Panoramablick erwandern: Tafelberg und Lion's Head

von Michelle Amsel

Abseits der Safariouten und wunderschönen Strände hat Südafrika noch weitere Highlights zu bieten. Aktivurlauber kommen vor allem beim Wandern auf den Höhenzügen rund um Kapstadt auf ihre Kosten. Die Berge in der Umgebung der Mother City Südafrikas bilden eine Skyline der etwas anderen Art. Von ihren Gipfeln bietet sich ein phantastisches Panorama über die Stadt und die Bucht.

Wanderfreunde sollten sich bei einem Trip nach Südafrika die verschiedenen Möglichkeiten rund um Kapstadt nicht entgehen lassen. Von der Bergkette, welche die Bucht säumt, ist vor allem der Tafelberg mit seinem weitläufigen und hoch erhobenen Plateau rund 1.000 Meter über der Stadt bekannt. Aber auch der kegelförmige Lion‘s Head bietet einen phantastischen Rundumblick und lässt sich auch von weniger Geübten erklimmen. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann auf den Tafelberg auch mit einer Seilbahn gelangen. Allerdings wird der Betrieb bei oft windigem Wetter eingestellt. Wir bevorzugen ohnehin die Variante, uns den tollen Ausblick selbst zu erarbeiten. Doch wer nach dem Aufstieg oben auf dem Plateau noch den Tag verbringt, könnte zur Not auch auf den Abstieg verzichten und mit der letzten Bahn wieder in die Stadt gelangen.

KAPSTADTS HAUSBERG

Direkt inmitten der Stadt erhebt sich der Hausberg in die Höhe. Genau genommen bezeichnet der Begriff Tafelberg das gesamte Felsmassiv in der Bucht. Lion’s Head, Devil’s Peak, der Signal Hill, sowie die Felsberge der Zwölf Apostel gehören dazu.

Seit 1998 gehört der Höhenzug zum Table-Mountain-Nationalpark und gleichzeitig auch zum Unesco-Welterbe. Mit rund 1.400 verschiedenen Pflanzenarten verfügt er über eine größere Pflanzenvielfalt als in ganz Großbritannien. Hier sind zunächst ein paar Fakten zu den beiden Ausflugszielen zusammengefasst:

TAFELBERG:

  • Höchster Punkt: Maclear’s Beacon, 1.087 Meter
  • Gesamtfläche: ca. 6.500 Hektar
  • Kap-Granit und Schieferton prägen den vorderen Teil des Berges mit dem flachen Plateau

LION’S HEAD:

  • Höchster Punkt: 669 Meter
  • Teil des Tafelbergmassivs

Nördlich der Camp’s Bay und südlich des Stadtteils Sea Point gelegen

WANDERN RUND UM KAPSTADT

Sowohl der Tafelberg als auch der Lion’s Head sind ohne große Wandererfahrung zu meistern, wobei ersterer nicht nur wegen der Höhe eine etwas größere Herausforderung darstellt. Dennoch sollte festes Schuhwerk, und warme Kleidung zur Ausrüstung gehören. Gerade auf dem Tafelberg kann sich das Wetter schnell ändern und oben auf dem Plateau mit kühlen Temperaturen überraschen.

Grundsätzlich sollte sich niemals abseits ausgewiesener Wanderrouten aufhalten, da mit einer erhöhten Kriminalitätsrate zu rechnen ist. Die meisten Wege sind zwar stets von einigen Touristen bevölkert, doch wer auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte sich einer Reisegruppe oder einer geführten Bergtour anschließen. Nicht nur wegen der Safaris ist es empfehlenswert sich vor Beginn einer Südafrika-Reise mit möglichen Risiken auseinanderzusetzen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Wichtig ist auch, für den Trip ausreichend Verpflegung – vor allem genügend Trinkwasser – mitzunehmen. Beim Aufstieg auf den Lion’s Head liegt beinahe die gesamte Strecke in voller Sonne. Zudem befindet sich auf dem Gipfel dort keine Bergstation, so dass für den benötigten Proviant selbst gesorgt werden muss.

Auf dem Tafelberg hingegen kann im Restaurant an der Seilbahnstation Rast gemacht werden. Allerdings ist es dort oft auch sehr überlaufen.

KURZTRIP AUF DEN LION’S HEAD

Wer nicht so viel Zeit investieren möchte und dennoch einmal die Stadt von oben betrachten möchte, sollte sich für einen Ausflug auf den Lion’s Head entscheiden. Viele finden den Rundumblick, der sich von seinem Gipfel bietet sogar noch spektakulärer als die Aussicht vom Plateau des Tafelbergs.

Für den Aufstieg ist lediglich eine knappe Stunde einzurechnen. Wer mit dem Auto anreist, kann es auf einem bewachten Parkplatz an der Signal Road abstellen. Ansonsten fahren auch Busse (106 und 107) bis kurz vor den Parkplatz. Mit etwas mehr Zeit kann auch direkt von der Stadt aus starten. Vom Zentrum aus (Long Street) sind es nur rund 3,5 Kilometer bis zu dem Startpunkt.

Der Wanderweg zieht sich zunächst gemächlich rings um den kegelförmigen Berg nach oben. Der untere Teil wird dabei von der landestypischen Fauna – dem sogenannten Fynbos – dominiert. Charakteristisch dafür sind strauchige, niedrigwachsende Hartlaubgewächse, aber auch eine Vielzahl von wunderschönen Blütenpflanzen. Für alle, die mehr über die faszinierende und einzigartige Pflanzenwelt des Kaps erfahren wollen, empfiehlt sich dann allerdings ein Ausflug in den Botanischen Garten Kirstenbosch.

