Sango Safari Camp: Tierwelt ohne Grenzen in Khwai und Moremi

von Marco Penzel

Khwai, 05.12.2015

Der River Khwai ist ein kleiner Fluss östlich des Okavango-Deltas in Botswana. Khwai ist auch der Name eines Dorfes, das nicht weit vom berühmten Moremi Wildreservat entfernt liegt. Das kommunale Naturschutzgebiet von Khwai schließt sich an Moremi an. Dazwischen gibt es keinen Zaun, so dass sich die Tiere frei zwischen beiden Gebieten hin und her bewegen können. Nur für Safari-Gäste gibt es einen Unterschied: Während Pirschfahrten innerhalb von Moremi nur tagsüber erlaubt sind, dürfen sie in Khwai auch nach Sonnenuntergang noch eine begrenzte Zeit fortgesetzt werden. Und Pirschwanderungen sind ebenfalls nur im Khwai-Reservat erlaubt.

An der Grenze zwischen Khwai und Moremi liegt das Sango Safari Camp. Benannt wurde es nach einem Chief aus der Nachbarschaft, woher auch die meisten Angestellten des Camps kommen. Ich bin froh, Sango endlich einmal mit eigenen Augen zu sehen. Viele begeisterte Kommentare unserer Kunden habe ich in Erinnerung. Es ist kein überbordender Luxus, der die Gäste hier begeistert. Die Zelte sind nicht allzu groß und stehen recht eng beieinander. Aber die Herzlichkeit des Personals und vor allem die Qualität der Safari-Guides sind die Gründe für den guten Ruf von Sango. Und von Komfortverzicht kann schließlich auch keine Rede sein. Die Betten sind groß und bequem, das Duschwasser ist warm und das Essen lecker. Neuerdings gibt es einen, wenn auch sehr kleinen Pool zur Erfrischung. Daneben wurde eine erhöhte Aussichtsplattform mit Blick nach Moremi errichtet. Hier kann man sich am Nachmittag mit einem Buch in den Schatten setzen und warten, welche Tiere sich zeigen werden.

Mit einer offenen Lounge unter Zeltdach, Klappstühlen zum Entspannen und Paraffinlampen zur abendlichen Beleuchtung bewahrt das Camp viel von der Atmosphäre klassischer Zeltsafaris. Das Preis-Leistungs-Verhältnis von Sango passt. So haben wir als Reiseveranstalter eigentlich nur ein Problem mit diesem Camp: es ist gar nicht so einfach, ein Zimmer für unsere Kunden zu bekommen. Nur sechs Zelte gibt es, damit können zwölf Gäste gleichzeitig in Sango wohnen und auf Safari gehen. Neben Pirschfahrten und Wanderungen werden auch Ausflüge im Mokoro, dem für das Okavango-Delta typischen Einbaum, angeboten.

Für uns steht heute eine Pirschfahrt auf dem Programm. "Unsere Gäste haben die Wahl, ob es nach Khwai oder hinein ins Moremi Wildreservat geht", erklärt unser Guide. "Wir versuchen immer dorthin zu fahren, wo wir mit den besten Tierbeobachtungen rechnen." An diesem Nachmittag geht es nach Khwai. Wir stoppen zuerst an einem vertrockneten Baum, auf dessen von der Sonne ausgezehrten Ästen sich farbenprächtige Karminspinte versammelt haben. Dann kommen wir zu einer Gruppe Flusspferde, die uns einen großen Gefallen tun. Wie oft habe ich mit dem Finger auf dem Auslöser bei den Hippos gewartet, dass eines von ihnen endlich mal das Maul aufsperrt. Wenn es dann überhaupt passierte, war es meist im Gegenlicht. Heute ist es anders. Die Tiere gähnen um die Wette. Und wir stehen auf der richtigen Seite, so dass die warme Nachmittagssonne den Flusspferden bis tief in den Rachen leuchtet. Fotoherz, was willst Du mehr? Doch es gibt noch mehr zu sehen, sogar eine echte Rarität. Wir kreuzen den Weg einer Gruppe der vom Aussterben bedrohten Wildhunde. Ebenfalls im schönsten Abendlicht spielen sie rund um unser Safarifahrzeug. Nachdem wir schon in Savuti Wild Dogs gesichtet hatten, ist das nun die zweite Begegnung mit diesen flinken Tieren auf meiner Botswana-Reise. Bis ich zum ersten Mal Wildhunde in freier Natur zu sehen bekam, mussten elf Safari-Jahre vergehen. Und nun sehe ich sie gleich mehrfach.

Als wir am nächsten Morgen durch das North Gate ins Moremi Reservat hineinfahren, drehen wir noch eine kleine Runde über den öffentlichen Campingplatz, der sich gleich hinter dem Tor befindet. Da tauchen plötzlich wieder die Wildhunde auf, sicherlich die Gruppe von gestern Abend. Es sind gerade keine Camper zugegen, als die Tiere zwischen Grillplätzen und Waschhäuschen umherlaufen. Zuvor hatten wir in der Nähe noch Impalas gesehen. Plötzlich gibt es einen jaulenden Tumult im Gebüsch. Viel erkennt man nicht, und nach wenigen Augenblicken ist die Aufregung auch schon wieder vorbei. Ganz kurz kann ich einen Blick auf einen Wildhund erhaschen, der ein Stück Impala-Beim in der Schnauze davonträgt.

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