Temple Point Resort - Schulbesuch in der Dongokundu Primary School

von Susanne Schlesinger

Unser vorletzter Tag steht zur freien Verfügung, und wir durften Wünsche zu Aktivitäten äußern. Das Temple Point Resort unterstützt einige lokale Hilfsprojekte und das Interesse daran ist erfreulicherweise bei vielen groß. Varina organisiert für uns einen Besuch in der „Dongokundu Primary School“ und anschließend in der benachbarten Meeresschildkröten-Auffangstation. Danach soll es noch an den Strand gehen, um die bei Ebbe entstehenden Priele und Wassertümpel mit allerlei Meeresgetier zu sehen.Ebbe ist an diesem Tag am Nachmittag, also machen wir uns in der Mittagszeit auf. Bis zur Schule sind es rund zwei Kilometer Fußmarsch in der schwülen Hitze. Varina hat Erbarmen und bereitet uns eine gelungene Überraschung, als plötzlich einige Tuk-Tuks vor dem Resorteingang vorfahren. Diese kleinen dreirädrigen Mopeds mit Dach sind hier eins der häufigsten Verkehrsmittel. Wir haben viel Spaß.

Auf dem Schulgelände werden wir vom Direktor und einer Lehrerin begrüßt. Beide sind sehr formell und würdevoll - in Kenia ist der Lehrerberuf sehr angesehen. Schon auf den ersten Blick wird klar, dass hier das alltägliche Kenia zu sehen ist, das im krassen Widerspruch zum Urlaubsparadies Kenia mit Safari und Strand steht.Das Schulgebäude besteht aus einigen kahlen Räumen mit offenen Fenstern. Die Klassenzimmer sind mit schlichten Holzbänken ausgestattet, an denen teilweise drei Schüler zusammengedrängt sitzen. Ein neueres Gebäude, das die Pre-School beherbergt, wurde von Handwerkern des Temple Point Resorts errichtet. Ebenso eine Solaranlage, um die Schule mit Strom zu versorgen. In zwei Bretterbuden sind Verkaufsstände untergebracht, an denen die Schüler, die nicht nach Hause gehen können, etwas zu essen kaufen können. Das größte Problem sind jedoch die fehlenden sanitären Einrichtungen. Viele der Mädchen kommen deshalb manchmal nicht zur Schule. Ebenso fehlen eine Umzäunung des Geländes und ein Sportplatz. Die Kinder können nur im Innenhof Fußball spielen.

Die Schule hat 500 Schüler, die jüngsten sind drei Jahre alt und gehen in die Pre-School, eine Art Kindergarten. Bei regelmäßigem Schulbesuch würden die Kinder im Alter von 11-12 Jahren dann auf eine weiterführende Schule (Secondary School) wechseln. Viele der Kinder besuchen die Schule aber nicht durchgängig oder fangen erst später an. Der älteste Schüler ist deshalb 25 Jahre alt. Insgesamt gibt es 12 Lehrer, von denen nur acht vom Staat und weitere vier privat bezahlt werden.Uns fällt auf, dass in den kleineren Klassen die meisten der Schüler Jungen sind. Mit sechs oder sieben Jahren sind sie noch fröhlich und unbeschwert - sie finden uns und unsere Kameras toll und machen Faxen.

Die meisten der Mädchen sind älter und sehr schüchtern. Sie werden häufig erst später zur Schule geschickt und verlassen diese oft wieder, wenn sie etwas lesen und schreiben können.Alle Kinder tragen Schuluniformen und sehr kurze Haare, auch die Mädchen. Damit sollen Standesunterschiede vermieden werden (kenianische Frauen sind sehr eitel mit ihren Frisuren) und es ist wohl auch hygienischer. Die Schuluniformen werden von Frauen in einem Handarbeitsraum selbst genäht, denn gekauft sind sie zu teuer. Trotzdem sind die Uniformen bei vielen Kindern sehr alt und zerrissen. Wahrscheinlich tragen sie sie auch in ihrer Freizeit aus Ermangelung anderer Kleidung.

Sechs Fächer werden unterrichtet: Englisch, Mathematik, Science (Sachkunde), Creative Art (Kunst) und Physical Education (Sport). Kisuaheli wird als Fremdsprache unterrichtet, da viele Schüler zu Hause einen Stammesdialekt sprechen. Unsere Anwesenheit sorgt natürlich für einige Unruhe. Zwei Klassen schreiben gerade Prüfungen und es tut uns leid, sie in ihrer Konzentration zu stören. Als Unterrichtsmaterial dienen nur einige Zettel und die Tafel. Der Direktor zeigt uns den größten Schatz der Schule - eine vergitterte Bibliothek mit abgegriffenen, teilweise zerfledderten Büchern. Die kenianische Regierung möchte Computer an die Schulen verteilen. Allerdings werden nur die Geräte geliefert, nicht aber der Bau eines notwendigen klimatisierten Raumes und entsprechender Sicherheitsmaßnahmen übernommen. Ordentliche Schulbücher wären den Schülern deshalb lieber.Wir gehen in das Büro des Direktors, kaum mehr als ein kleiner, stickiger Raum mit einem Schreibtisch. Aus einer Ecke holt der Schulleiter einen etwas verbeulten Pokal hervor. Trotz fehlender Sporteinrichtungen und primitiven Schulmitteln hat die Grundschule im Rugby und in einem Mathematikwettbewerb den Sieg bei den Regionalmeisterschaften errungen. Auch der Chor nimmt erfolgreich an Wettbewerben teil, die teilweise sogar in Nairobi stattfinden.

Spenden aller Art sind willkommen, daraus macht der Schulleiter keinen Hehl. Wie überall in Kenia reicht es gerade so, um den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten, aber alles darüber hinaus ist kaum finanzierbar. Die Nähe zum Temple Point Resort ist deshalb für die Grundschule ein großer Vorteil.Auf dem Weg zur benachbarten Meeresschildkröten-Auffangstation begleiten uns einige Kinder. Die kostbaren Bücher tragen sie in zerschlissenen Plastiktüten heim. Ein geschenkter bunter Stoffbeutel löst deshalb Entzücken bei den Mädchen aus. Diese wunderbaren Kinder, die sich so freuen können und so dankbar sind, haben es auf jeden Fall verdient, Unterstützung zu bekommen… und eine ordentliche Toilette.

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