Kichwa Tembo, Massai Mara

von Svenja Penzel

27.10.2015
Der Flug von Samburu in die Massai Mara ist ruhig verlaufen. Die Cessna schwebt im Landeanflug über den Mara-Fluss. Dann ragen wie kleine Tupfen die hell-beigen Zeltdächer des Kichwa Tembo Camps aus dem grünen Buschland am Rand der weiten Grasebene auf. Am Airstrip steht ein offenes Fahrzeug bereit, ein kleiner Tisch mit Snacks und Getränken ist aufgebaut und unser Guide begrüßt uns. Es ist eine Frau namens Charity. Und was in dieser jungen und hübschen Frau steckt, dürfen wir heute noch ausgiebig erfahren. Um es vorwegzunehmen: Besser konnten wir es nicht erwischen. Die Transferfahrt vom Kichwa Tembo Airstrip zum Kichwa Tembo Camp dauert eigentlich nur 20 Minuten. Bei uns wird es mehr als eine Stunde. Charity ist höchst motiviert, erfreut sich an unserem Interesse und erzählt zu jedem Tier und zu jeder Tierspur eine kleine Geschichte. Es ist unglaublich, wie viele Tiere wir in dieser kurzen Zeit sehen. Die Ebene zwischen dem Airstrip und dem Camp ist voller Wild. Sogar ein Spitzmaulnashorn ist dabei. Da man in Kichwa Tembos privatem Konzessionsgebiet offroad fahren darf, kommen wir ihm ziemlich nahe.

Im Kichwa Tembo Camp

Ein Teil der 40 Zelte im Kichwa Tembo Camp, die Superior Tents, sind im Sommer 2014 komplett neu gebaut worden. Eins dieser Zelte, Nr. 4, ist nun für eine Nacht meins. Es steht in der vordersten Reihe mit freiem Blick über die weite Ebene der Massai Mara. Ein Mitarbeiter des Camps öffnet mir die Tür mit den Worten "Welcome home!".

Der Zeltstoff zur Ebene hin ist hochgerollt und eröffnet einen fantastischen Blick auf das weite Grasland. Die Zelte 1 bis 8 sind die "Superior View Tents", also die mit der besten Aussicht. Ein Zeltcamp (Tented Camp) im klassischen Sinne ist zumindest diese Zimmerkategorie nicht. Ich würde daher eher von Chalets oder gar Villen als von Zelten sprechen. Es wurde auch viel Holz verbaut, das Bad ist massiv, und es gibt eine richtige Eingangstür statt des sonst üblichen Reißverschlusses. Die Farbgebung ist ein kühles helles Braun-Grau mit einzelnen Farb-Akzenten, was mir sehr gefällt. Die Zimmer wirken modern und großzügig. Interessant ist auch die schöne Beleuchtung durch kleine Spots, die sogar in den Holzfußboden eingelassen sind. Auch die Dusche und die Toilette haben Fenster zur Ebene hin, so dass man beim Duschen den Antilopen und Warzenschweinen zuschauen kann, die den Zelten recht nahe kommen. Elefanten werden hier aber nicht so dicht vorbeilaufen, denn ein diskreter und kaum zu erkennender Zaun umgibt das Camp und hält Großwild ab.

Neben den neu gemachten 28 Superior Tents gibt es weiterhin 12 klassische Zelte, die noch das alte Safari-Feeling verströmen. Sie sind kleiner und preislich ein Stück günstiger, und sie liegen etwas weiter vom Hauptbereich entfernt unter hohen Bäumen an einem kleinen Bach. Sehr reizvoll für alle, die etwas mehr Privatsphäre wünschen und einen längeren Weg zum Zentrum der Anlage nicht scheuen.

Wie in vielen der gehobenen Safari-Lodges bestellt man sich hier am Abend einen "Wake Up Call". Dabei lässt man das Personal wissen, um wieviel Uhr und mit welchem Heißgetränk man geweckt werden möchte. Dann kommt am nächsten Morgen jemand zum Zimmer, klopft, wünscht diskret einen guten Morgen und stellt ein Tablett in die Durchreiche. Man kann sich dann, nachdem man sich im Bett noch einmal umgedreht hat, etwas überziehen, die Zeltfenster öffnen, sich sein Tablett nach draußen auf die private Terrasse holen, auf das bequeme Sofa sinken und bei einem heißen Kaffee zusehen, wie die Sonne über der Massai Mara aufgeht. Glück pur.

Auf Pirschfahrt in der Mara

Am Nachmittag gehen wir erneut auf Pirschfahrt mit Charity. Der Regen hängt über dem Kopf, als wir aufbrechen. Kaum sind wir durch das Oloololo Gate ins Mara Triangle hineingefahren, beginnt es heftig zu regnen. Das Safarifahrzeug hat zwar ein Dach, aber keine Seiten. Charity teilt Ponchos aus. An Fotografieren ist so natürlich nicht zu denken. Aber wir wollen nicht umkehren. Und wir werden für unsere Zähigkeit belohnt. Der Regen lässt hin und wieder nach, es zeigen sich viele Herdentiere und in der Ferne ist der Horizont mit schwarzen Tupfen übersät, die Gnu-Herden der großen Tierwanderung sind noch in der Mara. Und schließlich sehen wir Scar, einen der berühmten Mara-Löwen mit dichter schwarzer Mähne und einer Narbe über dem Auge. Fast reglos liegt er majestätisch auf einem Termitenhügel nicht weit von der Piste und wir können unsere Blicke kaum von ihm wenden. Im Dämmerlicht, der Regen hat wieder zugenommen, sehen wir nochmals Löwinnen mit Jungtieren, die sich auf einer überschwemmten Wiese vergnügen und wild herumtollen, dass es nur so spritzt. Es ist fast dunkel, als wir den Rückweg zum Camp einschlagen.

Ein letztes Mal dürfen wir noch mit Charity unterwegs sein, bevor wir dieses schöne Camp wieder verlassen. Charity nimmt uns mit auf eine Buschwanderung am Morgen. Kichwa Tembo bietet diese Naturwanderungen auf dem eigenen Konzessionsgebiet an, und sie führen wahlweise hinunter an den Mara-Fluss oder ein Stück das Plateau hinauf. Wir entscheiden uns für die Höhenwanderung und werden nicht enttäuscht. Je höher wir kommen, desto schöner wird der Blick auf die unter uns liegende Mara-Landschaft. Von hier oben wird besonders deutlich, warum die Mara "das gefleckte Land" genannt wird.

Das goldgelbe, jetzt nach dem Regen hellgrüne Savannengras ist von hochstämmigen Bäumen mit dichter dunkelgrüner Krone durchsetzt, die sich wie hingesprenkelt über das Land verteilen. Was für ein Garten Eden. Charity erklärt uns Termitenbauten, auffällige Pflanzen (der Leberwurstbaum trägt gerade große dunkellila Blüten) und die Lebensweise von Tieren, die man auf einer Pirschfahrt nicht aus der Nähe sehen würde wie zum Beispiel Mistkäfer. Zu allem hat sie interessante Geschichten und Hintergründe parat, so dass selbst alte Safari-Hasen wie ich noch viel Neues lernen.

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