Chobe Elephant Camp und Schreck in der Nachmittagsstunde

von Marco Penzel

Ngoma, 03.12.2015

Wir sind schon auf dem Heimweg, als der Guide des Chobe Elephant Camps plötzlich bremst und mich aus dem Halbschlaf reißt. Zugegeben, in einem offenen Pirschfahrzeug im Chobe Nationalpark einzunicken, ist ein Fauxpas auf Safari. Aber unser Tag war lang. Schon sehr früh waren wir auf den Beinen und haben einen Ausflug hinüber nach Simbabwe gemacht, um die Victoria-Fälle zu sehen. Nach zweifachen Grenzformalitäten sind wir am Nachmittag zurück in Botswana und gehen auf Pirschfahrt. Am Ufer des Chobe sind wir heute nur einzelnen Elefanten begegnet, dazu Giraffen und diversen Antilopen. Nichts Spektakuläres - bis jetzt, wo dieser junge Leopard wie aus dem Nichts auftaucht und über den Weg springt. Das war also der Grund für das abrupte Bremsen. Ich bin wieder hellwach. Die prächtig gezeichnete Katze lässt sich einige Meter von unserem Auto entfernt im lichten Unterholz nieder und mustert uns. Die Kameras klicken. Guide und Passagiere sind glücklich über diesen erfolgreichen Abschluss der Fahrt. Bei unserer Rückkehr ist im Chobe Elephant Camp die Tafel für das Abendessen schon gedeckt. Chimney, der Manager, erzählt, dass er aus einem Dorf ganz in der Nähe stammt, lange Zeit auf mobilen Safaris gearbeitet hat und mit seinem Job hier nun quasi sesshaft geworden ist.

In dieser Gegend ist man etwas näher dran an der Zivilisation als in anderen Safarizielen in Botswana, etwa im Okavango-Delta oder in der Kalahari. Die Menschen hier leben von der Landwirtschaft. Und die Bauweise des Chobe Elephant Camps ist auch eine Reminiszenz an diesen Lebensstil. Mit ihrem flachen Satteldach und dem grauen Putz sehen die zwischen kleinen Bäumen verstreuten Gäste-Bungalows aus wie ganz einfache Farmhäuser. Gemauert wurden sie aus in Säcken gepacktem Kalahari-Sand. Dessen Isolationsfähigkeit soll die Innenräume vor allzu großer Hitze schützen. Auch die Inneneinrichtung hebt sich von anderen Lodges ab. Das Camp ist geprägt von einer ganz eigenen Mischung aus rustikal und komfortabel. Die Betten haben bequeme Kissen und Matratzen, eingerahmt von grob behauenem Holz. Über den weißen Porzellanwaschbecken ragt ein blankes Kupferrohr aus der Wand mit einem einfachen Ventil als Wasserhahn. Kleine Kettchen aus roten und blauen Perlen zeigen kann, wo warmes und wo kaltes Wasser zu erwarten ist. In der halboffenen, von Holzpalisaden begrenzten Dusche mit Blick in die Natur funktioniert es genauso.

Es ist alles eine Geschmacksache, und meinen Geschmack hat das Chobe Elephant Camp getroffen. Ich mag diesen Mix aus schlichter Erscheinung und guter Qualität, wenn es um das Safarierlebnis, Küche und Service geht. Wenn ich an den Trubel in Kasane denke, wo sich mehrere große Hotels aneinanderreihen und die Pirschfahrzeuge mit den vielen Gästen am Nationalparkeingang Schlange stehen, wird mir ein weiterer Vorteil des Chobe Elephant Camps bewusst. Es ist seine viel ruhigere Lage hier bei Ngoma, wo es einen eigenen Eingang in den Nationalpark gibt und nur drei kleinere Lodges. Sie haben zusammengenommen weniger Betten als eines der großen Häuser in Kasane.

Gut, die allerbeste Lage hier am Chobe hat die Chobe Game Lodge, die einzige Unterkunft am Fluss, die innerhalb des Nationalparks liegt. Das hat natürlich seinen Preis. Wer den nicht bezahlen will oder kein Zimmer in der Chobe Game Lodge bekommt, für den ist die Ngoma-Seite eine gute Alternative. Hier gibt es die Ngoma Safari Lodge, die in einer ähnlich hohen Preisklasse wie die Chobe Game Lodge liegt, aber weniger Gäste beherbergt. Eine Preiskategorie darunter rangiert Muchenje, die älteste der drei Lodges in der Gegend. Das Chobe Elephant Camp ist noch eine Kategorie günstiger. Es hat hier das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

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