Patenbesuch im Sheldrick Wildlife Trust

von Susanne Schlesinger

Nairobi, 5. Juli 2014

Wer die Patenschaft für einen der kleinen Elefanten im Waisenhaus des Sheldrick Wildlife Trusts übernimmt, hat die Möglichkeit, das Patenkind am späten Nachmittag bei einem exklusiven Schäferstündchen ins Bett zu bringen. Eine Voranmeldung ist erforderlich, der Eintritt jedoch frei. Ein richtiger Geheimtipp ist es leider nicht mehr, trotzdem sind es weit weniger Besucher im Vergleich zu offiziellen Stunde am Vormittag, wo auch viele Schulklassen kommen.


Mit uns warten rund 15 andere Paten am Eingang. Teilweise haben sie erst heute morgen ein Elefantenkind adoptiert und sind nachmittags gleich noch einmal zum Sheldrick Trust zurück gekehrt. Das bietet sich an, denn man kann (wie ich vor einigen Tagen) die Zwischenzeit gut mit einem Besuch im benachbarten Giraffencenter, dem Karen Blixen Museum und den dazu gehörenden Coffee Gardens, der Kazuri Bead Factory oder auch einem Besuch der Tierauffangstation des KWS (Kenya Wildlife Service) ausfüllen, ohne den Stadtteil Karen verlassen zu müssen.

Für Unterhaltung bis zum Einlass sorgt eine Truppe Warzenschweine, die den Rummel sichtbar entspannt genießen und sich gern auch aus der Nähe fotografieren lassen. Um 17.00 Uhr geht es los, zuerst zu Maxwells Gehege. Das blinde Spitzmaulnashorn kennt die Geräusche der Besucher schon und lässt sich beim Abendbrot nicht weiter stören. Solio, das andere Nashorn, kommt ab und zu vorbei und wir sollen uns ruhig verhalten, wenn sie wirklich auf dem Gelände auftauchen sollte. Sie verkehrt seit einiger Zeit auch mit den wilden Nashörnern des Nationalparks und ist dort bereits integriert. Gelegentlich schaut sie jedoch vorbei, um den Garten der Sheldricks neu zu gestalten oder ihren Kumpel Maxwell zu besuchen.

Die vier kleinsten Elefanten, Ashaka, Kauro, Mbegu und Kamok, sind schon im Bett. Die anderen kommen in zwei Gruppen aus dem Busch. Man hört sie schon von weitem. Ganz dicht laufen sie an den Besuchern vorbei direkt zu den Ställen, wo die Milchflaschen auf sie warten. Nur zwei trotten hinter den zwei Pflegern hinterher und haben es nicht eilig. Jeder der kleinen Elefanten kennt sein Gehege genau und es ist kein Problem, sie hinein zu bekommen.

Nachdem alle Elefanten ihre "Kinderzimmer" für die Nacht bezogen haben, dürfen die Paten zu den einzelnen Gehegen. Hier kommt man den kleinen Elefanten ganz nahe und kann schöne Fotos machen. Die Elefanten stört es nicht, dass die Kameras auf sie gerichtet werden. Manche finden es ganz lustig, mit den Besuchern zu spielen und strecken den Rüssel durch die Gitterstäbe oder laufen nahe am Tor vorbei, so dass man ihren Rücken oder ihre Ohren streicheln kann. Einige ziehen Wasser aus aus den Bottichen vor den Gehegen und treiben Schabernack damit.Bei den kleineren sind die Pfleger bereits mit im Stall und machen sich bereit für die Nacht. Sie sind sehr nett, beantworten die vielen Fragen und nehmen sogar die Kamera, um Nahaufnahmen von ihren Schützlingen zu machen. Die ganz Kleinen liegen schlafend unter einer Decke, andere spielen im Stall noch Fußball oder kuscheln mit den Pflegern. Sie können die Männer am Aussehen und am Geruch unterscheiden und haben viel Vertrauen. Viele der Paten haben nach diesem rührenden Anblick sicher gleich noch mehr Elefanten ins Herz geschlossen und schließen weitere Patenschaften ab.

 

20 kleine Elefanten sind derzeit im Waisenhaus. Einige Gehege stehen im Moment leer und warten auf neue Findelkinder. In den letzten Wochen wurden mehrere der größeren Elefanten in die Außenstationen umgesiedelt, wo sie langsam an das Leben in der Wildnis gewöhnt werden. Auch unser Büropatenkind Lima Lima und mein privates Patenkind Quanza sind vor kurzem in eine neue Station in Umani Springs im Chuyu Hills Nationalpark umgezogen. Hier werden sie irgendwann mit den anderen Elefanten eine eigene Herde bilden oder sich einer wilden Herde anschließen können. Ich schaue mich nach neuen Patenkindern für uns um und entscheide mich für Kauro und Lemoyian.Kauro wurde in der Sera Conservancy (Samburu) in einem Wasserloch gefunden. Offenbar wurde er von Raubtieren angegriffen, denn ihm fehlt das Rüsselende mit den „Fingern“ und er hatte mehrere Wunden am Rüssel, die sehr schmerzhaft waren. Mit nur einem Monat war er wirklich winzig und bei den kleinen Elefanten, die noch keine Zähne haben, können viele Komplikationen auftreten. Kauro ist ein zäher kleiner Bursche und hat die kritische Zeit gut überstanden. Er hat sich mittlerweile gut im Elefantenwaisenhaus eingelebt.

Lemoyian wurde ebenfalls in einem Wasserloch im Amboseli Nationalpark nahe der tansanischen Grenze gefunden. Er ist schon etwas älter als Kauro und ein sehr freundlicher kleiner Elefant, der uns gleich seinen Rüssel entgegen reckt und ganz neugierig an uns herumtastet.Nach rund einer Stunde, die wie im Flug vergangen ist, ist die Besuchszeit vorbei und die Paten verlassen das Gelände. Für uns geht es weiter zum nahe gelegenen Carnivore Restaurant und morgen in den Amboseli-Nationalpark, der für seine großen Elefantenherden berühmt ist. Für die kleinen Elefanten beginnt morgen wieder ein aufregender neuer Tag im Busch und neue Besucher werden entzückt von ihnen sein.

Der Patenbesuch ist ab 2015 bereits im Reiseverlauf der Reise "Tansania-Kenia: Die Große Tierwanderung" am 9. Tag enthalten. (Die Reise beginnt im kommenden Jahr in Tansania und nicht wie in diesem Jahr in Kenia).

3 Kommentare

Stefan

10.09.2014 um 20:10

Liebe Susanne,

habe etwas gestöbert und bin in der Mediathek der ARD fündig geworden:
http://www.ardmediathek.de/tv/Quarks-Co/Quarks-und-Co-Die-Natur-im-Waisenhaus/WDR-Fernsehen/Video?documentId=16009988&bcastId=7450356

Susanne

08.09.2014 um 08:41

Lieber Stefan, danke für den Hinweis. Leider kann man die Doku nicht in der Mediathek sehen :-(
Ich hätte es auch gern an das Sheldrickbüro geschickt, die freuen sich auch immer darüber, ihre früheren Schützlinge nochmal zu sehen.
Auf jeden Fall war es sehr beeindruckend - vor allem der zweite Teil, der die Auswilderungsstation im Tsavo NP zeigt. Vielleicht wird es auf dem HR oder einem anderen dritten Programm demnächst nochmals gezeigt.

Stefan

06.09.2014 um 16:12

Am 06.09.2014 kommt im Hessischen Rundfunk (HR fernsehen) um 20:15 Uhr eine Dokumentation über das Waisenhaus für Elefanten im Nairobi Nationalpark.