Eine denkwürdige Nachtpirschfahrt

von Svenja Penzel

Mara North, 31.10.2018

Wir sind mittlerweile in der Mara North Conservancy. In dieser riesigen Privatkonzession nördlich des öffentlichen Mara-Reservats darf man nicht nur offroad fahren, sondern auch zu Fuß und in der Nacht unterwegs sein. Auf Safari in Afrika gibt es nicht viele Möglichkeiten, Nachtpirschfahrten zu unternehmen. Also ergreifen wir gespannt die Gelegenheit.

Unser Camp, Ngare Serian, ist sehr offen und liegt direkt am Mara-Fluss. Von unserem Zelt aus sind es nur wenige Meter bis zum Wasser, in dem sich die Hippos tummeln und lautstark bemerkbar machen. Auf der anderen Seite des breiten Flusses, erreichbar nur über eine schwankende Hängebrücke, stehen die Pirschfahrzeuge bereit.

Es dämmert bereits, als wir unser offenes Auto besteigen. Erfreut finden wir Trinkflaschen aus Metall vor, die wir auf der Pirschfahrt nutzen und anschließend behalten dürfen. Viele Camps haben mittlerweile ein solches System, um Plastikflaschen und entsprechenden Müll zu vermeiden. Und obwohl wir gerade erst Kaffee getrunken haben, nehmen wir noch ein paar Schluck Wasser, da man ja in Afrika immer viel trinken soll.

Im letzten Licht des Tages bietet sich uns ein herrliches Fotomotiv. Gerade als die Sonne noch einmal den Mara-Fluss mit Silber überzieht, durchschreiten drei Giraffen das Wasser.

Bei der Weiterfahrt entdecken wir ein totes Gnu, über das sich eine Hyäne hergemacht hat. Mit dem Fernglas sehe ich alle Details und alle Innereien. Meine Mitreisenden, denen ich mein Fernglas anbiete, lehnen dankend ab.

Kurz darauf stoßen wir auf ein größeres Rudel Löwen. Fasziniert schauen wir ihnen eine ganze Weile zu. Mittlerweile wäre ich für einen Toilettenstopp dankbar. Aber hier geht es natürlich nicht, es wird Nacht und wir sind von allen Seiten von Löwen umgeben. Also weiter aushalten und auf die nächste Gelegenheit hoffen. Meine Mitreisenden sind auffallend still. Wir hören in der Ferne Gnus blöken und fahren weiter durch die Nacht, nur um auf die nächsten Löwen zu treffen, zwei Weibchen und viele Jungtiere. Sie scheinen sich zu sammeln, um auf die Jagd zu gehen. Ich rutsche auf meinem Sitz hin und her und mache den obersten Hosenknopf auf. Unser Guide leuchtet mit einem besonderen Rotlichtstrahler, der die Tiere nicht blendet und sie nicht stört. Er ist ganz begeistert und erzählt uns alles über das Verhalten von Löwen. Ich glaube, ich platze gleich! Ob es den anderen ähnlich ergeht? Keiner macht einen Mucks, also sage ich auch nichts. Wie lang geht diese Nachtpirschfahrt, wie weit ist es noch bis zum Camp, und was wird uns bis dorthin noch über den Weg laufen?

Endlich höre ich, wie eine meiner Mitreisenden sich auf Swahili an unseren Guide wendet. Was genau sie sagt, verstehe ich nicht, aber an seinem „sawa-sawa“ („okay“) erkenne ich, dass er verstanden hat. Er gibt Gas. Es besteht noch Hoffnung. Weitere endlose dunkle Minuten geht es durch die Nacht. Es kommt mir gleich zu den Augen raus.

Irgendwann erreichen wir den Parkplatz am Flussufer. So schnell bin ich noch nie aus dem Fahrzeug gesprungen. Und auch die unbeleuchtete Hängebrücke über den dunkel rauschenden Fluss ist kein Hindernis, ich sprinte geradezu darüber. Auf der anderen Seite das Camp und die ersehnte Toilette. Uff, das war knapp!

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