The David Sheldrick Wildlife Trust, das Elefantenwaisenhaus von Nairobi

von Svenja Penzel

"Sind die süß!", entfährt es mir unwillkürlich, und durch die Zuschauer geht ein Murmeln, als die Pfleger in ihren grünen Kitteln die Elefantenkinder zum Fütterungsplatz bringen. Die beiden, die die Prozession anführen, sind die kleinsten, und sie reichen den Pflegern gerade einmal bis zur Hüfte. Baby-Elefanten, erst wenige Monate alt, ganz aus der Nähe. Auch die nachfolgenden Tiere, 18 insgesamt, sind Kinder, kaum älter als zwei Jahre. Und doch haben sie in ihrem jungen Leben schon viel Schlimmes erfahren. Waisen sind sie alle, die meisten von ihnen wurden durch Wilderer zu Waisen gemacht, die ihre Mütter auf dem Gewissen haben, des Elfenbeins wegen. Gierig strecken sie nun ihre kleinen Rüssel aus nach den ersehnten Milchflaschen, mit denen die Pfleger sie füttern. Ein Ersatz für die Muttermilch, die sie nicht mehr bekommen können und doch so dringend brauchen.

Ich bin im David Sheldrick Wildlife Trust, dem berühmten Elefantenwaisenhaus von Nairobi. Die bereits hochbetagte Daphne Sheldrick und ihr Team haben hier mit viel Liebe und Hingabe einen Zufluchtsort für verlassene, verstoßene, verwaiste und allein umherirrende, manchmal schon sehr geschwächte Elefantenkinder geschaffen. Zum Team von Sheldrick gehören Tierärzte und Hubschrauberpiloten, die herbeigerufen werden, wenn irgendwo im Land ein kleiner Elefant in einer desolaten Lage aufgefunden wird. Aus Amboseli und aus Tsavo kommen besonders viele. Jeden Tag um 11 Uhr öffnet das Elefantenwaisenhaus seine Pforten für Besucher, und heute bin ich einer von ihnen und stehe an der Absperrung, die nur aus einem Tau besteht, zwischen Touristen aus aller Welt und zwei oder drei kenianischen Schulklassen. Die kleinen Elefanten kommen so nah an das Tau, dass man sie streicheln kann und auch darf. Man sieht, wie die traumatisierten Tiere die Nähe ihrer Pfleger suchen, sich zu ihnen drängen. Die Pfleger streicheln ihre Rüssel und stecken ihnen fürsorglich die Hand ins Maul. Nachts schlafen die Pfleger sogar mit ihnen in den Ställen, denn für die Kleinen ist die Bezugsperson noch sehr wichtig. Etwa drei Jahre lang bleiben die Jungtiere in der Obhut des Trusts in Nairobi, dann werden sie in die Auswilderungsstation im Tsavo-Nationalpark verlegt, wo sie sich allmählich an das unabhängige, eigenständige Leben im Busch gewöhnen, bis sie sich schließlich frei lebenden Herden anschließen. Dieser zweite Prozess dauert mindestens fünf Jahre.

Edwin, der Manager, steht jenseits des Taus zwischen den Elefanten und berichtet über Mikrofon von der Arbeit des Trusts, von der Versorgung der Elefanten mit allem, was sie brauchen, von dem Geld, das das alles kostet und davon, dass der Trust nur von Spenden lebt. Diese Spenden kommen durch Elefantenpatenschaften herein, wie wir sie zum Beispiel für unsere Kunden abschließen, die eine Kenia-Reise bei uns buchen. Alle Tiere haben Namen, und zu jedem Namen gibt es eine schicksalhafte Geschichte, die Edwin kurz erzählt. Nachdem die Gruppe der jüngeren Elefanten wieder in der Buschlandschaft des Nairobi Nationalparks verschwunden ist, kommt die etwas ältere Gruppe der Zwei- bis Dreijährigen. Viele dieser 13 "Halbstarken" können ihre Milchflasche schon selbst mit dem Rüssel halten, einige gehen auch sofort auf das Wasserfass zu und trinken dort. Danach knabbern sie mit Hingabe an Zweigen mit grünen Blättern, die die Pfleger ihnen hingelegt haben. Auch diese Tiere werden alle namentlich genannt.

Unser Patenkind Lima Lima ist darunter, das noch vor einem Jahr so ausgemergelt aussah und nun eine gute Figur macht. Manche dieser Tiere stehen kurz vor der Verlegung nach Tsavo. Ich wünsche ihnen Glück und noch ein langes Leben.

2 Kommentare

Susanne

07.01.2015 um 16:14

Liebe Kerstin,
wir geben das gern an den Sheldrick Trust weiter. Ich habe Kauro im Juli kennen gelernt (hier mein Reisebericht) und wir werden für ihn auch eine Patenschaft abschließen. Er ist wirklich ein sehr tapferer kleiner Kerl, der trotz seines fehlenden Rüsselendes ganz vergnügt spielt und die Welt erkundet. Er und die anderen drei (jetzt mehr) ganz jungen Elefanten sind so winzig und es ist fast ein Wunder, dass sie überlebt haben, wachsen und gedeihen. Die Mitarbeiter des Sheldrick-Waisenhauses leisten wirklich großartige Arbeit und kümmern sich so sehr um die kleinen Elefanten - sie sind fast wie ihre Kinder. Kauro wird sicher noch eine Weile in der Obhut des Waisenhauses bleiben und ein Besuch dort ist wirklich ein ganz besonderes und berührendes Erlebnis. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.

kerstin nausedat

07.01.2015 um 15:55

ich bin patin von kauro , er wird im januar 2015 jetzt 1 jahr alt , gebt ihm doch bitte zum geburtstag etwas leckeres zum naschen und einen dicken kuss von mir , ich denke an ihn viele grüsse aus deutschland kerstin