Kwetsani: Wohnzimmer in den Baumkronen des Okavango-Deltas

von Marco Penzel

Kwetsani, Okavango-Delta, 09.12.2015

Es ist stockdunkel, als wir aus dem Pirschfahrzeug aussteigen. Mit einer kleinen Taschenlampe im Mund werkle ich an meiner Kamera herum, bis sie auf dem Ministativ befestigt ist. Daniel Myburg, der Manager des Kwetsani Camps, ist ein versierter Fotograf, der zusammen mit seiner Frau Charmaine Bildbände veröffentlicht. Seinen Gästen gibt er gern Tipps zum Fotografieren. Für uns steht heute der afrikanische Sternenhimmel auf dem Lehrplan. Jetzt im Sommer leuchten sie nicht ganz so hell wie in den Wintermonaten von Mai bis September, aber immerhin. Wir suchen uns einen markanten Baobab für den Vordergrund und beginnen, mit ISO-Einstellungen und langen Belichtungszeiten zu experimentieren. Länger als 30 Sekunden darf der Kameraverschluss nicht offenbleiben, erklärt Daniel. Sonst verursache die Drehung der Erde, dass die Sterne nicht mehr als Punkte, sondern als Striche erscheinen. Die ersten Bildergebnisse auf den Monitoren unserer Kameras sehen gar nicht so schlecht aus. Im Hintergrund hören wir einen Löwen brüllen. Was für ein Abschluss eines wunderbaren Tages hier im Jao Reservat.

Bei hohem Wasserstand des Okavango-Deltas, etwa von März bis Oktober, ist Kwetsani von Wasser umgeben, auf dem Seerosen schwimmen. Das kann ich mir kaum vorstellen, wenn ich auf die riesige, trockene Fläche blicke, die sich vor dem Camp erstreckt. Wir haben Dezember, seit Wochen wird in Botswana der Beginn der Regenzeit sehnlichst erwartet. Bisher gab es nur wenige, örtlich eng begrenzte Niederschläge. Deshalb blieben auch die Temperaturen hoch, heute sollen es 39 Grad im Schatten gewesen sein. Die Lounge des Camps und die in diesem Jahr komplett erneuerten Zeltchalets stehen auf hohen Plattformen zwischen den Baumkronen und bieten so einen genialen Ausblick. Diesen kann man fast immer genießen, auch wenn man im Bett liegt oder unter der Außendusche steht. Die helle und großzügige Einrichtung gefällt mir ausgesprochen gut.

Neben Kwetsani gibt es weitere Camps im Jao-Reservat: Jacana und Pelo, Tubu Tree und Little Tubu sowie das Jao Camp selbst. Während Kwetsani ein Classic Camp ist, zählt Jao zu den Premier Camps, es wird von Wilderness Safaris also noch eine Kategorie höher eingestuft. Auch Jao ist auf hohen Plattformen gebaut, bietet also ebenfalls eine wunderbare Aussicht. Die Zimmer sind nochmals deutlich größer als in Kwetsani. Im offenen Badezimmer gibt es neben den Duschen auch eine freistehende Badewanne. Außerdem kann Jao noch ein Spa vorweisen, das mehrfach ausgezeichnet wurde. Und es gibt W-Lan, allerdings nur in einem extra Raum. Die Atmosphäre am Lagerfeuer oder in der Lounge des Camps soll nicht dadurch getrübt werden, dass die Gäste nur noch in ihre Smartphones starren, statt sich miteinander zu unterhalten und den Ausblick auf das Okavango-Delta zu genießen. Als Premier Camp bietet Jao eine größere Auswahl an hochklassigen Weinen zum Essen, viele sind inklusive, ganz besondere Tropfen kosten extra.

Als wir das Jao Camp nach unserem kurzen Besuch wieder verlassen, blockiert eine Elefantenfamilie die Ausfahrt. Mehrere Jungtiere tummeln sich zwischen den Beinen Ihrer Mütter. Ganz offensichtlich gefällt es ihnen in Jao ebenfalls gut. Nach einer Weile geben Sie uns den Weg frei. Zum Abendessen sind wir zurück in Kwetsani. Hier werden üblicherweise nur ein Rot- und ein Weißwein zum Essen angeboten. Ich entscheide mich für den Shiraz aus Stellenbosch, der vorzüglich zu dem zarten Rinderfilet passt, das heute serviert wird.

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