den ganzen Tag im Wagen sitzt, dem gereicht ein Paar leichte Trekking-Halbstiefel vollkommen.

Wer hingegen durch die Wildnis wandert, muss darauf achten:

  • Dass auch Teile der Waden geschützt sind (Schlangen, Insekten, Dornen)
  • Der Stiefel den gesamten Fuß und die Gelenke stützt
  • Das Außenmaterial atmungsaktiv ist
  • Die Sohle griffig genug für alle Eventualitäten ist

Ob Leder mit Baumwoll-Anteil oder High-Tech-Materialien ist sowohl eine Frage des Glaubens, als auch des Geschmacks. Jedoch gilt universell, der Schuh muss schon zuhause eingetragen werden und perfekt passen. Dabei bitte bedenken, dass durch Hitze und weite Strecken die Füße anschwellen, also besser eine halbe Nummer größer kaufen.

Check 2: Der Rucksack

Ein Rucksack sollte grundsätzlich immer dabei sein, selbst wenn er nur im Jeep herumliegt. Bei der Auswahl ist das Geschlecht des Trägers fundamental. Differenziert wird vor allem aus dem Grund, dass sich im Normalfall die Rückenlänge unterscheidet und damit auch die Passform eine andere ist.

Volumina von 35 Litern (sogenanntes Daypack) sollte der Rucksack nicht unterschreiten und wegen der Hitze über ein Fach für eine Trinkblase verfügen – die ist leichter und nimmt weniger Platz weg als Feldflaschen, enthält bis zu drei Liter und kann auch im Gehen bequem über einen Trinkschlauch Flüssigkeit spenden.

Geeignet sind damit praktisch alle Wanderrucksäcke namhafter Hersteller. Allerdings kommen die oft in schreiend bunten Signalfarben. Aufgrund besagter Tarnwirkung sollte man deshalb in einen entsprechenden Regenschutz investieren und schlägt so zwei Fliegen mit einer Klappe.

Ganz gleich, auf welchen Rucksack die Wahl fällt, er muss richtig gepackt werden. Dabei gilt, maximal 25% des eigenen Körpergewichts, wenn man trainiert ist. Wenn nicht, dann höchstens 15% - und die sollten perfekt verteilt und nicht einfach nur hineingeworfen werden.

Wer sein Rucksack immer nach dem gleichen Schema packt und dieses Schema bestenfalls vorab zuhause festlegt und übt, bekommt außerdem Routine beim Packen und weiß unterwegs immer bestens an welcher Stelle man was findet. Das spart Zeit beim Suchen und verhindert unnötiges Umsortieren mit vorprogrammiertem Chaos.

Check 3: Hosen

Bei den Beinkleidern gibt es eine essenzielle Richtlinie: Die Hosen sollten lange Beine haben. Nicht nur, weil man sich schnell die Schienbeine an dornigen Gestrüppen zerkratzt oder sie Schutz vor Schlangen bieten muss, sondern weil man unter Afrikas Sonne schnell einen Sonnenbrand bekommt.

Daneben lauten die wichtigsten Features:

  • Luftig-lockerer Schnitt
  • Leichtes, atmungsaktives Material
  • Ein schnürbarer Saum
  • Große Taschen, am besten auch auf den Oberschenkeln

Damit bricht alles auf eine klassische Trekkinghose herunter. Allerdings bestehen diese in der Regel aus synthetischen Stoffen – perfekt für einen regnerischen deutschen Sommer, aber nicht für Afrika, weil sich darin die Hitze staut. Hier ist weit geschnittene, reine Baumwolle oder Baumwollmischgewebe das Maß der Dinge. Analog zu den Rucksäcken besteht auch hier die Option, auf militärische Hersteller zu setzen. Diese vertreiben sogenannte „Ripstop-BDU-Pants“ aus einem leichten Baumwollmischgewebe, das so konstruiert ist, dass Löcher nicht weiter einreißen können. Und entgegen dem Trekkinghosen-Trend sind diese auch weit geschnitten und meist vergleichsweise günstig.

Check 4: Oberteile

Das Oberteil muss zwei grundlegende Kriterien erfüllen: ebenfalls einen hohen Baumwoll-Anteil sowie lange Ärmel als Sonnenschutz. Sehr bewährt bei vielen Afrika-Reisenden haben sich sogenannte Longsleeves –normale T-Shirts bloß eben mit langen Ärmeln.

