Die große Tierwanderung in der Massai Mara

von Susanne Schlesinger

Die große Tierwanderung (auch Great Migration genannt), ist sicher eins der faszinierendsten Naturschauspiele Afrikas und ein Hauptgrund für viele Kunden, nach Tansania und Kenia zu reisen. 1,2 Millionen Gnus und 600.000 Zebras sind unterwegs auf einer kreisförmigen Route von der südlichen Serengeti hinauf in den Norden der Massai Mara und wieder zurück. Die Zeiten werden von den Regen- und Trockenzeiten bestimmt, die abwechselnd für üppiges Grün oder verdorrte Flächen sorgen.

In diesem Jahr wanderten die Herden bereits sehr früh nach Norden und die ersten waren deshalb schon Anfang Juli in der Massai Mara anzutreffen. Ich hatte bei meiner Keniareise deshalb nicht nur das Glück, die Herden bei einer Pirschfahrt und vom Ballon aus zu sehen, sondern es war sogar möglich, ein Rivercrossing, also die Überquerung des Mara Flusses mit anzusehen. Ein überwältigendes Schauspiel!

Viele stellen sich die Wanderung als eine einzige kompakte Bewegung vor, bei der eine riesige Herde gedrängt über die Savanne zieht. Das ist jedoch nicht so. Die Gnus und Zebras sind in vielen kleineren Herdenverbänden unterwegs und ziehen auf verschiedenen Routen über einen großen Korridor der Serengeti und Massai Mara verteilt in nördliche oder südliche Richtung. Dabei weiden sie die Savanne ab. Die Gnus fressen die hohen, die Zebras die kurzen Gräser. Es wird so lange auf einer Stelle gerastet, bis das Futter erschöpft ist, dann zieht die Herde ein Stück weiter und macht erneut eine Pause.

Dabei ziehen nicht alle Herden gleichzeitig los, sondern über einen gewissen Zeitraum. Je nachdem, wann genau die Jungtiere geboren werden und wann die Trockenzeit in der südlichen Serengeti beginnt, richtet sich der Aufbruch. Da es oft punktuell stark regnet, können einzelne Herden oft mehrere Tage oder Wochen länger in einem Gebiet bleiben, während die anderen schon losgezogen sind.Da die Trockenzeit in der Serengeti in diesem Jahr früh begann, waren die ersten Herden bereits Ende Juni/Anfang Juli in der Massai Mara anzutreffen, während die letzten noch in der mittleren Serengeti weideten.

Bei einer Ballonfahrt ist es von oben sehr gut zu sehen. Wo gestern eine große Herde stand, ist heute nur noch ein leeres, abgegrastes Gebiet. Oft ziehen lange Prozessionen einzeln hintereinander laufender Tiere, dann wiederum galoppieren die Gnus und Zebras wild ein Stück und bleiben Sekunden später wieder ruckartig stehen. Es wird kurz darauf wieder friedlich weiter gegrast. Einen Grund dafür gibt es scheinbar nicht. Die Tiere sind stark herdenorientiert, oft erschreckt sich ein Tier oder wittert eine Gefahr und alle anderen laufen mit. Dieser Herdentrieb hat noch einen weiteren Vorteil. Die Raubkatzen, die gern separat stehende Tiere jagen, trauen sich an eine Herde mit vielen spitzen Hörnern nicht heran. Apropos Hörner: Unser Fahrer und Guide James erklärt, dass sich das Alter der Jungtiere an der Länge und Krümmung der Hörner ablesen lässt. Die kleinen Gnus, die wir sehen, sind zwischen vier und sechs Monate alt - ihre Hörner wachsen noch gerade nach oben.

Besonders deutlich wird der Herdenzusammenhalt bei der Überquerung eines Flusses. Häufig dauert es mehrere Stunden oder sogar Tage, bis der Treck sich in Bewegung setzt und den Weg durch das Wasser antritt. Besonders vorsichtig sind dabei die Zebras. Von Natur aus sehr nervös und scheu, beobachten Sie den Fluss sehr genau und wägen das Risiko ab. Liegen Krokodile am Ufer oder im seichten Uferwasser? Ist die Stelle sehr tief, so dass die kleineren Jungtiere eventuell ertrinken könnten? Sind Raubkatzen in der Nähe? All das sondieren die Leittiere, bis sich einzelne Gruppen zur Überquerung entschließen. Ist ein Teil der Herde am anderen Ufer angelangt, kommunizieren die Tiere miteinander, sie "rufen" sich.Die Jungtiere, die im Februar in der südlichen Serengeti geboren wurden und nun schon Hunderte von Kilometern gewandert sind, müssen große Sprünge machen, um durch das Wasser zu kommen. Die lauernden Krokodile erbeuten sie besonders leicht.

Ein Gnu kann bis zu 20 Jahre alt werden und den kompletten Wanderzyklus einmal pro Jahr zurück legen. In älteren Jahren werden die Tiere jedoch häufiger Opfer der Raubtiere. Einige werden auch sesshaft und wandern nicht mehr, sondern bleiben in Regionen mit ganzjähriger Wasser- und Futterversorgung. Kleinere Herden sind deshalb auch in anderen Nationalparks anzutreffen.River Crossings lassen sich in den Monaten Mai-Juni im westlichen Teil der Serengeti am Grumeti-Fluss oder von Juli bis Oktober in der nördlichen Serengeti und Massai Mara am Talek und Mara-Fluss beobachten. Glück gehört natürlich trotzdem dazu. Die Lodges in den Gegenden sind zu dieser Zeit gut ausgebucht. Allein wird deshalb kaum ein Beobachter sein, aber beeindruckend ist es auch, wenn das River-Crossing mit mehreren anderen Pirschfahrzeugen teilen zu müssen.Auf unserer Internetseite www.gnu-finder.de können Sie dem Weg der Großen Tierwanderung virtuell folgen und die perfekte Reise für Ihren gewünschten Zeitraum finden.

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