Mit Tusk & Mane am Sambesi

von Marco Penzel


Chula Island, Lower Zambezi NP, 10. Oktober 2019

Die Cessna Caravan landet auf dem Jeki Airstrip mitten im Lower Zambezi Nationalpark, Sambia. Von hier ist es nicht weit bis zum Chula Island Camp von Tusk & Mane Safaris. Doch wir benötigen noch zwei weitere Verkehrsmittel und insgesamt etwa eine halbe Stunde Fahrzeit. Zunächst geht die Fahrt im offenen Geländewagen durch einen lichten Wald aus Anabäumen bis ans Ufer des Sambesi. Dann steigen wir um in ein kleines Motorboot. Das landet schließlich am sandigen, hier und da mit Gras bewachsenen Ufer des breiten Flusses an. „Willkommen auf unserer Insel Chula“, verkündet der Guide. Nun sind es noch ein paar Schritte bis zum Camp. Dessen Zentrum bildet ein großer Esstisch, der auf Teppichen steht. Daneben ein paar Hocker sowie alte Truhen, auf denen auch die Bar aufgebaut ist. Darüber spannt sich ein großes Zeltdach, das Schatten spendet. So ähnlich müssen auch die Safari-Pioniere vor 100 Jahren kampiert haben.

Es gibt ein Dach, aber keine Seitenwände. Von einem Gebäude kann man also nicht sprechen, kaum von einem Zelt. Dafür hat man einen ungehinderten Blick auf die Natur, die das Camp umgibt. Das gilt auch für die vier Chalets, in denen die Gäste wohnen. Sie haben ein großes Zeltdach, unter dem eine quaderförmige Box aus einem eisernen Rahmen steht, der mit Moskitonetz bespannt ist. Sie bieten ausreichend Platz für ein großes Bett und ein kleines Regal mit Kleiderständer - und einen großartigen Blick Richtung Sambesi. Seitlich schließt sich ein nach oben offenes Badezimmer mit WC und Buschdusche an, das zum Sichtschutz mit einer Wand aus Riedgras umgeben ist. Die - sagen wir einmal luftigen - Zimmer stehen in größerem Abstand zueinander und sind über sandige Wege erreichbar, die am Abend von Lampen beleuchtet werden. Diese haben noch die Form wie bei den alten Entdeckern, werden aber nicht mehr mit Petroleum betrieben. Stattdessen laden Solarzellen den Akku auf, der später die LEDs mit Strom versorgt. Schließlich geht es auch um den ökologischen Fußabdruck eines Safari-Camps.

Und die Ökologie, also die Lehre davon, wie hier in der Wildnis alles mit allem zusammenspielt, das ist das große Thema von Kyle Branch, der zusammen mit seinem Geschäftspartner Luke Evans das Safariunternehmen Tusk & Mane gegründet hat. Mit Kyle entdecken wir bei einer Pirschfahrt Löwen, die ein Warzenschwein erlegt haben. Unglücklicherweise liegt die Beute unter einem Akazienbaum, an dessen Früchten Elefanten Interesse haben. Die Dickhäuter verscheuchen die Katzen für eine Weile. Doch es geht nicht nur um große Tiere. Jetzt bei der Fahrt und später bei einer Wanderung durch den Busch weiß Kyle faszinierende Geschichten über diverse Vögel zu berichten, und selbst zu den Tsetse-Fliegen lernt man bei ihm noch etwas Neues. Deren Bisse sind lästig, aber für Menschen kaum mehr gefährlich. An Rinder können sie allerdings noch Krankheiten übertragen. Die unter Safari-Gästen wohl unbeliebtesten Insekten sind also auch ein Grund dafür, dass Gegenden wie das untere Sambesi-Tal nicht landwirtschaftlich genutzt werden konnten und als ursprüngliche Wildnis erhalten geblieben sind.

Nur die Kanutour muss heute ausfallen. Der Wind ist zu stark. Sicherheit geht vor. Ansonsten ist eine der Spezialitäten von Tusk & Mane, die kleinen Seitenarme des Sambesi hinter Chula Island mit dem Kanu zu erkunden. Kyle nennt die Wasserwege dort „Discovery Channel“. Am Chula Camp gefällt mir besonders die Ruhe, die von keinem Auto gestört wird. Das Camp ist nur per Boot erreichbar.

Zum einige Kilometer flussabwärts gelegenen Schwester-Camp Kutali dagegen können wir fahren. Wer dort wohnt, kann also auch nach Einbruch der Dunkelheit noch auf Pirsch gehen, weil das Auto im Gegensatz zu Chula gleich am Camp parkt. Am besten kombiniert man beide Camps in einer Safari. Während das Flussufer in Chula flacher ist, liegt Kutali auf einer mit Wald bewachsenen Anhöhe, von der man einen schönen Blick auf den Sambesi hat. Ein weiterer Unterschied wird bald Geschichte sein. Kutali hatte 2019 noch ältere, kleinere Moskitonetz-Zelte, die nur wenig Platz rund ums Bett boten. Diese werden künftig durch größere Zelte nach dem Vorbild von Chula ersetzt, kündigt Kyles Geschäftspartner Luke an. Zudem plant die junge Firma noch ein drittes Camp nahe den Tafara Quellen, die in den Hügeln im Hinterland des Lower Zambezi Nationalparks entspringen. 2020 wollen Kyle und Luke zunächst Ausflüge mit mobilen Zelten in diese Gegend anbieten. Sie wird bisher kaum besucht, gilt aber als ein Ort, an dem man die seltenen Rappenantilopen antreffen kann.


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Ich berate Sie gern.

Marco Penzel, Geschäftsführer
Outback Africa Erlebnisreisen,
Telefon: 037437 538811
marco@outback-africa.de


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