Fotografieren in Afrika: So gelingen die Bilder garantiert

von Andy Betzing

Afrika – das schreit geradezu nach eindrucksvollen Urlaubsbildern. Nicht nur, weil der Kontinent auch der Ursprung der klassischen Fotosafari, etwa im Okavango-Delta in Botswana ist, sondern weil sich hier eine unglaublich diverse Flora und Fauna bietet. Diese macht, zusammen mit der Weite Afrikas, einen atemberaubenden Mix für Urlaubsbilder, die garantiert allen Daheimgebliebenen die Spucke wegbleiben lassen – wenn man weiß, wie man seine Bilder richtig schießt. Denn auch in Zeiten von „Vollautomatik bis hin zum Scharfstellen“ kann man beim Fotografieren immer noch eine ganze Menge falsch machen. Der folgende Artikel widmet sich deshalb diesen Fauxpas und zeigt, wie wirklich eindrucksvolle Bilder gelingen.

1. DIE KAMERA

Natürlich lässt sich ein Afrika-Trip auch durchgängig mit der Handykamera aufnehmen – deren Fotoqualität liegt 2016 auf gleichem Level wie die „richtiger“ Kameras. Allerdings sollte man dennoch das Smartphone nur für die Schnappschüsse im Hotel zücken und für Trips in die Natur auf eine dedizierte Kamera setzen. Warum? Ganz einfach: Handykameras ermöglichen beispielsweise nur digitales Zoomen. Dabei wird einfach der Bildausschnitt vergrößert und keine Linsen verschoben wie beim echten Zoom. Das holt zwar das Motiv näher an den Betrachter, das Bild wird aber auch gröber.

Kommt noch hinzu, dass Handykameras in der Regel wesentlich langsamer scharfstellen und bei schlechten Lichtverhältnissen den Kürzeren ziehen, sollte also vor dem Urlaub eine System- oder Spiegelreflexkamera angeschafft werden. Und zwar eine, bei der sich die Objektive wechseln lassen.

Bei der Frage nach den passenden Objektiven scheiden sich die Geister. Wer kein Problem damit hat, etwas mehr Gewicht durch die Savanne zu tragen, ist mit zwei Optiken, einer mit 18-55 Millimetern Brennweite für die Nahdistanz und einer weiteren mit 55-300 Millimetern für praktisch alle Situationen gerüstet. Wer hingegen auf Gewicht achten muss, ist mit einem Reiseobjektiv besser bedient – das deckt einen ähnlichen Brennweitenbereich ab, aber eben in einem Objektiv – mit leichten Nachteilen versteht sich:

  • Schlechtere Abbildungsleistung
  • Leichte Unschärfen
  • Evtl. auftretende Verzeichnung (Bild wirkt tonnen- oder kissenförmig)
  • Geringere mögliche Blendenöffnungen

Alles in allem sollte man für eine so ausgestattete Kamera rund 1000 Euro einplanen – mehr muss es aber nicht sein. Vor allem, weil man sich typisches Equipment wie Blitze usw. sparen kann. Besser ist es, einige Euro in einen wirklich bequemen Gurt zu investieren, der es ermöglicht, die Kamera auch weite Strecken komfortabel zu tragen.

2. GRUNDEINSTELLUNGEN

Grundsätzlich kommen die meisten Kameras heute mit einem Automatikmodus, der es auch Laien ermöglicht, wirklich gute Bilder zu machen, ohne manuell Dinge wie Belichtungszeit und die Blende zu verstellen.

Dennoch sollte, vor allem bei schlechtem Licht, zumindest darauf geachtet werden, dass der Blitz ausbleibt – der ruiniert nämlich nicht nur jedes Sonnenuntergangs-Foto, sondern verschreckt auch noch Tiere. Also:

  • Blitz ausschalten
  • ISO auf Automatik stellen
  • Zum unscharf-Machen des Hintergrundes auf Zeitautomatik stellen und die Blende manuell weit öffnen

Um zu wissen, was wo eingestellt wird, ist es unabdingbar, sich mit der Kamera vertraut zu machen – idealerweise geschieht dies vor dem Urlaub in aller Ruhe. Dann fallen einem auch die wichtigsten Grundeinstellungen recht leicht.

Übrigens: Bei Spiegelreflexkameras sollte grundsätzlich durch den Sucher anvisiert werden, denn der zeigt das Bild 100% so an, wie es aufgenommen wird. Bei Systemkameras ohne Sucher sollte für grelle Lichtverhältnisse über einen Display-Sucher-Aufsatz nachgedacht werden. Der macht es möglich, auf ähnliche Weise zu zielen.

3. FOTOTRICKS IN DER SAVANNE

Angekommen in Afrika, Hotel bezogen, unten wartet der Landrover, der einen auf die erste Fotosafari mitnehmen will. Jetzt heißt es, dass alles das gezeigt werden muss, was man im Idealfall schon zuhause blind beherrscht hat. Doch keine Panik: Die Technik der Digitalkamera hilft dabei, keine Fehler zu machen.

