Mwaleshi: Wildnis zum Eintauchen

von Marco Penzel


Mwaleshi, North Luangwa NP, 18. Oktober 2019

„Tee oder Kaffee?“, fragt der Kellner leise. „Oh, ich nehme gern eine Tasse Tee“, flüstert meine Reisebegleitung zurück. Sonst um kein angeregtes Gespräch verlegen, senkt die Frau hier ihre Stimme auf eine ungewohnt niedrige Lautstärke. Als ihr das bewusst wird, muss sie grinsen: „Irgendwie hat man Scheu, diese friedvolle Atmosphäre zu stören.“ Ich nicke zustimmend. Dabei gibt es heute gar keine anderen Gäste hier in Mwaleshi, die wir stören könnten. Das kleine Safari-Camp am Ufer des Mwaleshi-Flusses in Sambias North Luangwa Nationalpark hat vier aus trockenem Riedgras und Holz gebaute Chalets. Acht Gäste könnten also hier wohnen. Normalerweise werden höchstens sechs Gäste zur gleichen Zeit akzeptiert, erklärt unser Guide Brent. „Mit mehr Leuten ist eine Pirschwanderung schwierig.“

Und auf Safaris zu Fuß ist Mwaleshi spezialisiert. Es hat auch einen offenen Landcruiser. Doch für längere Pirschfahrten fehlt in dieser abgeschiedenen Wildnis das Wegenetz. Wir fahren nur wenige Minuten mit dem Auto. Dann steigen wir ab und ziehen unsere Schuhe und Strümpfe aus. Barfuß durchqueren wir das flache, warme Wasser des Mwaleshi. Am anderen Ufer packt Brents Kollege ein Handtuch aus seinem Rucksack, so dass wir trockenen Fußes unsere Schuhe wieder anziehen können. Dann geht es los. Vornweg läuft ein bewaffneter Ranger, dann der Guide, dann wir beiden Gäste und am Schluss ein Träger, der in seinem Rucksack noch extra Wasser und einen Erste-Hilfe-Kasten transportiert.

Wir gehen straffen Schrittes durch den Busch. Trockenes Laub knirscht unter unseren Füßen. Brent hat ein Ziel, das ist zu spüren. Er hält sich nicht auf mit den tausend Details, über die er etwas erklären könnte. Etwa, wie man die Losung von Impalas von der Hinterlassenschaft eines Hippos unterscheidet oder welchen medizinischen Nutzen viele der Pflanzen hier haben können. All das weiß unser Guide und kann es auch spannend vermitteln, wie er uns am nächsten Tag beweist. Heute noch nicht. Er verständigt sich mit dem Ranger per Handzeichen, weist auf eine Spur am Boden, die ich gar nicht wahrgenommen hätte. Dann geht es noch 50 Meter weiter bis zu einem Graben, in dem das Wasser ausgetrocknet ist.

„Hier sind wir“, sagt Brent plötzlich und zeigt in die Grasfläche vor uns. Ich sehe nichts. Er reicht mir sein Fernglas. Tatsächlich, da liegt ein Löwe! Nach einer Weile kann ich seine Mähne auch mit bloßem Auge erkennen. Weitere Mitglieder des Rudels liegen im Gras verteilt. Sie scheinen etwas zu fressen. Man hört ihr Fauchen und das Knacken von Knochen. Was genau die Löwen hier gerade verspeisen, bleibt hinter den Grasbüscheln verborgen. Jetzt steht der Löwe auf und raunt einen tiefen Brüller in unsere Richtung. „Er gibt uns zu verstehen, dass wir nicht näher kommen sollen“, erklärt Brent.

Die Löwen sind vielleicht 150 Meter entfernt. Zu weit für ein ordentliches Foto. Das Licht ist auch nicht optimal, und die Sonne steht schon tief. Wir haben noch ein, zwei Kilometer Rückweg vor uns. Dabei laufen wir immer wieder in großen Bögen, um Elefanten und Flusspferden auszuweichen. Die Hippos kommen jetzt am Abend aus dem Wasser, um zu grasen. Die Sonne ist schon untergegangen, als wir wieder den Fluss erreichen. Das Licht reicht gerade noch für einen Sundowner-Drink, während das warme Wasser unsere Füße umspült.

