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Kanutour auf dem Lake Duluti
Ein wesentlich kleineres Exemplar ist der Lake Duluti. Ebenfalls eine Caldera, hat sich sein Krater im Laufe der Jahrtausende mit Wasser gefüllt. An seiner tiefsten Stelle ist er deshalb rund 700 Meter tief (zum Vergleich: Die größte Tiefe im Loch Ness in Schottland beträgt nur 200 Meter, durchschnittliche Badeseen bringen es auf 4-10 Meter Tiefe). Vom Grund dieses Sees kann mal also nichts wieder heraufholen. Das Wasser ist sehr sauber und wird von einem Zufluss gespeist. Der Wald rund um den See ist ein Naturschutzgebiet, auf einer Schilfinsel brüten viele verschiedene Vogelarten. An klaren Tagen hat man einen herrlichen Blick auf den Mt Meru. Heute hüllt er sich leider in einen Dunstschleier und Schäfchenwolken. James, mein Fahrer, meistert die bucklige Zufahrt zum See im Schritttempo. Wir kommen an einer Serena Lodge vorbei, die hier exklusiv ein Stück des Schutzgebietes nutzen darf. Vor Ort werde ich von meinem Kanu-Guide begrüßt und mit einer Schwimmweste ausgestattet. Natürlich bekomme ich die obligatorischen Fragen gestellt. Ja, ich kann schwimmen. Nein, ich habe keine Angst vor großen Tiefen.
Der See ist nicht besonders groß und Sportkanuten würden ihn binnen weniger Minuten umrunden, aber darum geht es bei der Tour nicht. Kanufahren bietet eine ganz andere Perspektive, denn man sitzt auf Wasserspiegelniveau, und wenn man nicht paddelt, bewegt sich das Boot praktisch geräuschlos. Wir gleiten am bewaldeten Ufer entlang und kommen so der Tierwelt ganz nahe. Die großen, langhalsigen Kormorane sitzen mit ausgebreiteten Flügeln auf Ästen im Wasser und trocknen ihr Gefieder. Sie lassen sich dabei nicht stören. Im See gibt es Fische, und die Kormorane haben immer einen gedeckten Tisch vor dem Schnabel. Sehr viel scheuer ist dagegen ein kleiner Malachit-Eisvogel, der immer in dem Moment, in dem ich den Kameraauslöser betätigen will, davonflattert. Diese kleinen bunten Vögel sind so hübsch. In den Bäumen am Ufer turnen Meerkatzen herum und lugen durch das dichte Blattwerk. Auf einem dicken Ast liegt ein rund 1,50 Meter großer Waran in der Sonne. Mit seiner grün-gelben Tarnfärbung ist er von weitem fast nicht zu erkennen, bei näherem Hinsehen aber eine sehr imposante Erscheinung mit seinem dreieckigen Kopf, den Krallen an den Füßen und dem dicken langen Schwanz. Warane leben von Fischen, kleinen Wirbeltieren oder auch von Aas. Sie sind giftig und auch wenn sie als sehr intelligente Tiere gelten, möchte ich so eine Echse nicht als Haustier haben. Wir überlassen den Waran seinem Sonnenbad und gleiten weiter entlang der Schilfinsel, die für zahlreiche Vogelarten eine geschützte Brutstätte bildet. In den langen Schilf- und Papyrusstauden haben Webervögel ihre Nester gebaut. Überall zwitschert es.
In die beschauliche Ruhe mischt sich Gebetsgesang. Der Guide erklärt, dass sich unweit oberhalb der Waldes am Ufer eine Höhle befindet, die von einer religiösen Gemeinschaft als Pilgerort genutzt wird. Der Schall ihres Singsangs wird durch die Wasseroberfläche verstärkt und ist deshalb hier so deutlich zu hören, auch wenn Höhle selbst nicht zu sehen ist. Nach rund eineinhalb Stunden haben wir den See umrundet und sind dabei nicht mal nass geworden. Baden ist hier übrigens nur an einer bestimmten Stelle erlaubt, trotzdem kommen die Einheimischen gern hierher, denn es gibt einen "Biergarten" mit einer Wiese, wo man picknicken und die herrliche Aussicht auf den See genießen kann. Die Idylle ist jedoch bedroht, denn die wachsende Stadt Arusha benötigt immer mehr Trinkwasser und plant, den See für die Wasserversorgung zu nutzen. Der Wasserspiegel würde dann dramatisch sinken. James hat geduldig auf mich gewartet. Normalerweise würden wir nun weiter zum Mittagessen fahren und dann noch einen lokalen Markt besuchen. Der findet aber heute nicht statt, deshalb kehren wir zur Lodge zurück und ich esse dort einen sehr leckeren gefüllten Burrito mit viel Käse.
Nun heißt es Abschied nehmen von Tansania. Auf dem Weg zum Kilimanjaro Airport sehe ich ihn doch noch - den Kilimanjaro. Auf der kenianischen Seite in Amboseli auf hatte er sich vor ein paar Tagen noch in dicke Wolken gehüllt. Ganz schemenhaft steht er nun in zartrosa da wie ein riesiges Aquarell, von der untergehenden Sonne angeleuchtet. Ich bin von dem Anblick ganz überwältigt und habe das Gefühl, ein Abschiedsgeschenk zu erhalten, dass mir sagt, ich solle bald wiederkommen.Ich werde auf jeden Fall wiederkommen, versprochen!
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