  • Als erstes sollte die Kamera von „Einzelbild“ auf den Serienbildmodus geschaltet werden. Dabei macht die Kamera so lange Fotos, wie der Auslöser gedrückt bleibt. Das ist insbesondere bei Tierfotos und wenn man vom Auto aus fotografiert von Vorteil: Von zehn Bildern werden vielleicht neun nichts, aber das zehnte ist dann das, das man beim Einzelbild verpasst hätte.
  • Sollten sich unerwünschte Dinge zwischen Kamera und Motiv befinden (beispielsweise Menschen) so lauten zwei der besten Tipps für hindernisfreie Bilder entweder „Warten“ oder „Trotzdem fotografieren“. Mithilfe des Programms Photoshop und seiner Option des manuellen Maskierens können so später einfach die Hindernisse aus dem Bild radiert werden.
  • Normalerweise lautet eine der wichtigsten Foto-Grundregeln, dass Licht immer von hinten oder bestenfalls 45° von der Seite kommen soll, damit das Motiv optimal ausgeleuchtet werden kann. Muss aber gegen das Licht fotografiert werden, dann sollte darauf geachtet werden, dass die Blende weit offen ist und man im besten Fall hinterher das Foto ein wenig am Computer abdunkeln kann.
  • Auch bei sich schnell bewegenden Motiven oder dem eigenen Untergrund (Fahrzeug) sollte darauf geachtet werden, dass vom Bildrand keine Körperteile der Tiere abgeschnitten werden. Werden dadurch Fotos schief, so ist das zunächst kein Beinbruch, denn das kann man am PC wieder richten. Ein im Bild nur halb sichtbarer Gepardenrücken oder gekürzter Elefantenrüssel ist jedoch irreparabel.

Wer angesichts dieser Tipps nicht an seine eigenen Fähigkeiten glaubt, sollte einfach vor dem Urlaub in den nächsten Zoo gehen und dort die Tiere ablichten. Dabei herrschen de facto die gleichen Bedingungen und man bekommt für den „Ernstfall“ wesentlich mehr Ruhe, als wenn man samt der neuen Kamera auch noch mit einer ungewohnten Motivumgebung zurechtkommen muss.

4. TIPPS FÜR DIE MOTIVGESTALTUNG

Grundsätzlich gilt im Zeitalter der Digitalkameras eine goldene Regel: Praktisch alles lässt sich im Zweifelsfall auch noch nachträglich am Computer korrigieren. Das gilt für zu helle, dunkle oder farbstichige Bilder ebenfalls wie für falsche Ausrichtungen. Was aber, wie im Beispiel mit dem abgeschnittenen Rüssel, nicht mehr korrigierbar ist, ist eine schlechte Motivgestaltung.

Und für diese gilt die sogenannte Drittelregel. Dabei liegt das Hauptmotiv eines Fotos nicht zentral in der Mitte des Bildes, sondern gedrittelt am Rand davon. Diese Regel im Busch einzuhalten, ist für Anfänger nicht gerade einfach. Aber auch hier gibt es in modernen Kameras eine Option: Die meisten erlauben es nämlich, ein Gitternetz ins Display oder den Sucher einzublenden. Zwei waagerechte und zwei senkrechte Linien finden sich darauf – und solange man nur darauf achtet, dass das Motiv immer im Kreuzungspunkt zweier dieser Linien liegt, wird die Drittelregel immer eingehalten.

Doch auch für Landschaftsaufnahmen sind die Gitter unverzichtbare Helfer. Denn oft machen Laien hier den Fehler und lassen entweder zu viel Landschaft oder zu viel Himmel ins Bild. Die beiden Faustregeln dazu lauten:

  • Soll der Himmel das Hauptmotiv sein, sollte der Boden nur bis zur unteren Linie ragen
  • Ist der Boden das Hauptmotiv, sollte der Himmel auf der oberen Linie aufsitzen.

Auf diese Weise lässt sich bei der Motivgestaltung praktisch nichts mehr falsch machen. Auch, weil die Linien dabei helfen, das Bild gerade zu halten und nicht zu verkanten.  

5. FAZIT

Es ist ziemlich leicht, auch in der rauen Schönheit Afrikas gute Bilder zu machen. Die Digitalisierung der Fotowelt hilft einem dabei immens. Wer sich auf die wichtigsten Grundregeln verlässt, dazu die Automatik helfen und sich von den Helferlein der Kamera unter die Arme greifen lässt und vielleicht zuhause noch mit Photoshop und Co. etwas nachhilft, der bringt von der Fotosafari Bilder mit nachhause, die denen von Profis kaum nachstehen.

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