360° PANORAMA AUF DEM GIPFEL

Der zweite Teil des Aufstiegs wird felsiger und etwas beschwerlicher. Manchmal fällt es schwer sich auf den Weg zu konzentrieren, denn bereits unterwegs bietet sich eine herrliche Aussicht auf die verschiedenen Teile der Stadt.

Wo es noch steiler wird, sind zum Teil Stufen in den Stein gehauen oder Haltegriffe angebracht, die das überwinden einzelner Felsen oder steileren Passagen erleichtern. Zum Schluss muss nochmals ein sehr bergiges und schroffes Gelände hinter sich gebracht werden, ehe sich das kleine Plateau vor einem ausbreitet. Etwa ein halbes Fußballfeld groß ist die oberste Spitze des Lion’s Head.

Als besonderes Highlight kann der Ausflug auch bei Morgendämmerung oder zum Sonnenuntergang gemacht werden. Der wirklich phänomenale Rundumblick ist dann nochmal ein kleines bisschen schöner. Und in der Dämmerung zeigt sich Kapstadt von seiner anderen Seite mit einem großen Lichtermeer.

WANDERUNG ZUM PLATEAU DES TAFELBERGS

Um auf das Plateau des Tafelbergs zu gelangen bieten sich verschiedene Wanderrouten an. Wer sich zur Hauptreisezeit nicht mit unzähligen Touristen die manchmal schmalen Pfade teilen will, hat genügend Ausweichmöglichkeiten, die allerdings auch etwas anspruchsvoller sein können.

Einer der beliebtesten Wege ist der sogenannte Platteklip Gorge oder Maclear’s Trail. Je nach Kondition benötigt man hier für den Aufstieg etwa zwischen einer und zwei Stunden. Rund 1,5 Kilometer hinter der Talstation befindet sich wieder ein Parkplatz, der als Ausgangspunkt dient. Der Trail führt mit einem stets sehr steilen Anstieg durch die Platteklip Schlucht über verschiedene Steintreppen nach oben.

Für ungeübte Wanderer kann dies sehr anstrengend sein, allerdings kann sich dafür auch entsprechend Zeit gelassen werden. Der Pfad endet auf dem Berg nahe der Seilbahnstation.

Weniger strapaziös ist der sogenannte Pipe Track. Er ist ungefähr sieben Kilometer lang und folgt dem Berg hinauf entlang der Wasserrohre. Verschiedene andere Pfade auf das Plateau überschneiden sich teilweise mit einzelnen Streckenabschnitten dieses Weges:

  • Corridor-Ravine und Woody Ravine

Dieser Pfad ist weniger frequentiert wie die beiden oben genannten, bietet gleichzeitig aber noch mehr Abwechslung. Der Startpunkt ist hier Camps Bay führt zunächst entlang des Pipe Track bis zur Corridor-Ravine. Auch von dort ist der Anstieg eher gemäßigt und bietet an verschiedenen Punkten eine tolle Aussicht.

Weiter oben kann hier noch der Grootkoppe bestiegen werden. Alternativ lädt ein Labyrinth aus Felsspalten – die Tranquility Cracks – dazu ein, die besondere Flora und Fauna genauer auszukundschaften. Der Abstieg führt über die Woody-Ravine wieder zurück zum Pipe Track.

  • Suikerbossie-Circuit

Der eher abenteuerliche Weg, der nichts für Anfänger ist, führt durch dicht bewachsenes Gebiet hinauf auf die „Rückseite“ des Plateaus. Unterwegs muss eine enge Schlucht und mehrere kleine Wasserfälle überquert werden. Auch hier bieten sich unterwegs tolle Fernsichten über das gesamte Kap. Beim Rückweg wird die nicht weniger spektakuläre Llandudno-Schlucht durchquert.

  • Suikerbossie-Circuit

Ebenfalls eher für kletterfreudige Wanderer geeignet ist die wohl kürzeste Route, die zumeist direkt unterhalb der Seilbahnstrecke verläuft. Allerdings ist der Aufstieg sehr steil und an einigen Stellen muss ohne Hilfemöglichkeiten über Felsen geklettert werden. Eine gute Kondition ist hier Pflicht. Zudem sollte auch Höhenangst für diese Strecke kein Thema sein. Der Weg führt direkt hinauf zum Africa-Ledge.

TIPPS ZUM ABSCHLUSS

Die Seilbahnstationen stellen je nach Wetterlage ihren Betrieb ein, etwa wenn es zu windig wird. Deshalb sollte stets mit einkalkuliert werden, dass der Abstieg vom Tafelberg möglicherweise auch zu Fuß bewältigt werden muss.

Ein besonderes Phänomen ist das sogenannte „Tischtuch“, welches sich in Form einer Wolkendecke über dem Plateau ausbreitet. Die Wolken strömen dabei über die Flanken nach unten, werden jedoch von den speziellen thermischen Bedingungen ab einer gewissen Höhe wieder nach oben getrieben.

Wenn sich das Tischtuch über den Berg legt, ist eine Wanderung nicht unbedingt empfehlenswert, zumal dann auch die Aussicht nicht genossen werden kann. Niedrigere Berge wie der Lion’s Head oder auch die Zwölf Apostel sind dann meist trotzdem wolkenfrei und bieten sich für einen Ausflug an.

ein Kommentar

Lenni

08.03.2017 um 16:12

Hi Michelle
danke für die vielen Tipps.
Ich selbst war auch schon auf dem Maclear’s Trail und mir hat es super gut gefallen!
Welches war deine Lieblings-Wanderstrecke? Was sollte ich auf jeden Fall auch noch erklimmen ;)
Liebe Grüße

Lenni / www.avanceaire.com

Antwort von Michelle

Hallo Lenni,
versuche doch beim nächsten Mal die Route Corridor-Ravine und Woody Ravine.