Eine Alternative sind klassisch-langärmelige Baumwollhemden – deren Vorteil ist, dass man durch das Öffnen der oberen Knöpfe sehr gut das Klima des Oberkörpers regulieren kann. Ein weiter, luftiger Schnitt sorgt zusätzlich dafür, dass die Luft zwischen Stoff und Haut besser zirkuliert, was einen kühlenden Effekt spendet. Der sonst eher negativen Baumwoll-Eigenschaft, dass sie schlecht trocknet, kommt hier allerdings ein Vorteil zu. Denn durch eben diese Eigenschaft bleibt ein leichtes Baumwoll-Hemd immer etwas feucht und kühlt so durch Verdunstungskälte angenehm direkt am Körper.

Darunter sollte man im Idealfall gar nichts tragen und Damen sollten auf einen möglichst atmungsaktiven BH setzen.

Wenn die Tour abends nicht ins Hotel zurückführt (und während der Regenzeit sowieso), sollte eine wärmende Jacke im Rucksack stecken. Selbst im heißen Afrika kann es nachts empfindlich kalt werden.

Check 5: Nie ohne Hut

Man kann gar nicht genug betonen, wie immens wichtig ein Hut in der Savanne ist. Denn die Sonne ist hier eben nicht nur für Sonnenbrände auf untrainierter europäischer Haut verantwortlich, sondern auch für Sonnenstiche – und die entstehen, weil die Sonnenstrahlen die Hirnhaut reizen.

Deshalb sollte bei jeder Tour, jeder Safari immer ein Hut auf dem Kopf sitzen. Allerdings bitte nicht aus falsch verstandenem Abenteurer-Geist ein Fedora á la „Indiana Jones“. Denn der ist schlichtweg viel zu dick und fördert eher noch einen Hitzestau als dass er ihn verhindert. Wer seinen Kopf hingegen vor allem praktisch schützen will, hat zwei Wahlmöglichkeiten:

Ersterer ist ein Verwandter des Anglerhutes, hat aber eine breitere Krempe und den großen Vorteil, dass er in den meisten Outdoor-Läden für extrem niedrige Beträge den Besitzer wechselt. Allerdings schützen besagte Schirmmützen den Nacken noch wesentlich besser und lassen in Kombination mit der restlichen Kleidung die Sonne nur noch ans Gesicht – beide Formen sind zudem extrem leicht und weich, so dass sie bei Nichtverwendung auch schnell zusammengeknautscht in der Beintasche der Trekkinghose Platz finden.

Check 6: Fernglas

Bei jedem Trip durch die Natur will man etwas sehen – das gilt auch für die Klientel, die Afrika praktisch nur durch den Kamera-Sucher betrachtet. Doch letztere hat oft das Problem, dass etwas schlicht zu weit weg für die Linse der Kamera ist. Ein gutes Fernglas sollte deshalb immer im Rucksack stecken.

Doch sollte man hier nicht einfach das erst beste kaufen, sondern sich erst einmal in die Technik einarbeiten. Ferngläser werden in aller Regel mit zwei Zahlen beworben, beispielsweise 8x30.

  • Die erste Zahl bezeichnet das Vergrößerungsverhältnis
  • Die zweite Zahl definiert den Durchmesser des Objektivs (der vorderen Linse des Fernglases)

Wer weit sehen will, sollte demnach bei der ersten Zahl auf hohe Werte achten. Allerdings wird es bei Vergrößerungen jenseits der 10x schwer, das Glas ruhig zu halten – jedes Zittern wird beim Durchblicken verstärkt. Hier sollte also die Obergrenze liegen.

Die zweite Zahl gibt Auskunft über die Lichtdurchlässigkeit: Je größer, desto heller ist das Bild. Die Gesamtheit der Faktoren zeigt die Leistungsfähigkeit eines Glases. Doch abseits davon ist ein klassischer Feldstecher mit Werten zwischen 8 und 10 x 30 für die meisten Afrika-Situationen ausreichend. Kleine Kompaktgläser mit Werten wie 8x21 haben den Leichtgewicht-Vorteil, sind aber unter Umständen auch zu leicht und liegen deshalb nicht ruhig in der Hand.

Mit der Gewissheit, dass eine starke Robustheit in Afrika ebenfalls vonnöten ist, finden sich die idealen Ferngläser bei den klassischen Jagd-Herstellern. Allerdings, bei 300 Euro sollte Schluss sein, auch wenn es ein Leichtes ist, das Zehnfache davon für ein Glas auszugeben.

Fazit

Natürlich gehört in jedes Afrika-Gepäck noch sehr viel mehr, etwa die Reiseapotheke. Aber das genannte Equipment sollte in jedem Fall die Basis für all das sein. Anders ausgedrückt, wer auf bequemen Stiefeln, mit langen Hosen und Oberteilen, einem passenden Rucksack auf dem Rücken und einem leichten Hut auf dem Kopf auf eine Tour aufbricht, ist immer für alle Eventualitäten gerüstet – und Eventualitäten hält Afrika jede Menge vorrätig.

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