Von Nairobi zum Amboseli Nationalpark

von Judith Nasse

Nairobi, 06.09.2015

Recht früh am Morgen werde ich von meiner Mitreisenden Christiane und unserem Guide James am Hotel abgeholt. Wir brechen auf in Richtung Süden zum Amboseli Nationalpark. Schon kurz nachdem wir Nairobi verlassen haben, können wir die Aussicht auf die wunderschöne Savanne genießen. Zuerst gibt es viel Buschland, aber bald ist die Landschaft von Akazien geprägt und die Farbe der Erde verändert sich. Hier ist sie durch den hohen Eisengehalt rot, wie man sie aus Afrika-Filmen kennt. Die lange Fahrt zum Grenzposten Namanga wird überhaupt nicht langweilig, denn immer gibt es etwas zu sehen. Die Landschaft ist abwechslungsreich, mal flach, dann wieder hügelig. Überpünktlich kommen wir an der Grenze nach Tansania an. Hier holen wir zwei weitere Mitreisende ab. Es dauert nicht lange, bis einige Verkäuferinnen unseren Minibus belagern.

Eine alte Massai-Frau ist sehr hartnäckig, da sie wohl denkt, ich würde irgendwann nachgeben und doch etwas Schmuck oder eine Schnitzerei kaufen. Leider macht sie mit mir jedoch kein Geschäft. Irgendwann erkenne ich Johnson, einen meiner Fahrer in Tansania im vergangenen Jahr. Die Welt ist klein und nun hat er heute zufällig die Aufgabe, unsere Gäste zur Grenze zu fahren. Auch Johnson erinnert sich an mich und sagt zu James, dass er diese „mzungu“ letztes Jahr durch die Gegend gefahren hat. Kurze Zeit später lernen wir auch Lore und Barbara kennen. Die beiden müssen noch eine ganze Weile am Einreise-Schalter anstehen und das bei dieser Hitze! Dann setzen wir unsere Fahrt zum Amboseli Nationalpark über eine holprige Piste fort.

Die Ol Tukai Lodge – eine Oase inmitten des Amboseli Nationalparks

Etwas müde von der langen Fahrt erreichen wir die Ol Tukai Lodge. Die Lage dieser Unterkunft mitten im Nationalpark ist wirklich außergewöhnlich. An diesem wunderschönen Fleckchen Erde fühle ich mich sofort wohl. Der Hauptbereich und die insgesamt 80 Zimmer, davon fünf Dreibettzimmer sowie vier Familienzimmer und eine Suite, sind liebevoll im afrikanischen Stil eingerichtet. Die Zimmer sind großzügig geschnitten und verfügen über ein Badezimmer mit Dusche sowie einen Safe. Den Gästen steht ein Pool, eine Bar, sowie kostenloses WLAN im Hauptbereich zur Verfügung. Nach dem Beziehen unserer Zimmer geht es gleich weiter zum Restaurant. Wieder einmal staune ich. Das Mittagessen nehmen wir auf einer überdachten Terrasse mit Blick auf eine weite Grasebene ein, auf der sich jede Menge Antilopen und Zebras ebenfalls ihre Mahlzeit schmecken lassen. Uns bleibt nur kurze Zeit zum Ausruhen, denn dann geht es schon los auf Pirschfahrt.

Nachmittagspirsch im tierreichen Amboseli Nationalpark

Bei recht dichter Bewölkung starten wir auf unsere erste Pirschfahrt. Wir sind gespannt, ob es der Sonne gelingen wird, die Wolken zu vertreiben und wir doch noch den Kilimanjaro sehen werden. Nicht weit von der Lodge entfernt erstreckt sich rechts und links des Weges eine saftig grüne Sumpflandschaft, in der sich die Wolken spiegeln. Für einige Vogelarten, die wir aus nächster Nähe betrachten können, ist dies das reinste Paradies. Graureiher, Nilgänse, Löffler und Kuhreiher tummeln sich im Wasser, und auf trockenen Grasflächen entdecken wir Kronenkraniche und sogar einen Schreiseeadler. Immer wieder ragen große graue Körper aus dem Sumpf hervor. Einige Elefanten können wir in nur wenigen Metern Entfernung beobachten, während sie mit ihren Rüsseln das Gras abrupfen. Immer wieder sind Zebras und Gnus zu sehen.

Eine große Büffelherde wandert über die Ebene und in weiter Entfernung können wir durch unsere Ferngläser eine Flusspferd-Mutter mit ihren beiden Jungen erkennen. Es ist beeindruckend, wie viele unterschiedliche Tierarten hier innerhalb kurzer Zeit zu beobachten sind. Eine Elefantenfamilie läuft vor dem Kilimanjaro-Massiv entlang. Es wäre das perfekte Postkarten-Panorama, wenn der Dunst nicht wäre… Heute zeigt uns der Kili leider nur kurz seine Spitze, der Rest bleibt in den Wolken verborgen.

Plötzlich sehen wir an einer Stelle mehrere Autos. James gibt Gas und schon kurze Zeit später kommt unser Minibus in einer Schlange von Fahrzeugen zum Stehen. Zunächst sehe ich weit entfernt auf einer Sandfläche nur einen Löwen liegen. Es dauert eine Weile, bis ich mit dem Fernglas noch die anderen drei Löwen ausmachen kann. Schon bald kommt ein junges Löwenpaar langsam auf die Safarifahrzeuge zu. Er schnüffelt an ihrem Hinterteil und ich denke, dass wir wahrscheinlich noch eine Paarung erleben werden. Beide sind noch recht jung und wirken unsicher. Zum Liebesspiel kommt es dann doch nicht mehr. Auch die anderen beiden Löwen kommen noch bis zu unseren Fahrzeugen. Viel Zeit bleibt uns leider nicht, denn die Sonne steht schon tief.

Wir fahren zurück in Richtung Lodge. Auf unserem Weg dorthin erwarten uns noch zwei weitere Highlights: ein Gepard, der nur kurz zu sehen ist und dann davon huscht und eine Hyäne, die nur wenige Meter vom Weg entfernt ihr Baby säugt. Zufrieden kehren wir nach Ol Tukai zurück. Zum Abendessen erwartet uns bei Kerzenschein ein Viergänge-Menü. Während Barbara und Lore noch an einer optionalen Nachtpirschfahrt teilnehmen, lassen Christiane und ich uns das sehr leckere Rinderfilet schmecken. Auf dem Rückweg zu unseren Zimmern blicken wir in einen wunderschönen Sternenhimmel. Wir sind uns sicher, dass wir morgen früh den Kilimanjaro sehen werden.

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