Giraffe Centre Nairobi

von Susanne Schlesinger

Nairobi, 30. Juni 2014

Nairobis Hauptattraktionen sind fast alle im Stadtteil Karen versammelt. So ist es vom Sheldrick-Elefantenwaisenhaus im Nairobi Nationalpark ist es nicht weit zum Giraffe Centre. Das Centre wurde 1979 von Jock Leslie-Melville und seiner Frau Betty, Nachfahren schottischer Landadeliger, als private Aufzuchtstation der vom Aussterben bedrohten Rothschild-Giraffen gegründet, die nur in wenigen Regionen Kenias vorkommen. Fünf Jahre zuvor hatten sie ein heruntergekommendes Herrenhaus mit rund 6 Hektar Land in Nairobis Stadtteil Langatta erworben, der an Karen angrenzt. Das Centre wird heute vom "African Fund for Endangered Wildlife Kenya Ltd" (AFEW) betrieben.

Rund 50 Rothschildgiraffen wurden in den Jahren aufgezogen. Da das Gelände nur begrenzten Lebensraum bietet, werden viele der Tiere in geschützte Gebiete rund um den Lake Nakuru und im Samburu-Wildreservat ausgewildert, da sie hier auch in der freien Wildbahn vorkommen. Das geschieht im Alter von zwei Jahren, wenn die Giraffenkälber unabhängig werden. Die "Residenz"-Giraffen und die jüngeren Giraffenkinder genießen auf dem Areal ein sehr angenehmes Leben.

Nach Gründung der Aufzuchtstation kam man auf die Idee, ein Gebäude mit einer erhöhten Terrasse zu errichten, so dass die Besucher auf Giraffenkopfhöhe stehen und die Giraffen mit Spezialpellets füttern können. Ganz Wagemutige können sogar einen "Giraffenkuss" bekommen, was zugegeben etwas eklig ist. Giraffenspeichel soll desinfizierend sein, aber deshalb muss man ihn ja nicht im ganzen Gesicht haben. Mir reicht es schon, die Pellets aus der Hand fressen und mich von der langen Zunge kitzeln zu lassen. Der Kopf ist wirklich riesig und die Augen der Giraffe mit den langen Wimpern wunderschön.

Ibrahim ist ein junger Giraffenbulle - man erkennt es an den abgeschubberten Hörnern. Als echter "Rothschild" hat er noch ein weiteres, kleineres Hörnerpaar, den typischen Hubbel auf der Stirn sowie weiße Strümpfe und Ohren. Eine Schar Warzenschweine grunzt zwischen den Beinen der Giraffen herum und kümmert sich um die herunter gefallenen Pellets.

Das "Giraffe Manor" kann man von hier aus nicht sehen, es ist hinter den Bäumen verborgen. Das ehemalige Wohnhaus der Leslie-Melvilles ist heute ein exklusives kleines Hotel mit Giraffen-Anschluss. Die eleganten Langhälse kommen ohne Zaun bis an das Gebäude und haben schnell gelernt, dass es auch hier Leckerlis gibt, wenn sie den Kopf durch das Fenster stecken. Wer dies erleben will, muss allerdings tief in die Tasche greifen. Zimmer sind in der Nebensaison ab 550 US-Dollar aufwärts pro Nacht zu haben.

Ann, eine junge Angestellte des Giraffe Centres, lädt zu einer kleinen Präsentation ins Innere des Holzgebäudes ein, wo sich auch Infotafeln in einer kleinen Ausstellung befinden. Sie erzählt uns etwas über die verschiedenen Giraffenarten und die Regionen, in denen sie vorkommen und reicht einen Wirbel-, Kiefer- und Oberschenkelknochen herum, die alle ein beeindruckendes Gewicht und Größe haben.

Auf Wunsch einiger Besucher führt Ann, vermutlich zum zehnten Mal an diesem Tag, den Giraffenkuss vor und die Kameras klicken.Ich komme mit ihr ins Gespräch und frage sie, ob sie ihren Job mag. Sie sagt, für eine Weile sei es ok, aber sie würde gern in der Touristikbranche, in einer Lodge oder einem Hotel arbeiten, gern auch im Ausland, um noch eine Fremdsprache zu lernen. So wie ihr geht es vielen jungen Kenianern - sie halten sich mit solchen Jobs über Wasser und sind froh, überhaupt Arbeit zu haben. Auch in den anderen Sehenswürdigkeiten wie dem Karen Blixen-Museum und dem National Museum gibt es sehr viele gebildete junge Leute, die auf eine Chance warten, etwas aus ihrem Leben zu machen.

Ann zeigt mir noch einige Schildkröten und verabschiedet sich dann, denn die nächsten Besucher warten schon. Ich drehe noch eine Runde im Souvenirladen, wo es natürlich Giraffen in allen Formen und Größen gibt. Wer mehr Zeit mitbringt, kann noch einen Spaziergang im benachbarten Nature Sanctuary unternehmen, wo es einen rund 1,5 Kilometer langen Pfad gibt, der durch Buschland entlang des saisonal austrockenden Gogo-Flusses führt. Hier kann man zahlreiche bunte Vögel und viele Blumen und Pflanzen sehen.

Zeit zum Mittagessen im "Karen Blixen Coffee Garden", der nur fünf Minuten von hier entfernt ist. Das Giraffe Centre lässt sich problemlos in eine Tagestour zusammen mit dem Elefantenwaisenhaus, dem Karen Blixen-Museum und der Kazuri Bead Factory verbinden.

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