Alles Sobo - Kleine Getränkekunde Malawis

von René Schmidt

Cape MacLear, im Mai 2018

Reisten frühere Entdecker bevorzugt in der Regenzeit, um dem Verdursten zu entgehen, so ist heute durch die permanent mögliche Versorgung mit Tee, Kaffee und abgefüllten Kaltgetränken die Trockenzeit zur beliebtesten Reisezeit geworden. Das durfte ich auch auf meiner jüngsten Reise erleben, die mich zur Tourismus-Messe in Lilongwe führte und mir den Anstoß gab, doch einmal eine kleine Getränkekunde meines Lieblingslandes niederzuschreiben.

Schon seit 1905 wird im heutigen Malawi Tee angebaut. Im Hochland rund um das Anbauzentrum Thyolo liegen die leuchtend grünen Felder wie Moos auf der roten Erde und prägen das Landschaftsbild. Angebaut werden heute Schwarzer, Grüner, Weißer, Dunkel und Oloong Tee. Da die Briten einst Kolonialherren im Lande waren, verwundert es nicht, dass der Tee seinen Weg hierher fand. Etwas mehr schon, dass die Teepflanze nicht die erste im Lande kultivierte Aufgussgetränkegrundlage war. Die Kaffeepflanze der Sorte Arabica kam schon früher in die Thyolo-Region. Heute gilt der Norden rund um Mzuzu als Zentrum des Kaffee-Anbaus, wo der gleichnamige Mzuzu Kaffee in Kooperative angebaut wird. Kaffee und Tee sind somit beide seit der Kolonialzeit Exportgüter, und auch die Einheimischen fanden Geschmack daran.

Die Kolonialzeit endete 1964. Der Unabhängigkeitsfeier wohnten mehrere ausländische Gäste bei. Darunter auch der dänische Außenminister. Dieser war nun allerdings kein sonderlicher Freund des Tees oder Kaffees und wünschte sich lieber ein Bier Pilsner Art. Dieses gab es zu dieser Zeit noch nicht in Malawi. Die Menschen tranken Chibuku, ein bis heute sehr beliebtes Getränk. Hergestellt aus Hirsemalz und Mais unterscheidet es sich doch ganz wesentlich von einem europäischen Pils. Es hat einen säuerlichen, bitteren Geschmack und eine Konsistenz im Bereich zwischen Milch und Hafersuppe. Der vollständige Name „Chibuku Shake Shake“ verweist darauf, das Getränk vor Genuss gut zu schütteln. Verkauft wird es in einem rot-weiß-blauen Karton, ähnlich dem Milchkarton in Deutschland. Darin kann man es dann auch entsprechend gut schütteln. Die gleichen Farben wie der Karton zieren auch die Verkaufseinrichtungen und Vertriebsfahrzeuge des Getränks.

Aber zurück zu 1964 und zum dänischen Außenminister, der auch das Chibuku verschmähte. Er stellte den Kontakt zur Carlsberg-Brauerei in Kopenhagen her. Als Ergebnis wurde 1968 in Malawis Wirtschaftsmetropole Blantyre die erste Carlsberg-Brauerei außerhalb Dänemarks eröffnet!

Es begann mit Carlsberg Green (dem Original), das auch heute noch die beliebteste Sorte im Land ist. Daneben gibt es heute noch Brown (Stout), Special Brew (etwas stärker), Chill (Leichtbier) und Kuche Kuche. Carlsberg engagierte sich von Beginn an für die Wiederaufforstung. Legendär schon der Werbespruch „Let´s make Malawi a little more green with Green!“

Noch vor den dänischen Brauern waren aber schon die amerikanischen Hersteller koffeinhaltiger Brause im Lande. Ab 1955 wurden unter dem Namen Nyasaland Bottling Company Erfrischungsgetränke hergestellt und abgefüllt. Durch den Zusammenschluss mit Carlsberg entstand daraus Southern Bottlers. Zu Bier, Cola, Fanta und Sprite kamen im Laufe der Jahre noch das stille Wasser „Quench“ und die Malawi Distilleries Limited hinzu.

Bekanntestes Produkt der Distilleries ist der Malawi Gin, wohl der beste Gin in der Welt. Er ist nicht nur pur ein Genuss, sondern wird gemischt mit Tonic Water zum kultigen MGT Cocktail. Daneben stellen die Distilleries auch Weinbrand und Wodka her. Der im ganzen südlichen Afrika bekannte Rock Shandy (Cocktail aus Zitronenlimonade, Soda und einen kleinen Schuss Cocktailbitter hat auch einen malawischen Bruder. Beim Malawian Shandy wird die Zitronenlimonade durch Orangenlimonade ersetzt.

Bei so vielen Flaschen aus dem Hause Southern Bottlers darf natürlich eine Eigenmarke nicht fehlen. So gibt es unter dem Namen Sobo (Abkürzung des Firmennamens) lokale Softdrinks. Am beliebtesten ist die dunkelrote Geschmackssorte Cherryplum, daneben gibt es Orange, Tropical und Cocopina. Alles klar? Alles Sobo!

Der Vertrieb der Getränke durch Southern Bottlers ist effektiv. Malawi war eins der ersten Länder Afrikas, das ein Glasflaschenpfandsystem einführte.

Anmerkung: Southern Bottlers firmiert jetzt unter dem Namen Castel Malawi LTD und ist im Besitz der französischen Groupe Castel.

noch keine Kommentare