Axum, Lalibela und das Marienfest Hidar Zion - Reisebericht Äthiopien 2015

von René Schmidt

Axum, 30.11. 2015

Auf dem Weg nach Axum (auch Aksum geschrieben) begegnen wir den ersten Pilgern, die das Marienfest Hidar Zion besuchen möchten. Am Abend erreichen wir die alte Kaiserstadt. Zur Festzeit hat sich die Zahl der Bewohner verzehnfacht. Schwierig, sich da den Weg zum Tourist Office zu bahnen, wo es die Eintrittskarten für alle Sehenswürdigkeiten gibt und die örtliche Führer zugeteilt werden. Aber die Zeit lässt sich wunderbar damit überbrücken, die Menschen anzuschauen. Etwas außerhalb der Stadt, vorbei am Bad der Königin von Saba, befindet sich das Grab des Kaleb mit dem äthiopischen Pendant zum Rosetta-Stein.

Die geschichtliche Verbundenheit mit Ägypten und Arabien wird erlebbar. Von der Bergeshöhe kann man den Blick über einen Zeugen der neueren Geschichte schweifen lassen, das Schlachtfeld von Adua. Hier besiegte die äthiopische Armee 1896 die italienischen Invasionstruppen. Seitdem ist Äthiopien ein souveräner Staat und war lange Zeit das einzige Land Afrikas, das nicht unter Kolonialherrschaft stand.

Zum Hotel zurück geht es wieder durch dichtgefüllte Straßen. Die reservierten Zimmer für unsere Touristengruppe sind noch frei, bei der Menschenmenge ringsumher nicht selbstverständlich. Viele Pilger beziehen Quartier im Keller des Hotels, wo ein imposanter Zeltplatz errichtet ist. Die Organisation klappt hervorragend, das Abendessen gibt es pünktlich für Pilger und für Touristen. Alles verläuft ruhig und in geordneten Bahnen. Ich komme einfach mit den Pilgern ins Gespräch. Im Restaurant fällt mein Blick wieder auf die äthiopische Bildersammlung an den Wänden. Bewahrer der Unabhängigkeit, Diktator, Unterwerfer, Revolutionär, noch mal Kaiser und deren Widersacher auch hier harmonisch nebeneinander.

Hidar Zion-Fest

In Äthiopien leben rund 45 Millionen orthodoxe Christen. Die meisten von ihnen sind überzeugt, dass die originale Bundeslade mit den Gesetzestafeln der Zehn Gebote in Axum aufbewahrt wird – in der Kapelle gleich neben der Kirche der Heiligen Maria von Zion. Sie kam der Legende nach aus Israel nach Äthiopien, wurde zwischenzeitlich zum Schutz auf einer Insel im Tana-See aufbewahrt und zählt zu den heiligsten Gegenständen der Christenheit. Deswegen wird Axum auch als das „Zweite Jerusalem“ bezeichnet.

Das heutige Hidar Zion-Fest zu Ehren der Jungfrau Maria markiert den Tag, an dem die erste Kathedrale der Stadt eingeweiht wurde. Die Kathedrale, das Haus der Bundeslade und die ganze Stadt sind festlich geschmückt. Auf einem erhöhten Platz im Schatten der Bäume versammeln sich Vertreter der Koptischen Kirche, der Provinz und der Stadt. Den würdevollen Mittelpunkt bildet Papst (Patriarch) Mathias. Auf der Bühne gibt es Musik und Tanz. Alles umsäumt von zahlreichen Pilgern und ein paar Touristengruppen, welche meiner Ansicht nach zu nah an den Mittelpunkt heran geleitet wurden. Da wäre mir etwas mehr Abstand angebrachter erschienen. Auch aus größerer Entfernung wäre das Fest eindrucksvoll zu bestaunen gewesen. Manche können ja nie genug staunen. Auf die Frage einer Touristin, ob den nach den Tänzen noch etwas Besonderes kommt, wusste ich zu antworten: ja – einer zaubert noch einen Wacholderbusch hervor und einer geht noch über Wasser. Wieder Staunen!

Auch das gesamte Areal mit Alter und Neuer Kathedrale ist von Tausenden Pilgern gesäumt. Ein anderes Datum wäre geeigneter gewesen, dieses Gebiet in Ruhe zu besichtigen. So aber steht das Fest ganz klar im Mittelpunkt und ist auch ein Höhepunkt unserer Reise. Erstaunlich, dass wir trotzdem noch einen ruhigen Platz für das Mittagessen finden. Trubel und Ruhe dicht nebeneinander, so habe ich Äthiopien oft erleben können.

Ruhe strahlen auch die riesigen Stelen in der Mitte der Stadt aus. Sie sehen den ägyptischen Obelisken ähnlich, deren berühmteste sich ja in Rom, Paris und Washington befinden. Sie markieren darunterliegende Grabkammern der Könige aus Axum. Die größte stehende Stele misst 24 Meter, ganze 33 Meter sind es bei der liegenden Stele.

Lalibela

Die wohl berühmteste Stadt Äthiopiens ist Lalibela mit ihren in den Fels gehauenen Kirchen. Auch wenn der Name italienisch klingen mag, Namenspatron war ein äthiopischer König. Landschaftlich schön von den Lasta-Bergen umgeben, findet man hier ein Labyrinth aus Gängen, Tunneln und den einzigartigen Felsenkirchen. Jede der elf Kirchen weist einen eigenen Baucharakter und unterschiedliche Dekoration auf. Die Kirchen gliedern sich in zwei Gruppen, die berühmteste befindet sich etwas außerhalb davon. In Form eines griechischen Kreuzes liegt die St. Georgs-Kirche im Felsenhof.

St. Georg ist auch der Patron des beliebtesten Bieres im Land. Hatte ich es schon erwähnt?  Äthiopien verfügt über ein vielfältiges Biersortiment mit lokalen Brauereien, die wirklich gute Getränke herstellen.

Auch in den Felsen der Umgebung von Lalibela befinden sich sakrale Bauten. So das Kloster Asheton Mariam und die Kirche Yimrehane Kristos. Zu letzterer sind die Anfahrt und der Aufstieg ziemlich beschwerlich, aber das macht die Lage noch eindrucksvoller.

Eine eindrucksvolle Reise liegt hinter mir, auch wenn es Out of Outback Africa war. Zahlreichere Tierwelt findet man in den südlicher liegenden Regionen des Kontinents. Aber der kulturelle Reichtum und die Geschichte Äthiopiens sind einzigartig. Fantastische Landschaften, Kaffee von frisch gerösteten Bohnen trinken, in welcher Stadt gab es noch welches Bier? – Äthiopien war ein wunderbares Erlebnis.

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