Duma Tau und das Hundeleben am Linyanti

von Marco Penzel

Duma Tau, Linyanti, 08.12.2015

Das großzügige, über zwei Ebenen schick gestaltete Zimmer meines Zeltchalets im Duma Tau Camp bietet einen wunderbaren Blick auf den Linyanti - auch vom riesigen Bett aus. Dieses Fluss-System im Norden Botswanas, an der Grenze zu Namibia, ist nicht leicht zu verstehen. Je nachdem, wo man sich befindet, hat es einen anderen Namen. Weiter westlich ist es der Kwando, hier der Linyanti, und weiter flussabwärts heißt der Fluss mit seinen saisonal überfluteten Ebenen dann Chobe. Und dieser wiederum kann in zwei Richtungen fließen. Jetzt, kurz nach der Trockenzeit, bewegt sich das Wasser in Richtung Osten und fließt in den Sambesi. Wenn der Sambesi aber viel Wasser führt, drückt er es in den Chobe zurück, und das Wasser fließt in die andere Richtung. So oder so ist es eine wichtige Lebensader in dieser tierreichen Landschaft. Hier liegt ein privates Schutzgebiet, in dem Wilderness Safaris die Lodges Duma Tau, Kings Pool, Linyanti Tented Camp und Savuti Camp betreibt.

Das Savuti Camp liegt am Savuti Channel, der lange trocken war, einige Jahre lang Wasser führte und nun erneut langsam auszutrocknen scheint. Hier in Linyanti, wo der natürliche Kanal beginnt, führt er jetzt, Ende 2015, noch etwas Wasser. Vor einigen Tagen waren wir im Savuti-Gebiet, das im Südwesten des Chobe Nationalparks liegt. Dort ist der Kanal bereits trocken.

Durch das Kommen und Gehen des Wassers stehen die Lebensräume in einem ständigen Wandel. Langweilig wird es nicht. Auch nicht auf unserer Pirschfahrt heute Abend. Nas, unser Guide, bekommt einen Funkspruch von seinen Kollegen, die gerade eine Leopardenspur verfolgen. Da fahren wir hin, sind wir uns schnell einig. Unterwegs sehen wir eine große Zahl von Geiern am Himmel kreisen. Haben Löwen hier gerade Beute gemacht? Nas will nachsehen und biegt vom Weg ab. In einem privaten Konzessionsgebiet ist Offroad-Fahren erlaubt. Mit angestrengten Blicken suchen wir das Buschwerk und die kleinen Lichtungen rechts und links unserer Route ab.

Löwen oder gar ein Riss sind nicht zu entdecken. Dafür taucht plötzlich etwa 50 Meter vor unserem Fahrzeug ein Afrikanischer Wildhund auf. Die Tiere sind vom Aussterben bedroht und normalerweise nur sehr selten zu sehen. Auf meiner Botswana-Reise ist es nun schon das dritte Wildhund-Rudel, dem ich begegne. Die Begeisterung lässt dadurch nicht nach. Ein Tier nach dem anderen kommt aus dem Gebüsch gelaufen, schaut sich um, und läuft weiter zum Flussbett, das von uns liegt. Viel Wasser führt es nicht. Als die Hunde es überqueren, können wir ihnen dennoch nicht so einfach folgen. Das Auto droht im Schlamm stecken zu bleiben. Nas setzt zurück und dreht um. Die Hunde laufen flussabwärts, wir müssen erst einmal in die andere Richtung, bis wir nach einem halben Kilometer endlich die Brücke erreichen.

Polternd fährt unser Land Cruiser über die Holzbohlen, dann geht es auf der anderen Seite am Fluss entlang, und zwar mit Karacho. Wir zwei Passagiere müssen uns immer wieder tief ducken, wenn die Äste der Büsche in den offenen Wagen schlagen. Allzu viel Weg ist nicht auszumachen, manchmal zeigt eine Spur an, dass hier früher schon mal ein Auto gefahren ist. Es geht über Stock und Stein. Die Bodenwellen lassen uns auf den Sitzen hin und her hüpfen. „African massage“, lacht unser Guide. Wir haben Spaß. Und plötzlich sind die Wildhunde wieder in Sicht. Vier Tiere liegen im Gras. Zwei andere näheren sich aus größerer Entfernung. Sie legen die Ohren an. „Wenn sie zu einem fremden Rudel gehören, gibt es gleich einen Kampf, wenn nicht, eine innige Begrüßung“, erklärt Nas. Wir sind gespannt. Die Hunde kennen sich und feiern mit piepsigen Jaultönen und heftigen Umarmungen ihr Wiedersehen. Längst ist die Sonne untergegangen. Das Licht reicht nicht mehr, um diese Szenen zu fotografieren. Ich habe die Kamera schon verpackt und genieße einfach die Szenerie mit zwei Augen anstelle von einem angestrengten Blick durch den Sucher. Vielleicht sollte man das öfters mal machen.

Die guten Vorsätze werfe ich am nächsten Morgen wieder über Bord. Eine Stunde lang setze ich die Kamera kaum vom Auge ab. Auf dem Weg nach Kings Pool machen wir Station an einer Kolonie von Karminspinten. Die Vögel mit ihrem prächtigen roten Federkleid nisten hier in Erdhöhlen, die sie in den flachen Boden graben. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Und es ist schwierig, die schnell fliegenden Tiere in einem guten Bild einzufangen. Die Karminspinte sind übrigens nicht das ganze Jahr über hier anzutreffen. Sie sind nur jetzt im Sommermonat Dezember in Linyanti zu Gast. Da habe ich also Glück.

Kings Pool hat einen Foto-Unterstand, von dem man Elefanten und andere Tiere am Wasserloch aus der Froschperspektive fotografieren kann. Um diesen zu nutzen, hätte ich in der Trockenzeit von Juni bis Oktober kommen sollen. Der Unterstand, im Englischen Hide genannt, steht zwar auch jetzt zur Verfügung. Aber das Wasserloch davor ist verwaist. Zum Beginn der Regenzeit gibt es viele andere Wasserstellen. In der Trockenzeit dagegen ist es einer der ganz wenigen Anlaufpunkte, weil er von einer Pumpe gespeist wird.

In Kings Pool bin ich zum Frühstück eingeladen. Während Duma Tau und Savuti Camp zur Classic-Kategorie von Wilderness Safaris zählen, ist Kings Pool ein Premier Camp. Das bedeutet unter anderem eine größere Auswahl von feinen Weinen zum Abendessen, noch mehr Aufwand in der hochklassigen Küche und noch größere Zimmer. Sie setzen sich in einer privaten Terrasse fort, auf der es einen kleinen Pool gibt. Unter einem Schattendach lädt ein Tagesbett zum Dösen in der Mittagshitze ein. Für meinen persönlichen Geschmack erscheint mit die Einrichtung der Zimmer in Kings Pool etwas zu dunkel, zu antiquiert. Ich bevorzuge die hellere, modernere Gestaltung von Duma Tau, auch wenn dort nicht jedes Zeltchalet einen privaten Pool hat. Es gibt natürlich auch in Duma Tau einen Pool für die gesamte Lodge. Um den einzelnen Zeltchalets genügend Privatsphäre zu bieten, sind sie in größerem Abstand zueinander gebaut. Ich wohnte in Nummer 1 am einen Ende, der Pool befand sich am äußersten anderen Ende des Camps. Dazwischen liegen etwa 800 Meter Fußweg.

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