Frühling in Etoscha

von Susanne Schlesinger

Tarendaal Farm, Etoscha, 14. Oktober 2012

Wer auf eine erfolgreiche Pirschfahrt gehen möchte, muss früh aufstehen. Es ist noch dunkel draußen und alle kommen recht verschlafen aus ihren Zimmern. Christine und Hannes erzählen, dass bei ihnen die Käfer von der Decke auf das Kopfkissen geplumpst sind, dementprechend schlecht haben sie geschlafen. Der einzige Vorteil ist, dass wir wieder einen wunderschönen Sonnenaufgang sehen dürfen. Alle sind voller Vorfreude auf den heutigen Tag, nachdem wir gestern schon soviel Pirschfahrtglück hatten. Pünktlich um 6.30 Uhr, als der Etoscha-Park öffnet, sind wir zur Stelle und sehen schon die ersten Tiere am Wasserloch hinter dem Eingang.

Pirschfahrtglück am Morgen

Eine weitere Grundregel auf Pirschfahrten ist, auf die anderen Fahrzeuge zu achten. Wo jemand steht, gibt es meist auch etwas zu sehen. In diesem Fall weist ein kleineres Auto uns den Blick zu drei jungen Löwinnen, die eine Jagdpause einlegen. Löwen sind ein echtes Highlight bei jeder Pirschfahrt und wir sind mächtig begeistert, dass wir gleich morgens welche sehen dürfen.

Im Laufe des Vormittages schauen wir noch einmal beim Wasserloch in Okaukuejo vorbei, wo sich ein großes Tiersortiment versammelt hat. Bis auf Giraffen ist alles vertreten, was vier Hufe hat – Zebras, Impalas, Gnus, Springböcke, Red Hartebeests, Kudus, Oryxe, dazu noch bunte Vogelschwärme. Schade, dass wir nicht länger bleiben können.Der Etoscha-Nationalpark, dessen Kernstück die Etoscha-Pfanne bildet, erstreckt sich auf einer Fläche von 22275 Quadratkilometern. Früher war er viermal so groß, aber im Zuge der wirtschaftlichen Ausbeute der Bodenschätze wurde das Gelände verkleinert.
 

Im Süden und Westen gibt es viel Baumbestand, im Norden dominiert eine weite Ödlandschaft. Da im Moment Trockenzeit ist, versammeln sich viele Tiere an den Wasserlöchern, was Tierbeobachtungen natürlich immens erleichert. Im südlichen Teil trifft man auf viele Giraffen, da es hier viele Mopane-Bäume gibt, die um diese Jahreszeit trotz der Trockenheit frischgrüne Blätter in der typischen Schmetterlingform austreiben. Die Giraffen stecken ihre Köpfe in die Baumwipfel und lassen es sich schmecken. Weite Teile des Nationalparks sind schwarz verbrannt - teils durch gezieltes Abbrennen, teils durch Buschfeuer, die durch Unachtsamkeit auf das trockene Gras und Holz übergreifen. Erst wenn es im Dezember regnet, werden diese Flächen wieder zu einer schönen, saftigen Graslandschaft. Dann wird es aber auch schwieriger, die Tiere zu sehen, denn sie finden überall Futter und Wasser und verstreuen sich auf dem großen Areal.

Bis zum Mittagessen haben wir noch zwei Elefantenherden mit niedlichen kleinen Elefanten gesehen, die wie alle Kinder Quatsch machen. Wir können uns von dem Anblick nur schwer losreißen.Die Sonne steht hoch am Himmel, als wir in Halali Mittagspause machen und ein „cooked Breakfast“ bekommen. Eigentlich ist es viel zu heiß für Eier und Speck. Leider hat uns niemand gesagt, dass es hier einen Pool gibt, wir hätten sonst unser Badezeug mitgebracht.

Nach einer Pause geht es nochmals vier Stunden auf Pirschfahrt kreuz und quer durch den Park. Die Nachmittagsausbeute ist nicht mehr ganz so hoch, aber trotzdem beeindruckend. Eine Zebraherde überquert vor uns die Straße. Sie sind an die Fahrzeuge gewöhnt und lassen sich nicht stören. Einzelnen Zebras fehlt ein Stück Schwanz. Wir witzeln, dass man als Zebra lieber nicht am Ende der Herde laufen sollte. Wer mehr über Zebras erfahren möchte - hier gibt es einen ausführlichen Artikel über die hübschen Savannenbewohner.

Direkt neben der Straße steht ein einzelner Elefantenbulle und zerlegt einen Baum. Man sieht sehr deutlich seine Männlichkeit, die fast bis auf den Boden hängt. Es wird ganz still im Truck - nur das Klicken der Kameras ist noch zu hören.Unser Guide Max hatte uns gewarnt. Die Tiere sind an Autos gewöhnt, nicht aber an Menschen. Laute Stimmen könnten ihn aufschrecken und es ist nicht lustig, wenn ein Elefant auf einen Truck losgeht.

Kurz vor Sonnenuntergang sehen wir dann noch vier Löwenjunge, die ungefähr sechs Wochen alt sind. Die Mutter ist irgendwo zur Jagd unterwegs und hat ihren Nachwuchs gut versteckt zurückgelassen. Die kleinen Löwen wissen genau, wie sie sich tarnen müssen, und tollen auch nicht herum. Es ist sehr schwer, sie aus der Ferne zu sehen. Leider ist es kaum möglich, brauchbare Fotos zu machen, aber die Beobachtung der tapsigen kleinen Raubkatzen ist auch schön. Wieder geraten wir in Zeitnot und brettern zum Parkausgang hinaus, bevor das Tor schließt. Und wieder erreichen wir die Gästefarm erst im Dunkeln. 45 Minuten zum Duschen, dann gibt es ein Kudu-Stew mit Couscous, das Jonathan schon am Abend zuvor gekocht hat.

Da es wieder sehr warm ist, schlafen wir ohne Decke. Die Nacht ist sowieso kurz, denn um 6 Uhr geht es schon wieder weiter zur letzten Station der gemeinsamen Reise - Windhoek.

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