Die Massai Mara zur großen Gnuwanderung

von Judith Nasse

Massai Mara, 10.09.2015

Nach einem schmackhaften Frühstück brechen wir auf und begeben uns auf eine ganztägige Pirschfahrt in der Massai Mara. Ich bin gespannt, was uns heute erwartet. Bereits innerhalb kurzer Zeit nach der Einfahrt in den Park können wir viele verschiedene Tierarten beobachten. Impalas, Gnus, Zebras, Thomson-Gazellen, Hartebeest und eine große Herde Topis grasen auf den endlosen Weideflächen. Weit entfernt entdecken wir zwei Elenantilopen. Wir treffen auf mehrere Elefantenfamilien und sehen erstaunlich viele Giraffen, darunter sogar mehrere niedliche Jungtiere. Bei diesem schönen Wetter ist der Weitblick über die Hügel der Grassavanne, die ab und zu durch Büsche und Bäume durchbrochen wird, einfach herrlich. Dort, wo schon etwas Regen gefallen ist, wachsen grüne Teppiche.

Unsere Reisegruppe im Großkatzen-Glück

Es sind erstaunlich wenige Fahrzeuge unterwegs und man merkt, dass der kenianische Tourismus in diesem Jahr geschwächt ist. So teilen wir auch die nächste spektakuläre Tiersichtung mit nur wenigen anderen Besuchern. Eine Löwin ist damit beschäftigt, das Blut von einem Zebrariss abzulecken. Dabei lässt sie sich kaum von uns stören. Nur ab und zu, wenn ein Motor startet, hebt sie den Kopf und zeigt uns ihre blutverschmierte Schnauze. Diese Szene könnte ich stundenlang beobachten, aber bald fahren wir weiter, denn bis zu unserem Ziel, dem Mara-Fluss, ist es noch weit. James empfiehlt uns zur Abwechslung einen „nature walk“, der sicherlich sehr interessant ist, da man dabei viel über Flora und Fauna lernt.

Wir denken jedoch, dass wir in dieser Zeit eventuell ganz besondere Tierbeobachtungsmöglichkeiten verpassen und entscheiden uns daher einstimmig gegen die Wanderung. Schon bald wird unser Entschluss belohnt. Mehrere Fahrzeuge stehen am Wegesrand, denn eine Gepardenmutter ist mit ihren drei Kindern unterwegs. Nur wenige Meter entfernt überqueren sie zwischen den Wagen die Piste. Die Mutter ist wachsam und schaut sich mehrfach um. Leider verschwinden die Tiere schnell im hohen Gras, sind aber einige Minuten später nochmals zu sehen. In weiter Entfernung sitzen sie auf einem kleinen Erdhügel. Es ist ein fantastischer Anblick und ein super Fotomotiv, nur leider gelingt auf die Distanz kein einziges Bild.

Kurze Zeit später spricht James über Funk mit anderen Fahrern und bekommt einen Hinweis. Er gibt zunächst Vollgas und verlässt dann irgendwann den Weg. An einem Busch liegt eine weitere Gepardenmutter mit ihren zwei Jungen. Uns bleiben nur wenige Minuten zum Staunen und Fotos machen, denn offroad fahren in der Mara ist verboten. Es ist Wahnsinn: sieben Geparde in weniger als einer halben Stunde! Das habe ich vorher noch nie erlebt!

Auf zum Mara-Fluss!

Je mehr wir uns dem Mara River nähern, desto mehr Gnus sehen wir. Überall, soweit das Auge reicht, sind schwarze Punkte. Große Gnu-Herden ziehen durch die Weiten der Savanne und machen zwischendurch Pause, um zu grasen. Immer wieder hören wir das Blöken der Tiere. Auch direkt am Fluss gibt es Massen an Zebras und Gnus, allerdings auch viele Fahrzeuge. Leider sind die besonders guten Plätze schon vergeben und so mancher Guide guckt grimmig, als James versucht, für uns noch einen besseren Platz zu ergattern. Nun steigt die Spannung, ob wir tatsächlich ein „River Crossing“ erleben werden. Vereinzelte Tiere stehen am gegenüberliegenden Flussufer und zögern. Sie scheinen zu ahnen, wie gefährlich die Überquerung des Mara-Flusses ist. Dann kommt eine Vorhut Zebras langsam auf uns zu. Als die Tiere die Böschung zum Fluss hinunterlaufen, machen wir unsere Kameras bereit und warten auf den Beginn des Schauspiels. Kurze Zeit später kommen die Zebras in einer großen Staubwolke wieder hinauf. Wie schade! Wir beobachten noch viele Hippos und einige fette Krokodile. Dann lassen wir uns mitten in der Savanne unter einem Baum unser Mittagspicknick schmecken, während im Hintergrund die Gnus wandern. Als wir weiterfahren, kommen gleich ein paar Geier angeflogen, um nachzusehen, ob wir Abfälle hinterlassen haben. Noch einmal versuchen wir unser Glück und fahren hinunter zum Mara-River, wo wir wieder zahlreiche Flusspferde und Krokodile beobachten können. Ein River Crossing erleben wir leider nicht. Vielleicht klappt das ja bei unserem nächsten Besuch in diesem wunderbaren Tierparadies.

Nochmals Katzen!

Nach der Mittagspause ist es erstaunlich ruhig in der Savanne. Längere Zeit fahren wir durch die Gegend, ohne dass sich ein einziges Tier blicken lässt. Dann, auf einmal, gibt es wieder reichlich Gnus und eine große Impala-Herde zu beobachten. Fünf junge Schakale wuseln neugierig um unseren Minibus herum. Sie sind so niedlich, dass ich am liebsten einen von ihnen mit nach Hause nehmen würde. Auf unserer Rückfahrt erleben wir noch ein besonderes Highlight. Ein Löwe und eine Löwin liegen unweit vom Weg entfernt. Sie gähnt und zeigt uns dabei ihre scharfen Eckzähne. Es dauert nicht lange, bis er sich erhebt und durch das hohe Gras in ihre Richtung läuft. Beim darauffolgenden Liebesspiel wirkt sie recht gelangweilt, während er ihr leidenschaftlich in den Nacken beißt. Nach dem kurzen Akt verscheucht sie ihn fauchend. Er steht auf und leckt sich noch einmal genüsslich die Schnauze. Für uns ist es Zeit umzukehren, denn bis zum Parkausgang ist es noch weit. Die Mara verabschiedet sich von uns mit einem wunderbaren Anblick: Die Sonne steht tief über der Grassavanne und neben einer Akazie grasen Zebras. Wieder ist es bereits dunkel, als wir in unser Camp zurückkehren. Es war ein erlebnisreicher Tag, der mit einer „Masai Lecture“, bei der wir viel über Kultur und Tradition dieses Volkes erfahren, endet.

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