Beim Duschen vor dem Abendessen kann ich die Sterne über mir beobachten. Auch das Badezimmer hat Wände aus trockenem Gras, nach oben ist es offen. Auf dem festgetretenen Lehmboden sind Strohmatten ausgelegt. Ein großes Moskitonetz überspannt das Bett, um kreuchende und fleuchende Besucher abzuhalten. Das funktioniert. Ich schlafe bald ungestört ein - wenn man das Froschkonzert draußen nicht als Störung betrachtet. „Mwaleshi ist das, was wir ein anständiges Bushcamp nennen“, hatte mir mein sambischer Kollege mit auf den Weg gegeben. Jetzt weiß ich, was er meint. Safari-Anfängern, die sich noch nicht sicher sind, wie nah sie der afrikanischen Wildnis tatsächlich kommen wollen, werde ich Mwaleshi lieber nicht empfehlen. Aber für Safari-Enthusiasten, denen Komfort weniger wichtig ist als Abgeschiedenheit und das hautnahe Erlebnis fast unberührter Wildnis - für die ist Mwaleshi ein Traum.

Beim Frühstück am nächsten Morgen mit Blick auf die langsam hinter dem Busch aufsteigende Sonne, unterhalten wir uns wieder im Flüsterton. Bald brechen wir auf. Wir fahren etwas weiter mit dem Auto, um zu der Stelle zu gelangen, wo wir gestern die Löwen verlassen haben. Dort soll unsere Wanderung beginnen. Doch die Löwen machen einen Strich durch die Rechnung. Sie sind so nah, dass wir nicht aussteigen können. So verfolgen wir sie fast eine Stunde lang, bevor wir etwas weiter fahren und dann eine kürzere Wanderung unternehmen. Das war also doch eine Pirschfahrt, obwohl der Schwerpunkt in Mwaleshi sonst ganz klar auf Naturerlebnis zu Fuß liegt. Für Gäste, die lieber mit dem Auto unterwegs sind, hat Remote Africa gerade ein zweites Camp in North Luangwa eröffnet. Es heißt Takwela und liegt am Zusammenfluss von Mwaleshi und Luangwa. „Wir kommen den Löwen nicht immer so nah, oftmals sehen wir sie gar nicht“, versucht unsere Guide die Erwartungen künftiger Gäste einzudämmen.

Falsche Erwartungen gilt es auch mit Blick auf die Nashörner, die die Zoologische Gesellschaft Frankfurt hier in North Luangwa erfolgreich wieder angesiedelt hat. Obwohl Mwaleshi innerhalb des Nashornschutzgebietes liegt, werden die Rhinos nur ganz selten auch gesichtet. Die Population wächst, die Tier sind dabei, ihre Territorien zu finden. Aber das Gebiet ist einfach zu weitläufig für eine gute Chance, sie auch zu sehen.

Zurück im Camp erfrischen wir uns im Wasser. Während andere Lodges zu diesem Zweck einen Pool haben, nutzt man hier einfach den Fluss. Am Ufer stehen zwei Sonnenliegen, Handtücher liegen bereit. Das Wasser des Mwaleshi ist warm, nur wenige Zentimeter tief und klar. Für Hippos oder Krokodile ist es viel zu flach. Somit kann man hier einigermaßen gefahrlos ins Wasser gehen, sich hinlegen und vom Wasser umspülen lassen. Am anderen Ufer grasen die Puku-Antilopen friedlich in der Vormittagssonne - Mwaleshi ist einfach ein Traum!


Lust auf eine solche Safari?
Ich berate Sie gern.

Marco Penzel, Geschäftsführer
Outback Africa Erlebnisreisen,
Telefon: 037437 538811
marco@outback-africa.de


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